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Diese mehrteilige Reihe befasst sich mit Themen, die immer mal wieder von Lesern in Reviews angesprochen werden, weil sie dadurch, dass sie die Kapitel häppchenweise vorgesetzt bekommen, nicht den Überblick über alle drei Teile von „Die Bürde der schwarzen Magier“ haben und daher verständlicherweise Dinge bekritteln, die sich in Wohlgefallen auflösen, wenn man das große Puzzle kennt.
Da ich jedoch keine Lust habe, dieselben Dinge wieder und wieder durchzukauen (es tut mir ja schrecklich leid, aber ich habe auch noch ein Leben), fasse ich diese Punkte hier zusammen und versuche über meine dahintersteckenden Absichten aufzuklären.

Ich bin übrigens ein großer Fan von „Don’t like, don’t read.“ Wenn euch meine Geschichten zu vorhersehbar sind, wenn euch die Art und Weise, wie ich Handlungsfäden verknüpfe, missfällt, oder wenn ihr euch nicht damit anfreunden könnt, wie die Magier ihre Forschungen betreiben oder welche Strategie sie gegen die Sachakaner auffahren – wenn euch das so sehr stört, dann lest es doch nicht. Denn auch ich lese keine Geschichten, an denen ich kein gutes Haar lassen kann. Dafür ist mir meine Zeit zu wertvoll.

Und nein, das ist keine Arroganz, sondern nur ein gutgemeinter Rat, der sowohl euch als auch mir Nerven spart 🙂

Teil 1: Der partielle Determinismus – Die Vorsehung der Vorhersehbarkeit

Seit „Der Spion“ online ist, bekomme ich immer mal wieder zu hören, „was Charakter X in diesem Kapitel Y widerfährt, war ja abzusehen“. Zugegebenermaßen kann ich als Autor meiner Geschichte schlecht nachvollziehen, was für einen Leser absehbar ist und was nicht, da ich im  Gegensatz zu ihnen die großen Zusammenhänge kenne. Mit Handlungsverläufen, die ich persönlich absehbar finde, aber zugleich auch gut so wie sie sind, hätten manche Leser nie gerechnet. Umgekehrt finden sie absehbar, was ich selbst nie dafür gehalten hätte.
Doch nicht nur in meiner Geschichte, auch im Zusammenhang mit Filmen, Büchern und Serien bekomme ich diesen Satz oft zu hören. Und ich frage mich ernsthaft: Was ist daran so schlimm? Haben zehn Jahre an der Universität mein analytisches Denken nicht gut genug gedrillt, dass mir dies nicht auffällt, oder resultieren diese Kommentare aus einem manischen Suchen des berühmten Haares in der Suppe? Denn seien wir ehrlich: Wenn man lange genug sucht, findet man in jeder Suppe ein Haar.
Ich persönlich finde, eine gute Geschichte braucht eine gesunde Mischung aus Vorhersehbarkeit und unerwarteten Wendungen. Denn wer will eine Geschichte lesen, in der alles deterministisch ist und wo kämen wir hin, wenn die Handlung so überraschend und willkürlich wäre, dass der rote Faden nicht mehr zu finden ist? Vorhersehbarkeiten sind wichtig, damit es etwas gibt, worauf der Leser sich verlassen kann, so wie Unvorhersehbarkeiten wichtig sind, um sie zu überraschen.
Vorhersehbarkeit kommt in den besten Geschichten vor. Geschichten, die wir alle lieben. So wissen wir von Anfang an, dass Frodo den Ring der Macht in den Mount of Doom werfen wird, Harry Potter gegen Voldemort antreten muss, der Todesstern zerstört und das Imperium gestürzt wird. Auch in „The Black Magician Trilogy“ gibt es sie. So ist zu Beginn des ersten Buches bereits klar, dass Sonea am Ende zu den Magiern gehören wird. Und in der Mitte des zweiten Buches, wo Akkarin sie einer Wahrheitslesung unterzieht, wusste ich bereits, dass sie sich in ihn verlieben und sich ihm anschließen würde. Und nein, ich habe das nie und immer als negativ angesehen. Stattdessen habe ich dem entgegengefiebert und war neugierig zu erfahren, wie es dazu kommt.

Solange ich weiß, dass meine Geschichte überraschende Wendungen und Spannungsbögen hat, ist es mir herzlich egal, ob manche Entwicklungen für den Leser abzusehen sind. Manchmal setze ich Determinismus bewusst ein, weil ich mich auf die Entwicklung konzentriere, mit der es zu einem bestimmten Ereignis kommt. Dann gibt es aber auch wiederum Entwicklungen, die mir einfach zu unwichtig sind, als dass ich ein großes Mysterium darum machen will. Und seien wir mal ehrlich: Auch im richtigen Leben sind viele Dinge oft vorhersehbar.

Ich sehe im partiellen Determinismus von Geschichten keinen Makel, sondern vielmehr ein Daraufhinfiebern, dass ein bestimmtes Szenario eintritt. Und in dieser freudigen Erwartung wollen wir nicht wissen, ob es dazu kommt, sondern wie es dazu kommt. Und das kann ebenso spannend sein.

Im nächsten Teil: Das Gesetz der Ungleichzeitigkeit: Unachtsamkeit, Unfähigkeit oder eiskalte Berechnung?

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