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Das Gesetz der Ungleichzeitigkeit: Unachtsamkeit, Unfähigkeit oder eiskalte Berechnung?

Als Autor hat man etwas, was der Leser, der pro Woche ein Kapitel vor die Nase bekommt, nicht hat: den Überblick über die gesamte Geschichte. Was dem Leser als schlecht durchdacht erscheint, ergibt jedoch oft einen Sinn, wenn man die gesamte Geschichte kennt. Das ist auch in meinen Geschichten so. Die Handlungen und Entwicklungen meiner Charaktere verlaufen nicht nach einem streng konstruierten Muster – nein, sie verhalten sich so, wie normale Menschen sich verhalten.

Wenn ein Charakter in einem Teil meiner Geschichte keine Entwicklung durchlebt, dann will ich nicht, dass er sich entwickelt, und bringe das entsprechend zum Ausdruck. Ich schreibe keine Szenen, in denen nichts passiert, was nicht irgendwann später einen Sinn ergibt. Ein Charakter, der gerade kein Abenteuer erlebt, macht eine innere Entwicklung durch. Selbst wenn es aussieht, als würde er auf der Stelle treten, hat sogar das einen Sinn.

Und seien wir ehrlich: Haben wir nicht alle schon einmal auf der Stelle getreten, immer wieder dieselben Fehler gemacht oder der Vergangenheit nachgetrauert und nicht gesehen, was sich gerade direkt vor unserer Nase abspielt?

Ein weiterer Aspekt, auf den ich in diesem Beitrag aufmerksam machen will, sind die Spannungsbögen verschiedener Handlungsstränge. Man nehme eine beliebige Stichprobe zufällig ausgewählter Menschen und verfolge ihr Leben über einen längeren Zeitraum. Meinetwegen auch Menschen, die sich untereinander kennen. Dabei wird man feststellen, dass diese Menschen während der Beobachtungszeit Höhen und Tiefen ihres Lebens durchmachen, sich unterschiedlich entwickeln, Erfahrungen machen oder einfach einmal gar nichts erleben.

Aber der Clou dabei ist: All dies passiert zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten. Würde ich eine Geschichte schreiben, in der alle gleichzeitig ihre Abenteuer erleben, wäre das herzlich unrealistisch. Es sei denn, alle Erzählcharaktere sind die ganze Zeit zusammen.

Oder um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Meine Charaktere sind genau da, wo ich sie haben will und sie tun genau das, von dem ich will, dass sie es tun, und sie begehen Fehler, wenn ich sie Fehler machen lassen will und in jedem ihrer Auftritte passiert etwas, das in irgendeiner Form noch relevant werden wird. Also liebe Leser, was ich jede Woche auf FF.de hochlade, ist wohldurchdacht und wird früher oder später einen Sinn ergeben. Versprochen.

 

Im nächsten Teil: Handlungsfäden: Gordischer Knoten oder filigrane Strickarbeit?

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