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Handlungsfäden: Gordischer Knoten oder filigrane Strickarbeit?

Im letzten Teil habe ich das Thema bereits zur Sprache gebracht. Hier will ich jedoch noch einmal genauer darauf eingehen.

Die meisten guten Stories werden aus der Sicht mehrerer Charaktere erzählt, die allesamt ihren eigenen Handlungsfäden haben, die sich in einem Netz befinden, das mal mehr und mal weniger eng geknüpft ist. Wie schon beim Gesetz der Ungleichzeitigkeit gilt auch hier als Maß aller Dinge: Natürlichkeit. Eine Geschichte findet oft an unterschiedlichen Schauplätzen statt, an denen sich die Erzählcharaktere gerade befinden. Dadurch ist das Geflecht der Handlungsfäden mal dichter, mal weniger dicht gestrickt. Manchmal folgt dieses Gebilde keinem erkennbaren Muster, weil die Charaktere gerade so weit voneinander entfernt agieren, dass sie ihre Fäden völlig losgelöst erscheinen und der Leser sich fragt „Was soll das jetzt eigentlich?“, weil ihm der Überblick über die gesamte Geschichte fehlt.

Ich habe sogar schon Beschwerden von Lesern bekommen, in denen es hieß: „Die Storyline von Charakter X und Charakter Y reißen mich aus dem Lesefluss, weil sie nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben.“ Haben sie das? Nein. Jeder Charakter hat mitsamt seiner Storyline seine Berechtigung, die früher oder später ersichtlich werden wird. Sie alle sind Bestandteil des großen Netzwerks. Und diese Szenenwechsel zwischen der Haupt- und der Nebenstory haben ihre Berechtigung. Ich setzte sie bewusst ein, vielleicht steckt sogar ein latenter Sadismus dahinter, dass ich den Leser bewusst aus seinem Lesefluss reiße, weil er dann umso mehr dem Teil entgegenfiebert, den er gerade als spannend empfindet.

Und ja, das ist ärgerlich. Ich ärgere mich in Büchern auch oft darüber. Aber es ist ein freudiges Ärgern, so wie wenn eine Folge meiner Lieblingsserie an der spannendsten Stelle aufhört und ich bis zur nächsten Woche warten und in der Zwischenzeit andere Serien schauen muss.

Aber es ist gut und richtig so.

Noch einmal zurück zur Natürlichkeit: Nicht immer sind alle Handlungsfäden gleich spannend. Wenn der Handlungsfaden eines Charakters gerade unspektakulär ist, hat er für diese Dauer weniger Auftritte in der Geschichte. Dies ist eine Folge aus dem Gesetz der Ungleichzeitigkeit. Warum sollte ich über einen Charakter schreiben, der gerade wirklich gar nichts erlebt, was ihn in irgendeiner Form weiterbringt? Ich sehe keinen Sinn in Fillern.

Aber irgendwann laufen alle Fäden wieder zusammen oder finden unabhängig voneinander zu einem Ende. In letzterem Fall haben sie sich jedoch irgendwann in der Vergangenheit einmal getroffen. Zumindest in den guten Geschichten ist das so. Ich will mir nicht anmaßen zu behaupten, meine Geschichte sei gut. Aber eines kann ich mit Sicherheit über sie sagen: Alle Handlungsfäden folgen einem Muster. Sie treffen dort aufeinander, wo ich sie aufeinandertreffen lassen will, und sie finden irgendwann alle zu einem Ende. Versprochen.

Also liebe Leser, habt Geduld.

Im nächsten Teil: Die Wahrheit über Forschung

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