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In dieser Reihe von Blogs möchte ich Euch die Klischees vorstellen, derer Canavan sich gewollt oder ungewollt bedient (um ehrlich zu sein, habe ich nicht die geringste Ahnung, ob sie das so beabsichtigt hat), und wie diese dazu beitragen, den Büchern ihren unwiderstehlichen Charme zu verleihen. Denn auch wenn Canavan mit ihrer ersten Trilogie eine völlig neue Art der Fantasy-Literatur erschaffen hat, finden sich darin altbewährte Muster, die trotz ihrer Klischeehaftigkeit ein Erfolgsrezept für gute Unterhaltung bieten.

Daneben werde ich Euch die Klischees vorstellen, die ich selbst in meine Fanfictions einbaue, und Euch etwas darüber erzählen, warum und wie ich sie verwende. Diese werdet Ihr an einem (FF) hinter dem Titel erkennen können.

Klischees sind nämlich etwas Wunderbares, wenn man sie geschickt und mit Bedacht verwendet. Sie können überaus unterhaltsam sein und überhaupt sind sie ein wundervolles Stilmittel.

Und los geht’s mit Klischee Nr. 1:

„Der gutmütige Vater-Typ“

Oder auch der Mentor ist eine beliebte Figur in der bunten Welt der Fiktion. Er ist sehr viel älter als der Protagonist, er ist ein Mensch, der zu Vertrauen inspiriert – und er ist weise. Für den Protagonisten ist er von essentieller Bedeutung, denn er ist sein Mentor und seine Person des Vertrauens. Obi Wan Kenobi ist so ein Charakter, Meister Miyagi, oder auch Albus Dumbledore (zumindest zu Beginn von Harry Potter, da er sich während der letzten 3 Bücher stark von diesem Image wegbewegt).

Es braucht nicht viel Phantasie, um zu erraten, um welchen Charakter aus The Black Magician es hier geht. Richtig, es ist Rothen.

Rothen ist der Erste, der Soneas magisches Potential erkennt. Von allen Magiern wirkt er am intensivsten an der Suche nach ihr mit (außer vielleicht Dannyl mit seinem Alleingang bei den Dieben) und nimmt sich ihr auf Grund von ehrlichen und aufrichtigen Motiven an. Schon bald fasst Sonea zu ihm Vertauen, und als sie von Fergun in dessen Intrige gezogen wird, tut es ihr weh, Rothen zu hintergehen. Doch Rothen ist über alle Maßen verständnisvoll und hat ein gutes Herz. Er würde Sonea vermutlich so ziemlich alles verzeihen, was sie anstellen könnte. Schon bald entwickelt er eine väterliche Zuneigung für sie und setzt sich in jeder Hinsicht für ihr Wohl ein. Und Sonea profitiert in der Anfangszeit sehr von seinen Engagement.

Rothen spielt in der ersten Hälfte der Bücher eine wichtige Rolle. Er kümmert sich liebevoll um Sonea, so als wäre sie seine leibliche Tochter und er wird zu ihrem Fels in der Brandung, als die anderen Novizen sie schikanieren. Er hilft ihr, das erste Halbjahr zu überspringen und unterstützt sie, wo er nur kann. Kurz: Ohne Rothen wäre Sonea in dieser ersten Zeit völlig verloren. Seine Gutmütigkeit verhindert jedoch auch, ihr die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie bräuchte, um ihr Potential voll und ganz zu entfalten, was sich auf Dauer negativ auf Sonea ausgewirkt hätte.

Ab der zweiten Hälfte von The Novice wird Rothen zu meinem Bedauern mehr und mehr zu einer Randfigur. Er sorgt sich weiterhin um Soneas Wohlergehen, kann jedoch nichts mehr für sie tun. Zwischendurch sorgt er sich auch um Dannyl, jedoch weitaus weniger, weil er Sonea durch Akkarin der größeren Bedrohung ausgesetzt sieht. Seine Überfürsorglichkeit wird daher zuweilen ein wenig anstrengend zu lesen. Dennoch halte ich Rothen für einen großartigen Charakter. Ich durfte selbst bereits zwei solcher Menschen kennenlernen und bin wirklich dankbar für diese Bekanntschaften. Allerdings hätte ich mir für die Zeit, nachdem Rothen seine Ziehtochter an Akkarin verloren hat, für seine Storyline ein wenig mehr Charakterentwicklung gewünscht, wie z.B. eine Entwicklung in seiner Karriere, die am Ende dazu führt, dass er Leiter der alchemistischen Studien wird. Denn so sympathisch Rothen ist, bleibt er somit ein wenig flach, was ich schade finde, weil ich in ihm durchaus Potential für eine Weiterentwicklung sehe.

Nichtsdestotrotz ist er eine wichtige Figur, die Canavan liebevoll entworfen hat, und die ich in den Büchern nicht missen will. Die Story lebt von Rothens väterlicher Gutmütigkeit und seinem herzlichen Verhältnis zu Sonea. Und eine Protagonistin wie Sonea hat einen solchen Menschen in ihrem Leben bitter nötig.

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