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Während der letzten Wochen war es um mich und meinen Blog relativ still. Aber ich war in dieser Zeit nicht untätig. Ich habe wieder einmal – oder besser gesagt – erstmals am offiziellen NaNoWriMo November 2014 teilgenommen. Und auch wenn das ’Rebellieren’, sprich das Fortführen angefangener Geschichten, nun von den Organisatoren ’legalisiert’ wurde, so ziehe ich es dennoch vor, mich als Rebell zu bezeichnen, denn ich habe keine neue Story angefangen, sondern am dritten Teil meiner ersten Trilogie weitergeschrieben. Denn als Rebell gehört man beim NaNo zu den coolen Kids. (Dass ich keinen eigenen Roman, sondern eine Fanfiction geschrieben habe, war vermutlich schon uncool genug.)

Auch dieses Mal war der NaNoWriMo wieder eine großartige Erfahrung. Bei dem offiziellen NaNo im November gibt es keine Cabins. Der Austausch erfolgt hauptsächlich über das Forum, vieles lief jedoch auch über Twitter ab und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dieser Account wäre zu irgendetwas nütze. Meine Follower haben sich in dieser Zeit verfünffacht – nicht wegen meiner Geschichten, sondern wegen des Austauschs mit anderen Autoren, woraus sich oft sehr amüsante Diskussionen ergaben. Und das war wirklich wundervoll.

NaNoNovember2014

Tadaa! – Das Winner Certificate für Lady Sonea

Dieses Mal fand ich auf der offiziellen NaNo-Seite auch endlich meinen Weg in das deutsche Unterforum. Obwohl es mir nichts ausmacht, auf Englisch zu kommunizieren, habe ich mich die meiste Zeit über dort getummelt. Es ist überschaubar, alle sind in derselben Zeitzone und ich habe einige nette Bekanntschaften gemacht. Die deutsche NaNo-Community ist ein wirklich toller Haufen. Schon das Reinschreiben und die allerersten Wordwars in der ersten Stunde des Novembers auf Twitter waren ein toller Einstieg in diesen einzigartigen Monat. Da die ersten beiden Tage auf ein Wochenende fielen, ging es mit einem Zwei-Tage-Marathon los, für den jeder sich einen bestimmten Wordcount als Ziel setzen konnte. Ich dachte, dass nach drei Monaten relativer Schreibflaute 12k schon ein hehres Ziel wären, und startete am Ende mit 16k in die erste Woche. So viel in zwei Tagen habe ich nicht mehr geschrieben seit dem Rausch, in dem ich das Ende des Spions in seiner Rohfassung runtergeschrieben habe.

Dankbar bin ich vor allem den Frühaufstehern, auch wenn ich dort oft nur wenig geschrieben habe, weil ich diese ersten Stunden des neuen Tages effektiv nutzen wollte, allen, die mich bei Word Wars gepusht haben und die ich zurückgepusht habe, und SitaraS mit ihrer Irrenanstalt, für die man sich jede Woche mit einem neuen wahnsinnigen Ziel bewerben konnte, und in der ich inzwischen einen Daueraufenthalt beantragt habe, weil ich im Hinblick auf das Schreiben und vor allem meine Fanfictions ganz sicher unheilbar wahnsinnig bin. Vielen Dank auch an Solveig und Asuma Sarutobi, die Wordcount-Listen in ihren Blogs zur Verfügung gestellt haben. Mein besonderer Dank gilt jedoch Kiamara, mit der ich mich wieder und wieder auf Twitter duelliert hatte. Ich hoffe, sie nimmt mir diverse Frechheiten nicht allzu übel.

Sehr tief berührt hat mich, dass eine Leserin des Spions durch mich zum Schreiben zurückgefunden hat, und trotz eines etwas verspäteten Einstiegs eine komplette 100k umfassende Story geschrieben hat. Liebe LittleSnowfall, falls du das hier liest, möchte ich dich noch einmal wissen lassen, wie sehr es mich freut, dass du dabei warst!

Besonders entspannend war für mich die Erfahrung, unter den NaNoisten weitgehend unbekannt zu sein. Einige NaNoisten kennen zwar The Black Magician, aber es hat sich wirklich absolut niemand dafür interessiert, dass ich dazu eine Fortsetzung schreibe, was meinem sensiblen Autorengemüt unglaublich gutgetan hat. Ich konnte nach Lust und Laune Textauszüge in entsprechenden Threads posten oder mich darüber auslassen, dass meine Charaktere mal wieder einmal nicht tun, von dem ich will, dass sie es tun, oder was ich mir alles ausdenke, um sie zu quälen – ohne meinem eigenen Erwartungsdruck  unterworfen zu sein.

Unter all den anderen Autoren mit ihren freien Arbeiten habe ich mich mit meiner Fanfiction klein und unbedeutend gefühlt – und damit frei. Noch schöner war, keine Sprüche darüber zu hören, wie krank es doch sei, so viel zu schreiben. Wer gerne schreibt und darin aufgeht, der kann gar nicht genug schreiben. In der NaNo-Community war es vielmehr ein freundschaftliches Konkurrieren und sich Überbieten, und ein liebevolles sich als verrückt bezeichnen. Ein wenig bewundere ich sogar unsere als ’unheilbar wahnsinnig’ eingestuften Schreiber, die 250k oder sogar über 300k erreicht haben. Um dahin zu gelangen, müsste ich jeden Tag nichts anderes außer Schreiben machen – und wäre vermutlich schon nach einer Woche völlig Banane im Kopf. Aber ich arbeite Vollzeit, habe einen Haushalt und – zwar kein Haustier, aber einen Freund.

Im Gegensatz zu dem Camp im Juli, nachdem ich nur noch ein Bündel aus Nerven war, lief das Schreiben dieses Mal sehr viel entspannter, obwohl ich am Ende doch wieder auf meine 140k von damals gekommen bin. Und darauf bin ich wahnsinnig stolz. Anfangs dachte ich, nach den letzten eher miesen Monaten würde ich froh sein, am Ende die vorgegebenen 50k zu schaffen, zumal die Story sehr viel komplexer ist als das permanente Foltern meines Lieblingscharakters. Aber schon bald war ich wieder voll in die Handlung eingetaucht und der Ehrgeiz packte mich. Und ab da schrieb es sich wie von selbst.

NaNoNovember2014 Stats

Die Stats eines unheilbar verrückten Fangirls

Doch vor allem hat mir dieser Monat gezeigt, was ich schaffen kann, selbst wenn mir mein RL wieder und wieder dicke Knüppel zwischen die Beine wirft und es Tage gibt, an denen ich keine Kraft zum Schreiben aufbringe. Das Schreiben hat mich jedes Mal wieder aufgerichtet und gefestigt, wodurch ich auch den Schwierigkeiten in meinem RL wieder besser begegnen konnte. Denn Schreiben ist für mich auch eine Therapie, die ich nicht mehr missen will.

Am letzten Wochenende wollte ich es noch einmal wissen, und nachdem ich so viel weiter gekommen war, als ich anfangs erwartet habe. Trotz Vorweihnachtsputz, Weihnachtsdeko und dringend nötigem Ausschlafen ist es mir irgendwie gelungen, an diesen beiden Tagen noch einmal 20k rauszuhauen. Ohne die zwischenzeitlichen Rückschläge wären sogar 10-20k mehr drin gewesen. Zahlreiche Word Wars in der NaNo-Community haben dazu ebenso beigetragen, wie ein sturmfreier Samstagabend und ein Partner, der mir einen Teil der Hausarbeit abgenommen hat und sich auch mit Tiefkühlpizza zufriedengab. Daher gilt mein Dank auch meinem Freund, der meine Besessenheiten seit nun über 10 Jahren mit unerschütterlicher Geduld erträgt und sie mich ausleben lässt.

Rückblickend bin ich in diesem Monat ein beträchtliches Stück mit meiner Story weitergekommen. So richtig bewusst wurde mir das jedoch erst in den letzten Tagen. Würde ich den NaNo auf den Dezember ausdehnen, würde die Rohfassung des Heiligtums von Yukai bis Sylvester stehen. Aber ich will die heimeligen Abende im Advent nicht im ungemütlichen Arbeitszimmer, sondern mit meinem Freund auf dem Sofa verbringen. Auch dort werde ich schreiben, aber es wird nun wieder gemächlicher vorwärtsgehen. Und ich habe da noch so ein paar Sachen zu korrigieren und mindestens ein neues Märchen zu schreiben. Daher peile ich Februar für das Beenden der Rohfassung an.

Vor der anschließenden Überarbeitung graut mir jetzt schon, da ich an vielen Stellen trotz eines ausgearbeiteten Plots regelrecht Hardcore Discovery Writing betrieben habe. Aber so entstehen die besten Stories. Details und Ideen, wie ich am besten mit der Story von A nach B komme, ergeben sich oft erst auf natürliche Weise während des Schreibens. Ich lasse der Handlung und ihren Charakteren diesen Freiraum, denn genau das hält die Story realistisch und lebendig. Das Resultat sind 12 weitere Kapitel, sehr viele Lieblingsstellen und eine Menge toter Charaktere, was in einigen Fällen dringend überfällig war, sowie zahlreiche Plotbunnies für die Folgetrilogie Das Erbe der schwarzen Magier, deren Schreibstart für 2015 schon fest eingeplant ist.

Doch nun ist dieser großartige, nervenaufreibende und ereignisreiche Monat vorbei. Ich bin dankbar, glücklich und hochmotviert, doch vermisse ich bereits den Flair dieser einzigartigen – ja magischen Zeit, die mich erneut dazu gebracht hat, über mich hinauszuwachsen. Aber das ist nicht das Ende. Im April werde ich beim ersten Camp 2015 wieder dabei sein. Und ich weiß auch schon, woran ich dann schreibe.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern dieses Blogs eine schöne und besinnliche Adventszeit!

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