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In diesem kleinen Artikel möchte ich euch ein paar Dinge, die mich in jüngster Zeit beim Lesen eurer Kommentare umtreiben, einmal gesammelt näherbringen. Eure zahlreichen Rückmeldungen zu ’Die zwei Könige’ sind für mich stets sehr hilfreich. Neben Lob zeigen sie mir auch, was ich besser machen kann oder wo beim Lesen einfach Verständnisprobleme auftreten. Diese Verständnisprobleme enstehen immer dort, wo die Geschichte nicht ausreichend erklärt, was für mich intrinsisch klar ist. Denn als ihre Schöpferin kenne ich den weiteren Verlauf der Story und die Hintergründe kenne und kann deswegen nicht immer abschätzen, wo ich für euch zu wenig erkläre. Aber dafür sind Reviews schließlich da und ich kann euch gar nicht genug dafür danken, wenn ihr mich darauf aufmerksam macht. In solchen Fällen schaue ich mir die betreffenden Textpassagen noch einmal an und füge hier und da etwas hinzu, damit ihr als Leser auch alle nötigen Informationen zur Hand habt, um der Story folgen zu können.

Doch es gibt auch noch einen anderen Fall: Wenn die Geschichte etwas nicht erklären soll, sondern der Leser sich dies aus dem Kontext herleiten muss. Ich bin ein kleiner Fan dessen und deswegen kommt das in meinen Geschichten vermutlich recht häufig vor. Dieser Tick von mir umfasst bezogen auf ’Die zwei Könige’ alles angefangen bei der Logik hinter den Aktionen der Charaktere, über die sachakanische Kultur, bis zu der Art und Weise, wie ich diese Geschichte erzähle. Einerseits finde ich es immer wieder schade, wenn ein bestimmtes Thema oder die hinter meiner Erzählweise steckenden Intentionen nicht verstanden werden, andererseits ist mir auch bewusst, dass niemals alle Leser einer Geschichte sämtliche ihrer Aspekte verstehen. Das verbietet allein die Statistik. Außerdem weiß ich, dass sich unter euch einige noch sehr junge Leser befinden und es mir vor 15 oder 20 Jahren mit vielen der Dinge, die ihr anführt, nicht anders ergangen wäre. Und deswegen will ich euch heute einen kleinen Einblick geben, was ich mir bei diesem ’Buch’ gedacht habe und warum ich die Dinge so handhabe, wie ich es tue.

Zunächst einmal: Sowohl für ’Die zwei Könige’ als für all meine anderen Geschichten gilt, dass nicht immer alles erklärt wird, weil sie den Leser zum Nachdenken oder auch zum Rätseln anregen sollen. Auch sind die Charaktere nicht immer perfekt. Mitunter sind sie auch hochmütig, leichtsinnig und begehen Dummheiten, ganz besonders wenn Liebe im Spiel ist. Ihr könnt das mögen oder nicht, von mir ist es so gewollt. Und Hand aufs Herz: Unfehlbare Charaktere wären doch langweilig, oder?

Die Aufteilung der Handlung

Tolkien hat es getan, Martin sogar über zwei ganze Bücher, und auch wenn ich mich mit keinem der beiden messen kann, habe ich es auch diese Methode verwendet. Zugegeben, für die meisten von euch ist es sicher ärgerlich, dass ich das erste und zweite Drittel des Buches parallel laufenlasse. Vorab habe ich lange überlegt, ob ich das tun soll, weil ich aus leidiger Eigenerfahrung weiß, wie qualvoll es für den Leser ist, nur die Hälfte der Geschichte zu lesen zu bekommen. Und doch hat diese Entscheidung andere Gründe, als Sadismus oder Bequemlichkeit:

  1. Es ist ein Stilmittel: Ich habe die Absicht, den Leser mit den ersten 21 Kapiteln in eine Welt zu entführen, die sowohl märchenhaft als auch grausam ist. Das Leben im Palast von Arvice findet in einer Seifenblase statt, die gegen Ende zu platzen beginnt, wie eine Leserin es einst so schön ausgedrückt hat. Alles, was jenseits davon geschieht, würde diese Blase platzenlassen und verhindern, dass man sich ganz auf diesen Teil der Handlung einlässt.

  2. Den Leser mit Sonea leiden lassen: Gleich im ersten Kapitel erfährt Sonea, dass ihr Geliebter tot ist und als ihr dann auch noch ihre Magie genommen wird, verliert sie jegliche Hoffnung, jemals wieder aus dieser Situation herauszukommen. Sie leidet sowohl unter ihrem Verlust als auch unter Marikas Willkür und Grausamkeit. Im späteren Verlauf beginnt sie ihr Schicksal schließlich zu akzeptieren und fängt an sich anzupassen – und das Drama nimmt seinen Lauf. Soneas damit verbundene Unterwerfung führt dazu, dass sie sich verliert und in eine Abhängigkeit zu ihrem Meister gerät, die ihr nicht guttut. Würde man als Leser nun von Anfang an wissen, dass Akkarin noch lebt und was er und die Gilde planen, so könnte man sich weniger in ihre Situation hineinfühlen. Und damit würde ich euch um einen nicht geringen Teil der Spannung nehmen.

  3. Beide Teile mixen? Ganz schlechte Idee: Die Kapitel von Teil 1 und Teil 2 sind nur bedingt synchron. So beginnt das erste Kapitel von Teil 1 zwei Wochen nach der Schlacht, als Sonea in Arvice aufwacht, während das erste Kapitel von Teil 2 nur einen Tag nach dem Kampf gegen die Sachakaner stattfindet. Würde ich nun komplett chronologisch vorgehen, so wüsste der Leser von Anfang an, dass Akkarin nicht tot ist und warum er Sonea nicht durch den Ring antwortet. Ein Blick auf den Zeitplan zeigt, dass bei diesem Konzept das erste Kapitel, das in Arvice spielt, erst bei Kapitel 4 der Gilde an die Reihe kommen würde. Und jetzt stellt euch einmal vor, ihr würdet Soneas ersten Auftritt lesen, nachdem Akkarin sich vier Kapitel lang bester Gesundheit erfreut hat. Ich bin mir ziemlich sicher, die wenigsten von euch würden sich dann noch so von ihrem Leid berührt fühlen, wie sie es getan haben, als sie dieses Kapitel unvoreingenommen gelesen haben. Doch auch sonst würde die Story bei dieser Methode nicht gleichförmig erzählt. In beiden Teilen der Handlung gibt es Stellen, an denen mehrere Kapitel einen kurzen Zeitraum beschreiben, während andere Kapitel größere Zeiträume umfassen. Die damit verbundene Aufteilung der Charaktere würde sehr viel Unruhe in die Story bringen. Und es wäre auch schlichtweg unrealistisch, wenn in beiden Teilen zur gleichen Zeit etwas Erzählenswertes passiert.

Natürlich ist das immer eine Geschmackssache, aber ich würde bei diesem ganz speziellen Teil meiner Trilogie niemals beide Handlungsstränge gemixt lesen wollen. Das würde mir einen gewaltigen Teil des Lesevergnügens nehmen. Denn ich mag es als Leser mich zu quälen und in die Charaktere einzutauchen.

Der König von Sachaka und seine Politik

Obwohl Marika seinem Land ein guter König ist und politisch und strategisch kluge Entscheidungen trifft, die zuweilen auch etwas unkonventionell sind, ist auch er nicht perfekt. Kein Anführer ist das, egal ob vom Volk gewählt oder ob er per Geburtsrecht König wurde. Und man muss sich nur einmal die Weltgeschichte, in der es hinreichend Beispiele gibt, anschauen. Ist man alleine für ein ganzes Land verantwortlich, so kann man nicht alles auf einmal leisten. Kein Mensch kann das. Und deswegen hat jeder König seine Berater und jeder Präsident seine Minister.

Marikas größte Schwäche sind indes die Frauen – oder besser gesagt: eine Frau. Sein Frauengeschmack war schon immer außergewöhnlich und hat neben den Wirren des Bürgerkriegs und seinem Unwillen, einem Ashaki durch die Heirat mit dessen Tochter einen politischen Vorteil zu verschaffen, mit dafür gesorgt, dass er mit vierzig immer noch nicht verheiratet ist.

Wenn Marika der Meinung ist, er müsste seine Lieblingssklavin heiraten und ihr als Beweis seiner Liebe verspricht, die Gildenmagier zu verschonen, dann grenzt das zweifelsohne an den Wahnsinn, den einen zuweilen befällt, wenn man sich heftig verliebt. Allerdings kommen Marika hier wieder sein politisches Geschick und der Krieg zugute, so dass der erwartete Skandal ausbleibt. Denn dass die magischen Blutlinien der Sachakaner schwächer werden, weil die Ashaki nur untereinander heiraten und Sklaven nur als Quellen genutzt werden, ist eine Tatsache, die ihre Begründung in der Kultur und Lebensweise der Sachakaner findet. Die Kyralier bieten da die perfekte Abhilfe, auch wenn es bedeutet, Kinder mit ihnen zu zeugen. Diese würden jedoch nach sachakanischen Werten erzogen, und auch wenn eine Vermischung beider Völker stattfindet, bietet es für die Sachakaner mehr Vorteile als Nachteile. Denn andernfalls würden die Kyralia immer nur eine Klasse von Sklaven darstellen, die ihre eigene, dem System widersprechende Denkweise behält. Und aus ’The Magicians’s Apprentice’ wissen wir ja bereits, dass Kyralia schon einmal seine Unabhängigkeit erlangt hat.

Dass die Gildenmagier sich nicht kampflos ergeben werden, ist zudem ein offenes Geheimnis, es geht hier vielmehr um die Geste an sich und Marikas Bereitschaft, ’nett’ zu sein.

Sklaverei

Ich gehe speziell auf das Thema Bettsklavinnen bzw. die Cachira ein, alles andere würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen und ist Bestandteil anderer Geschichten.

Die Beziehung zwischen einem Meister und seiner Bettsklavin basiert in den meisten Fällen trotz entsprechender Ausbildung und Erziehung auf Unfreiwilligkeit. Dennoch ist es möglich, dass sich in Einzelfällen eine von starker Hierarchie geprägte Liebesbeziehung entwickelt, was eine entsprechend gute Behandlung der Sklavin voraussetzt (sonst sind wir nämlich schnell wieder beim Thema Missbrauch). Die Sklavinnen in Marikas Cachira stellen da in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme dar, weil sie sozusagen den Jackpot gewonnen haben. Dazu kommt, dass Marika seine Sklavinnen nicht grundsätzlich schlecht behandelt – er bestraft sie, wo es nötig ist, was bis auf eine wohlbekannte Ausnahme jedoch nicht der Fall ist.

Nichtsdestotrotz sind Bettsklavinnen niemals Geliebte, Ehefrauen, Freundinnen oder dergleichen, sondern Sklavinnen. Sie wurden dazu erzogen, sich zurückzunehmen und die Bedürfnisse ihres Meisters über ihre eigenen zu stellen. Und sie wurden ausgebildet, ihrem Meister zu gefallen und ihn zu unterhalten. Kein Ashaki würde seine Sklavin jemals zur Frau nehmen, ohne einen großen Skandal auszulösen und ins gesellschaftliche Abseits zu geraten. Nicht einmal Marika hätte sich das erlauben können, hätte er in diesem speziellen Fall nicht gute Gründe. Wenn der Meister eine andere Sklavin bevorzugt oder genug von ihr hat, so ist das natürlich enttäuschend, doch eine gute Sklavin akzeptiert das. Falls ihr euch noch an das Kapitel nach dem Duell erinnert, hat Ienara dies auch einst getan. Sie ist ein Paradebeispiel für eine Sklavin, die nicht nur ihre Erfüllung gefunden hat, sondern auch die Entscheidungen ihres Meisters akzeptiert und frei von Gefühlen wie Eifersucht ist. Natürlich gibt es auch Ausnahmen wie Keya und ein gewisses Maß an Konkurrenz ist innerhalb einer Cachira normal, doch bitte verwechselt den Wechsel einer Lieblingssklavin nicht mit dem Partnerwechsel in einer Liebesbeziehung. Das ist es nicht und wird es in einem Land wie Sachaka auch niemals sein.

Sonea und der König

Zu diesem Thema habe ich bereits zu Beginn von Teil 2 und hier (Über Missbrauchsbeziehungen in Geschichten und die Konsequenzen) einiges gesagt und werde an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

Ein Autor – auch wenn er nur Fanfiction schreibt – hat immer das Bedürfnis, dass seine Geschichten auch so verstanden und aufgenommen werden, wie sie beabsichtigt sind. Besonders dann, wenn man viel Liebe und Mühe in die Details steckt. Aus diesem Grund hoffe ich, ich konnte euch heute einen guten Einblick in zumindest einige Aspekte meiner aktuellen Story geben und ein Grundverständnis dafür schaffen, warum die Dinge so und nicht anders sind. Gerne gehe ich auch noch ausführlicher darauf ein, falls von eurer Seite weiterer Erklärungsbedarf besteht und schreibe über andere Themen, auf die ich durch eure Kommentare gestoßen bin.

Falls ihr Fragen oder sonstige Anmerkungen habt, so könnt ihr gerne jederzeit mit mir darüber diskutieren. Doch bedenkt bitte, dass ich meine Geschichte nicht auf Grund von persönlichem Geschmack ändere, kleinere und größere Fehler jedoch immer gerne behebe. 🙂

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