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In meinem letzten Blogeintrag über Fremdsprachen in Geschichten habe ich zwei Beispiele aus meinen Fanfictions dazu gebracht, wann die Verwendung einer Fremdsprache innerhalb der Geschichte Sinn macht. Einen weiteren Grund habe ich euch damals jedoch vorenthalten:

Wenn ein Charakter dabei ist, eine andere Sprache zu lernen.

Das ist sogar ein ganz zentraler Aspekt. Gerät ein Charakter im Laufe einer Geschichte in eine Situation, in der er gezwungen ist, eine Sprache zu lernen, so kann man sich als Autor entweder elegant aus der Affäre ziehen und diesen Teil in einigen wenigen Sätzen Fließtext zusammenzufassen – oder man geht den harten Weg und schreibt das detailliert aus. Für eine realistische und lebendige Darstellung ist es hier jedoch empfehlenswert, den Text mit Wörtern der zu lernenden Sprache zu spicken.

Weil ich zur Veranschaulichung zwei Auszüge aus einem Kapitel aus Unter tausend schwarzen Sonnen, das ich bei Teil 1 dieses Artikels noch nicht hochgeladen hatte, als Beispiel nehme, habe ich das im letzten Blogeintrag zurückgehalten. Und da ich euch damals versprochen habe, dass Akkarin dieses Mal herhalten muss, passt es perfekt:

„Wie heißt das?“, fragte Akkarin auf das Brot deutend. „Kashi“, antwortete Isara. „Und was heißt Frühstück?“ Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. „Was das sein?“ „Das hier.“ Akkarin wies auf ihr Essen. „Die Mahlzeit, die man morgens zu sich nimmt.“ „Ah“, machte sie. „Morgenmahl. Konaka.“ „Konaka“, wiederholte er. „Und was heißt: Ich habe Brot als Morgenmahl?“ Über seinen Eifer lachend nannte sie ihm die Übersetzung. „U’sha’miyvo kashi kami konaka“, wiederholte Akkarin unbeholfen.

Im weiteren Verlauf dieses Gesprächs wird eine weitere Möglichkeit, wie man Fremdsprachen zugunsten der Authentizität in eine Geschichte einbringen kann, offenbar. Als Sachakanerin spricht Isara nur gebrochen Kyralisch, und wenn sie ein Wort nicht weiß oder es für sie eine zentrale Bedeutung hat wie das Wort für Meister (rachariya), dann fällt sie zurück in ihre Sprache:

„Aber“, begann Akkarin verwirrt, „wieso trägst du dann solch feine Kleider?“ Er hatte sie mit Dakova gesehen. Er war sicher gewesen, sie wäre seine Frau. Obwohl der Sachakaner sie nicht gerade respektvoll behandelte, hatte Akkarin dies nach seinen Erfahrungen mit Lonmar nicht weiter hinterfragt.

„Weil ich machen rachariya große Freude“, erklärte sie. „Ich … wie das heißen in deiner zochado?“

Nicht wissend, worauf sie hinaus wollte, hob Akkarin die Schultern.

„Rachariya mit mir … sha’coloso.“

„Shakkoloso?“, wiederholte er.

Sie hob vielsagend die Augenbrauen. „Schlafen“, übersetzte sie dann.

Dakova yichivo rashariya. Ihm dienen, große Ehre“, fügte sie ernsthaft hinzu.

Das Wort, das sie benutzt hatte, klang so ähnlich wie das Wort für Meister. Aber nur so ähnlich. Akkarin schüttelte den Kopf. Diese Sprache war so grauenhaft wie das, was er bis jetzt von Sachaka gesehen hatte.

„Was bedeutet Rasha … riya?“, fragte er, um sich auf andere Gedanken zu bringen.

Isara gestikulierte mit ihrer Pachi. „Mann mit Magie.“

„Magier“, sagte Akkarin.

Sie nickte strahlend.

Stirnrunzelnd starrte er auf einen Punkt in der Ferne. Vielleicht ergab es doch einen Sinn. Oft waren Wörter einander deswegen ähnlich, weil sie eine ähnliche Bedeutung hatten. „Sind alle Magier in Sachaka Meister?“, fragte er. „Also haben sie Sklaven?“

„Ya. Aber nicht ganz. Kompli …“

„Kompliziert“, half Akkarin nach.

„Ya. Manchmal, wenn Sklave sehr sha’kemivi, Meister lehren ihn Magie, damit er helfen, sein Land bewachen. Ashaki tun das oft.“

„Was ist ein Ashaki?“

„Rashariya mit Land. Dakova haben kein Land, Dakova Ichani.“

So, das war der zweite Teil darüber, wie ich Sprachen in Geschichten einsetze. Es gibt sicher noch weitere Anwendungsfälle, doch das hier ist, was ich bereits selbst ausprobiert habe und was ich weiterempfehlen kann, solltet ihr selbst in einer Geschichte von einer Fremdsprache – egal ob fiktiv oder real existierend – Gebrauch machen.

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