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persönliche Gedanken zu ‚Unter tausend schwarzen Sonnen‘

Ich hätte nie gesagt, dass ich das einmal von mir sage, doch in den letzten beiden Wochen war ich so kurz wie nie zuvor daran, das Hochladen einer Geschichte abzubrechen. Am Ende des aktuellen Kapitels ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ hatte ich noch geschrieben, dass das nicht passieren wird, weil ich das Einstellen einer Geschichte auf Grund mangelnden Feedbacks für Kindergartenniveau halte.

Und daran halte ich fest.

Mir ist bewusst, dass ich mit meinen Geschichten nicht jedermanns Geschmack treffe, weil die in ihnen behandelten sich von der breiten Masse der Fanfictions unterscheiden. Das würde mich jedoch niemals davon abhalten, eine Geschichte nicht weiter hochzuladen. Denn selbst wenn sie aktuell nicht gelesen werden – woher soll ich nicht wissen, ob nicht eines Tages jemand kommt, der sich daran erfreut und den ich durch das Abbrechen um dieses Lesevergnügen gebracht habe? Ja, ich schreibe diese Geschichten für mich, aber ich würde sie nicht ins Netz stellen, wenn ich sie nicht auch mit anderen teilen wollen würde.

Das Problem sind also nicht ausbleibende Reviews oder Geschmacksfragen. Kritik, die mir auf Grund von Geschmack gegeben wird, perlt an mir inzwischen ab wie an einer Teflonpfanne. Vielmehr geht es um mein inneres Widerstreben, eine Geschichte öffentlich zugänglich zu machen, die schlecht, fehlerhaft, unlogisch oder zumindest unter meinem Niveau ist, und das damit verbundene Gefühl, zu viel von mir gegeben zu haben.

Lasst mich das erklären.

Einen ganzen Monat lang habe ich mir für diese Geschichte über Akkarins Vergangenheit die Seele aus dem Leib geschrieben. Danach war ich sowohl geistig als auch körperlich am Ende. Ich habe alles in diese Geschichte investiert, was ich nur in sie investieren konnte. Deswegen habe ich einen sehr starken emotionalen Bezug zu dieser Geschichte.

Normalerweise ist das der Punkt, an dem ich sicher bin, etwas Gutes vollbracht zu haben. Bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ fällt mir das jedoch schwer, weil die Geschichte so anders ist, als alles, was ich bis jetzt geschrieben habe. Und ich bin nicht so arrogant davon auszugehen, dass die Geschichte gut sein muss, nur weil meine Fortsetzung von ’The Black Magician’ es nach Meinung meiner Leser ist.

Zurückgehende Klick- und Reviewzahlen zu Beginn einer Geschichte sprechen für mich dabei eine sehr deutliche Sprache: Die Geschichte, die vielleicht in den ersten Kapiteln noch vielversprechend schien, ist einfach nur total mies.

Denn normalerweise ist es bei einer neuen Geschichte genau umgekehrt: Mit jedem Kapitel erhält sie mehr Leser, sie ist länger online, mehr Leute werden auf sie aufmerksam und durch die Favoritenlisten in den Profilen der Leser werden ebenfalls weitere Leute darauf aufmerksam. Und damit steigen auch die Klickzahlen, Favoriten und idealerweise auch das Feedback.

Eine Geschichte zu veröffentlichen, die in irgendeiner Form schlecht ist, lässt mich mit einem schlechten Gefühl zurück. Und das kann ich weder vor mir noch vor meinen Lesern verantworten. Und wenn ich dann auch noch so viel meiner Seele in diese Geschichte gesteckt habe, wie es bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ der Fall ist, dann ist dieses Gefühl umso größer. Es fühlt sich an, als hätte ich zu viel von mir preisgegeben. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob ich mein Innerstes damit vor Menschen entblöße, denen ich nie persönlich begegnen werde oder ob diese mir nahestehen. Indem ich mich derart öffne, mache ich mich zugleich verletzlich. Man kann es ein wenig mit einer Beziehung oder einer Freundschaft, in die man mehr investiert und sich mehr öffnet als der andere, vergleichen.

Aber es geht nicht darum, etwas zurückzubekommen. Ich verdiene ja kein Geld mit meinen Geschichten, mein Lohn ist andere damit glücklich zu machen. Es geht vielmehr um das bittere Gefühl, im Zusammenhang mit einer minderwertigen Arbeit zu viel von mir offenbart zu haben.

Und das ist der einzige Grund, aus dem ich das Hochladen einer Geschichte jemals einstellen würde.

Ein weiterer Grund für meine Gedankengänge ist gewiss, dass ich aus den Erfahrungen mit dem ’Spion’ gelernt habe, das nicht noch einmal so lange mitanzusehen und mich zu quälen. Das ist auch der Grund, warum ich mich nach dem letzten Kapitel an euch Leser gewandt habe.

Vor ziemlich genau einem Jahr gab es eine sehr lange Phase beim ’Spion’, in der plötzlich die Reviews ausblieben und gleich mehrere Leser, die bis dahin begeistert mitgelesen hatten, absprangen. Als Autor stellt man in einem solchen Fall automatisch die Frage, woran das liegt (und erhält in den meisten Fällen – frustrierender Weise – keine Antwort). Natürlich sucht man den Fehler bei sich selbst und es gehen einem die absurdesten Theorien durch das halbwahnsinnige Autorenhirn.

Nach zwei langen Monaten war ich kurz davor, den Upload abzubrechen oder die Geschichte ganz von FF.de zu löschen. An einem Abend konnte ich mich nur noch mit sehr viel Überwindung dazu bringen, das nächste Kapitel hochzuladen, weil ich dachte, wenn ich es nicht tue, wird es noch schlimmer. Als ich am nächsten Tag von der Arbeit nach Hause kam, fand ich in meinem Postfach ein eine Mail von einer Leserin, die mir begeistert schrieb, wie toll die Geschichte doch wäre und dass ich ihr am vergangenen Abend mit dem neusten Kapitel im metaphorischen Sinne das Leben gerettet hätte. Das zu lesen hat mich so glücklich gemacht, dass ich entschied, der ganzen Sache doch noch eine Chance zu geben. Denn ich freue mich, wenn ich anderen eine Freude machen kann.

Dennoch blieb auch danach das Feedback bis kurz vor Ende der Geschichte spärlich.

Für mich war das eine sehr frustrierende Zeit. Leser des ’Spions’ wissen, dass besonders im letzten Drittel der Schwerpunkt vermehrt auf Krieg und Politik gelegt wird. Liest man lieber Romanzen, Dreiecksbeziehungen oder was man sonst in der Welt der Fanfiction so in rauen Mengen findet, so ist das nicht besonders interessant. Zu einer Geschichte, wie ich sie erzählen will, gehört es jedoch dazu. Und natürlich steckt in mir das Bedürfnis zu erfahren, ob meine Überlegungen zu dieser Thematik auch außerhalb meines Kopfes Sinn ergeben.

Also war ich dementsprechend frustriert. Und ob die Handlung in diesem Teil der Geschichte Sinn ergibt, habe ich bis heute nicht erfahren.

Mittlerweile habe ich bei meiner Fortsetzung und ihrem zweiten Teil jedoch so viele Leser, so dass ich mir sicher sein kann, dass mein Konzept nicht ganz so übel sein kann.

Bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ ist das jedoch anders. Die Geschichte hat nur wenige Leser, was ich auf Grund ihrer Natur auch gar nicht anders erwartet habe. In zwei Wochen erhält sie so viele Klicks, wie ein Kapitel der ’zwei Könige’ an einem Abend, wenn ich ein neues Kapitel hochlade. Das Wichtigste jedoch: Die Geschichte hat ein völlig anderes Konzept. Ein einzelner Erzählcharakter, der eine sehr krasse Entwicklung durchlebt, physische und psychische Gewalt, seelische Abgründe und dunkle Seiten, unerwiderte an Besessenheit grenzende Liebe. Das macht es mir schwer, einen Vergleich zu meinen anderen Geschichten zu ziehen.

Ich würde gerne sagen, dass ich mich in Bezug auf meine Geschichten auf mein Bauchgefühl verlassen kann, aber obwohl ich jetzt schon seit fast zwei Jahren auf FF.de bin, kann ich das bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ nicht. Ich weiß nicht, warum – aber es geht einfach nicht. Und wenn dann das ohnehin schon geringe Interesse noch weniger wird, ist mein halbwahnsinniges Autorenhirn überzeugt, dass ich dieses Mal doch den Vogel abgeschossen und einen Monat lang nur Müll zusammengeschrieben habe.

Inzwischen habe ich einige Rückmeldungen bekommen, die mir zwar nicht beantworten, was ich an ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ besser machen kann, die mir aber immerhin bestätigt haben, dass die Geschichte zumindest von einigen Lesern noch immer mit Interesse verfolgt und auch gemocht wird. Außerdem ich habe meine Testleserin der ’zwei Könige’ angeschrieben und gefragt, ob sie mal einen Blick auf die Geschichte werfen will. Glücklicherweise hat sie mir ihre Hilfe auch gleich zugesagt. Inzwischen hat sie die ersten 20 Kapitel durch und konnte mir keine Schwachstellen nennen. Als ich noch einmal nachgefragt habe, kam nur eine kleine Anmerkung, wo ich eine Erklärung etwas verspätet liefere – aber dieses Kapitel geht erst in einigen Wochen online.

Da ich dem Urteil meiner Testleserin vertraue, wird ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ weitergehen. Hätte sie gleich zu Beginn etwas Schwerwiegendes gefunden, so hätte ich sie vom Netz genommen und es nach einer gründlichen Überarbeitung irgendwann noch einmal versucht.

Und falls meine Testleserin noch in den späteren Kapiteln etwas findet, bleibt mir genug Zeit, das zu korrigieren.

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