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Oder auch: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, gesunder Menschenverstand ist ein anderes Thema

Warnung: Der folgende Artikel ist nicht nett. Ich nehme mit seiner Veröffentlichung in Kauf, dass ich mir Feinde mache und beleidigte Leser meine Geschichten aus ihren Favoriten nehmen oder sich weigern, mir weiterhin Reviews zu schreiben. Aber dieses Thema macht mich unglaublich wütend und ich kann meine Meinung dazu nicht länger zurückhalten. Mein Verstand weigert sich zu begreifen, wie man das Pairing Sonea & Regin gutheißen kann und es kotzt mich an, wenn ich irgendwo jemanden deswegen rumquietschen sehe oder entsprechende Geschichten finde.

Als ich in meiner Anfangszeit auf Fanfiktion.de erstmals erfuhr, dass Sonea und Regin in Canavans Fortsetzung von ’The Black Magician’ ein Paar werden, war mein erster Gedanke „Das klingt nach einer schlechten Fanfiction.“

Dieser Gedanke ist bis heute geblieben. Er hat mir das Lesevergnügen von ’The Novice’ verdorben, weil mir auf Grund dieses Wissens jedes Mal schlecht wird, wenn Regin und Sonea sich begegnen. Ich verspüre einen inneren Ekel, wenn ich für meine eigene Fortsetzung Szenen schreibe, in denen die beiden aufeinandertreffen. Ich will hier nicht darüber spekulieren, warum Canavan das getan hat* – Fakt ist, dass sie es getan hat. In jedem Fall ist es ein unsensibler Umgang mit dem Thema Mobbing. Aber dazu gleich mehr.

Regin und Sonea als Paar – das ist die schlimmstmögliche Charakterkonstellation, die ’The Black Magician’ zu bieten hat. Und im Folgenden erläutere ich, warum.

Natürlich ist es leicht zu urteilen, wenn man die Fortsetzung selbst nicht gelesen hat. Nur leider kann ich das nicht unter größten seelischen Qualen und das tue ich mir nicht an. Um mir eine Meinung zu bilden, sollte ich das, aber ich weiß, dass alles, was in diesen Büchern passiert, mir den Zauber der ersten Trilogie und die Freude an meinen eigenen Geschichten nehmen würde. Kurz: Es würde alles zerstören, wofür ich diese Bücher liebe. Ich habe jedoch mit nicht wenigen Lesern dieser Bücher darüber gesprochen und ich vertraue ihrem Urteil, dass Canavan an dieser Stelle (so wie bei einigen weiteren, ich sage nur: die Enthüllungen über Akkarins Vergangenheit) großen Mist gebaut hat. Denn ich kenne diese Menschen sehr gut kenne und weiß, dass sie beim Lesen eines Buches das Gelesene auch reflektieren, anstatt einfach nur zu konsumieren.

Und damit ihr seht, das ich keine haltlosen Behauptungen in den Raum werfe, habe ich mich an meine rachaviya mi Sachaka-zocha, die baronesse, gewandt, die mir netterweise alle relevanten Textstellen herausgesucht hat. Das rechne ich ihr sehr hoch an und deswegen möchte ich ihr an dieser Stelle meine tiefen Dank aussprechen, denn nach allem, was ich von ihr schon über diese Bücher zu hören bekommen habe, kann ich nur erahnen, wie viel Brainfuck das für sie gewesen sein muss. Die baronesse gehört zu den wenigen, die ich kenne, die sehr analytisch beim Lesen vorgehen, was ich in ihren Reviews auch immer sehr schätze. Und deswegen vertraue ich ihrem Urteil.

Also habe ich mich durch 10 DINA4-Seiten Textpassagen gequält, nach deren Lektüre ich zutiefst verstört und kurz davor war, meinen Laptop anzuzünden.

Exkurs: Sonea & Regin in „The Traitor’s Spy Trilogy“

Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals daraus zitieren muss …

Tatsächlich ist es zu Beginn der Fortsetzung (also ca. 20 Jahre nach der ersten Trilogie) so, dass Sonea noch nicht so recht verarbeitet hat, was Regin ihr damals angetan hat. Sie verspürt bei den Erinnerungen Zorn, Misstrauen und Verachtung.

As a man emerged from the opposiition, Sonea felt an old dislike stir. With it came memories of being taunted and tricked, of having her work being sabotaged, of being regarded as a thief after a stolen pen had been found in her possession, and of being the object of speculation when vicious rumours spread that her relationship with Rothen was more than just that of novice and teacher. Those memories brought anger, but there were others that still made her shudder. Memories of being hunted through the corridors of the University, of being cornered by a gang of novices, of being tortured, humiliated and left magically and physically exhausted. The leader of that gang, and mastermind of all her suffering in those early years at the University, had been Regin. Though she had challenged and beaten him in a fair fight in the Arena, though he had bravely risked his life during the Ichani Invasion, and though he had even apologised for all that he had done to her, she could not look at him without feeling an echo of the humiliation and fear she had once endured. And those emotions brought anger and dislike.
I ought to get over it, she thought. But I’m not sure I can ….“ (Regins erster Auftritt, Seite 67, ’The Ambassador’s Mission’)

Allerdings reduziert sie das alles (unter anderem, weil Rothen, der damals ebenfalls betroffen war, ihr sagt, wie sehr Regin sich dort geändert hätte „Yes [he is a snob], though his character has improved a great deal since your novice days.“ ca. Seite 30, ’The Ambassador’s Mission’), bis aus ’the novice who had tormented her’ mit der Zeit ’petty pranks of a novice’ werden. Seine Taten werden also verharmlost. Und da seine Ehe nicht so gut läuft und seine Frau andauernd Selbstmord begehen will, muss man als Sonea und als Leser anscheinend Mitleid mit ihm haben.

Die ganze Romanze zwischen den beiden, sofern man es überhaupt ’Romanze’ nennen darf, wird recht unsensibel behandelt und sehr flach aufgezogen, so als müsse unbedingt eine Romanze für die arme Protagonistin her. Und wir wissen alle: Nach einem Mann wie Akkarin kann da nichts Gescheites mehr bei rumkommen. Aber warum dann bitte gleich der absolute Griff ins Klo? Gleich vor Regins erstem Auftritt wird dieser von Rothen so angepriesen, als hätte er sich ja so sehr geändert, und als müsste der Leser ihn deswegen jetzt mögen, was förmlich nach Romanze schreit und bewirkt, dass Sonea schließlich beginnt, mit ihm zu sympathisieren und nicht mehr schlecht von ihm zu denken. Schon bei einer ihrer nächsten Begegnungen ist da nämlich ganz plötzlich kein Zorn mehr:

„Sonea regarded the man sitting across the table from her and wondered, not for the first time that evening, why he had bothered coming to see her.“ (Seite 86, ’The Ambassador’s Mission’)

Wenig später sind seine Schandtaten dann mit einem Mal nur noch ’petty pranks’ und alte Gewohnheiten. Und damit ist es kindisch, dass sie ihm die Vergangenheit noch immer nachträgt:

As the carriage stopped before the door to Regin’s home, Sonea felt a reluctance steal over her. She remained seated, while memories rose of being exhausted and helpless, tormented by a young novice and his friends in the depths of the University late at night. Then she remembered that same novice backing away from a Sachakan Ichani, having volunteered to be the bait in a trap that could have easily gone wrong. And his words: „… if I live through all this, I’ll try to make it up to you.“
Had he? She shook her head.
[…]
He had done nothing unpleasant to Sonea since those early University days. Certainly none of the petty pranks of a novice, but also no moves against her as an adult. Twenty years had passed. So why did she feel this reluctance to face him in his own home? Was she still wary of him? Or was she worried that she would be rude out of her old habit of dislike and distrust of him? It was childish to resent him for things he’d done to her when he was young and foolish. Rothen was right that Regin had matured into a sensible man.
But old habits are as hard to shift as old stains, she thought.“ (Seite 199-200, ’The Ambassador’s Mission’)

Es ist nicht kindisch, so du zu denken. Es ist menschlich. Da sind große Verletzungen geschehen und die Tatsache, dass sie 20 Jahre später noch so denkt, zeigt, wie groß diese sind. Natürlich sollte man irgendwann vergeben, aber sich dann gleich in seinen ehemaligen Peiniger zu verlieben, hat etwas von Überkompensation und zeugt nicht gerade von geistiger Gesundheit. Gerade von einer Person wie Sonea hätte ich ein anderes, reflektierteres Verhalten erwartet.

Den Rest der Zeit wiederholt Sonea immer wieder dasselbe Mantra darüber, was Regin ihr einst angetan hat, wie sehr er sich verändert hat, wie wichtige Bezugspersonen wie Rothen für ihn bürgen, und wie plötzlich Soneas Vergangenheit mit ihm hinter dem Fakt, dass er ja verheiratet ist, unwichtiger wird. Dieser Teil wird mit einer unsympathischen, nie benannten Frau und ihrer Trennungsgeschichte kurz und knapp abgehandelt, anstatt Regin zum Erzählcharakter zu machen und diesen Teil vernünftig zu entwickeln. Bemessen an dem Endprodukt (die Beziehung) hat er erstaunlich wenige Auftritte und Soneas Zuneigung wird auf sehr banalen Dingen begründet, wie dass sie zusammenarbeiten und eine lange Reise antreten, dem beruhigenden Gefühl weil er währendessen im selben Zimmer schläft, oder dass er sich so warm anfühlt.

Zwischendurch spiel Rothen den Kuppler und reduziert seine einstigen Taten weiter:

When the time comes to explain what we were doing, I will tell all that I advised and helped you“, Rothen said. He looked at Regin. „I’m sure Lord Regin will be happy to do the same.“
„Of course. I’ll put it on paper and sign it if you wish.“ There was a slight edge of sarcasm to Regin’s voice. He knows I still don’t trust him, she thought, and felt an unexpected guilt. He hadn’t shown a hint of dishonesty or manipulation when she’d worked with him before.
[…]
She raised an eyebrow at him. „You and Regin?“
He nodded. „I told you: he’s matured into a sensible young man. […] Even so […] He’s improved a great deal from the novice you thrashed in the Arena.“
Sonea looked away. „He’d have to, wouldn’t he? Couldn’t have got much worse.“ She gave him a searching look. „Can we trust him, do you think?“
He met her eyes, his expression serious. „I believe so. He has always valued the integrity of his House and family, and the Guild. It was the source of his arrogance as a young man and is now his motivation as an adult. […] This is another way he can help set things right. […]“
„You’re probably right.“ Sonea grimaced. „And you had better be right about Regin, because if he wants to make my life unpleasant he certainly has the means to do now. (Seite 269-272, ’The Ambassador’s Mission’)

Selbst im dritten Buch ist ihr noch nicht ganz wohl bei der Vorstellung, eine längere Reise mit ihm anzutreten, und die Vergangenheit kommt wieder hoch. Zugleich betreibt sie erneut Verharmlosung und hält sich selbst für kindisch, weil sie es nicht loslässt:

This is ridiculous. I chose him to be my assistant. I’ve worked with him before. But since he had agreed to travel with her to Sachaka she had begun to worry that she had chosen too quickly. He had all the right qualifications for the role: he was intelligent, a strong magician, a well-trained Warrior, adept at political manoeuvring, and fiercely loyal to the Guild and Kyralia.
But will we get along?
[…] Though she did not distrust Regin as she had at the beginning of the hunt for Lorandra, it was impossible for her to forget the pain and humiliation he had subjected her to as a novice.
That is in the past. He has been nothing but respectful and supportive these last twenty years. He even apologised, during the Ichani Invasion. Am I unable to accept apologies? It is silly of me to carry around this resentment. (Seite 71-72, ’The Traitor Queen’)

Im späteren Verlauf des Buches glaubt sie, dass Regin Gefühle für sie hat und überlegt, ihn darauf anzusprechen:

I can’t do that. What if I’m wrong? It would be embarrassing for the both of us. Or would it be worse if I’m right? At least I’m sure I’m not in love with him.
A tangle of contradictory feelings and thoughts followed. It took all her self-control to keep her steps regular and her face calm. Then, as quickly as it had risen, the conflict ended, leaving her surprised and dismayed.
So. I do. No, I could. That’s different. The potential is there, but it isn’t so. Yet‘, she thought. But she wouldn’t say anything of it to Regin. And if he hinted of feelings for her she would have to discourage him. ‚It’s not that I haven’t forgiven him. He’s become a person so much better than the novice I hated. It’s not that I haven’t got over Akkarin – well, got over him enough to love another. It’s not even that it makes Regin vulnerable, should someone seek to blackmail me. It’s because …
She felt a stab of annoyance. Why was it that the only men who showed any romantic interest in her had no right to? Not that she had any real proof of Regin’s interest. Which was just as well because, though Regin had parted from his wife, he was still legally married. (Seite 349-350, ’The Traitor Queen’)

Sie ist nicht verliebt, aber das Potential ist da. Wenn man verliebt ist, weiß man das und muss nicht erst darüber nachdenken.

Je länger ich über diese Textstellen nachdenke, desto ungesunder finde ich Soneas Verhalten. Sie betreibt eine Leugnung von Tatsachen und zeigt damit ein Opferverhalten. Die richtige Vorgehensweise wäre gewesen, dass sie das erkennt und nicht, dass sie sich in ihn verliebt. Oder dass die Beziehung aus eben diesen Gründen wieder in die Brüche geht.

Darüber, wie es mit den beiden funktioniert, was es selbst wenn man Regins ’petty pranks’ außen vorlässt auf Grund ihrer Persönlichkeiten gar nicht kann, schreibt Canavan gar nichts. Stattdessen zieht sie sich geschickt aus der Affäre, indem sie nach dem Kuss nur im Epilog kurz schreibt, dass sie jetzt zusammenleben. Der sensible Aufbau einer solchen Romanze fehlt hier völlig. Ich halte das für gefährlich, weil es den Fans noch mehr Nährboden für Sonea/Regin-Lovestories gibt, die ähnlich unsensibel entwickelt sind oder die Charaktere so verdrehen, dass es eben doch möglich ist.

Wäre es Frau Canavan um ein Statement gegangen, dass aus Feinden Freunde werden können, so hätte es genügt, das ohne fadenscheinige Romanze aufzuziehen. In diesem Fall wäre es sogar die realistischere Alternative gewesen.

Die baronesse hatte mir übrigens noch die Kuss-Szene geschickt, aber ich habe es nicht über mich gebracht, das hier zu posten. Mir war beim Lesen so schlecht, dass ich sie nicht einmal angemessen analysiseren konnte. Hängengeblieben ist nur, dass es alles sehr an den Haaren herbeigezogen gewirkt hat. Sonea wollte ihm bis zur letzten Sekunde einen Korb geben und dann auf einmal, nachdem er sie immer mehr in diese Richtung treibt, findet sie ihn auf einmal wahnsinnig attraktiv. Auf mich wirkt das jedenfalls sehr gezwungen.

Ja, so fangen meine Beziehungen auch immer an! *Ironie off*

Eigentlich sollte dieser Ausflug in Canavans Fortsetzung gar nicht so lang werden. Doch beim Schreiben dieses Artikels habe ich gemerkt, dass ich diese Informationen für meine Argumentation, warum dieses Pairing nicht tragbar ist, nicht ignorieren kann.

So, und nachdem mein Laptop überlebt hat und ich auch nichts anderes angezündet habe, weiter im Text …

Warum das Pairing Sonea & Regin nicht tragbar ist

Wenn ich nach ’The High Lord’ noch in irgendeiner Form jemals mit dem Gedanken gespielt habe, ein anderes Buch von Trudi Canavan zu lesen, so war dieser Wunsch, nachdem ich davon erfuhr, endgültig ausgelöscht. Das ist unendlich schade, denn ihre erste Trilogie ist bis auf das hanebüchene Ende (siehe auch meine Rezension zu ’The High Lord’) ziemlich genial und ich hätte so gerne mehr in diesem Stil von ihr gelesen. Ich bewundere Canavan für ihr Erstlingswerk und habe schon zahlreiche Menschen dafür begeistern können. Trotzdem kann ich absolut nicht verstehen, wie sie nach dieser wunderbaren Trilogie eine solche Fortsetzung schreiben konnte.

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum mich dieses Pairing so wütend macht, und bin zu dem Schluss gekommen, dass es nicht daran liegt, dass es nicht Akkarin ist. Ich hätte durchaus Dorrien an Soneas Seite akzeptiert, auch wenn ich der Meinung bin, dass sie nicht zusammenpassen. Oder irgendeinen anderen netten Magier – meinetwegen Osen oder Larkin, der Architekturlehrer.

Denn auch wenn ich der Meinung bin, dass Akkarin Soneas einzig wahre Liebe zu sein hat und auf Grund ihrer Persönlichkeit kein anderer Mann besser zu ihr passt, gestehe ich ihr zu, eines Tages wieder glücklich zu werden. Schließlich ich habe sie in meiner eigenen Fortsetzung selbst durch eine schlimme Zeit gejagt, in der sie glaubte, ihn verloren zu haben, und sie durch alle Phasen der Trauer gehen lassen, bis es mir selbst das Herz zerrissen hat.

Das Problem ist, dass es Regin ist.

Man kann mir noch so sehr erzählen, dass Regin sich seit der ersten Trilogie geändert hat und zu einem besseren Menschen geworden ist. Es ist richtig, Menschen ändern sich bis zu einem gewissen Grad. Aber die grundlegenden Charakterzüge bleiben bestehen. Jeder, der diese Beziehung daher gutheißt, oder Fanfictions mit diesem Pairing schreibt, hat meiner Meinung nach etwas Grundsätzliches nicht verstanden:

Regin hat Sonea gemobbt. Und zwar aufs Übelste. Er hat sie für alles, wofür sie stand gehasst: Für ihre Herkunft, dafür, dass sie ihn mit ihren Leistungen übertroffen hat und dafür, dass sie Novizin des Hohen Lords wurde. Er hat sie so sehr gehasst, dass er sogar leichtfertig ihren Tod in Kauf genommen hat. Denn es gibt eine oder zwei Stellen in ’The Novice’, wo er ziemlich nah dran ist, wäre nicht jemand eingeschritten oder hätten die anderen Novizen nicht Angst bekommen. Wahrscheinlich wäre er sogar damit durchgekommen, dass es ein Unfall war, weil die ganze Sache von der Gilde weitgehend ignoriert wurde.

Und das sind für mich keine ’petty pranks’. Das ist vorsätzliche Körperverletzung.

Ich bin in meiner Schulzeit selbst gemobbt worden. Nicht so schlimm wie Sonea, aber ich bin auch ein sehr viel sensiblerer Mensch. Für mich hat es gereicht. Und auch jetzt, zwanzig Jahre später, würde ich niemals mit einem jener Personen eine Beziehung anfangen. Es ist egal, was in der Zwischenzeit gewesen sein mag, was einst war, ist für mich unverzeihlich. Ich mag darüber hinweg sein und meinen Frieden damit gemacht haben, so dass ich mich diesen Leuten heute normal umgehen könnte, aber die Verletzungen sind vorhanden und haben mich geprägt. Mobbing hinterlässt in seinen Opfern tiefe Spuren und macht es schwer, anderen zu vertrauen. Das ist keine Basis für eine Liebesbeziehung und das lässt sich nicht mit einem „früher haben wir uns gehasst, dafür haben wir uns jetzt lieb“ wegheilen. Keine Frau, die noch alle Tassen im Schrank hat, würde sich auf einen Kerl einlassen, der ihr so etwas angetan hat. Schon gar nicht eine Frau wie Sonea. Wer dennoch denkt, das sei möglich, der möge bitte einmal in sich gehen und versuchen, die Situation eines Mobbing-Opfers nachzuempfinden.

Deswegen steht ein Pairing wie Sonea und Regin für mich in gewisser Weise fast auf der Stufe mit einer Missbrauchsbeziehung: Es ist ein absolutes No-Go.

Wenn ich auf Fanfiktion.de über Geschichten mit diesem Pairing stolpere und sehe, wie viele Reviews diese haben und dann aus diesen die Begeisterung der Leser lese, dann kommt mir regelrecht die Galle hoch. Ich verstehe, dass Menschen ein Harmoniebedürfnis haben und sich wünsche, dass aus Freunden Feinde werden. Auch ich habe mir das bei Regin und Sonea gewünscht. In meiner Fortsetzung werden sie sogar Freunde, aber es bleibt eine Hassliebe und Sonea ist sehr gut darin, ihm ständig die Meinung zu sagen. Er mag sie nicht mehr hassen, aber dafür sind nun andere Opfer seiner Intrigen und seiner Arroganz, denn Menschen können sich nicht so sehr ändern. Zumindest nicht ohne ein sehr einschneidendes Erlebnis, was Regin jedoch nicht hatte. Aber mehr in die beiden zu interpretieren, ist absolut unreflektiert und unsensibel. Allein die bloße Vorstellung widert mich an. Weil ich weiß, wie es ist.

Bei den Autoren und Lesern solcher Geschichten frage ich mich regelmäßig: Sind diese Menschen niemals in der Schule gemobbt worden? Haben sie über ihr Bedürfnis nach Harmonie den Blick für das Wesentliche verloren? Sind sie komplett unsensibel? Und ist das derselbe Typ Leser, der in meinen eigenen Geschichten Sonea und Marika fangirlt und dabei übersieht, dass dort Missbrauch vorliegt?

Und ich muss ehrlich sein: Würden solche Geschichten auf Fanfiktion.de regelwidrig sein, hätte ich schon SEHR oft den Meldebutton betätigt.

Natürlich kann man eine Liebesgeschichte über zwei Charaktere mit den Namen Sonea und Regin schreiben. Aber das wären dann nicht die Sonea und der Regin aus ’The Black Magician’. Denn die Sonea und den Regin aus ’The Black Magician’ kann man nur zusammenbringen, indem man sie Out of Character schreibt.

Es tut mir leid für alle, die sich durch meine Meinung angegriffen fühlen. Aber das musste einmal gesagt werden. Als Autor (egal ob man Fanfiction oder richtige Romane schreibt) hat man eine gewisse Verantwortung gegenüber seinen Lesern. Man ist ihnen ein Vorbild und aus diesem Grund sollte man sensible Themen angemessen behandeln, um nicht falsche Ideen in die Köpfe der Leser zu pflanzen und ihnen etwas als ’normal‘ oder ‚romantisch‘ vorzugaukeln, was in irgendeiner Weise ungesund ist. Der angemessene Weg wäre hier, die Problematik aufzuzeigen. Mir ist bewusst, dass dies oft unbeabsichtigt geschieht, doch gerade wenn man eine große Leserschaft hat, sollte man darauf achten. Denn nicht jeder reflektiert das Gelesene entsprechend und zieht seine Schlüsse daraus. Besonders bei Romanzen sehe ich da eine große Gefahr, weil der kleine Romantiker in unserem Herzen sich davon mitreißen lässt.

Ihr könnt meine Geschichten jetzt gerne aus euren Favoriten nehmen, euch weigern mir weiterhin Reviews zu schreiben, mir auf Twitter entfolgen, mir Hassmails und Flames schreiben oder auf diesem Blog über mich herfallen, wenn ihr euch dann besser fühlt – es wird nichts an den Tatsachen ändern. Das alles musste einmal gesagt werden und ich finde es sehr traurig, dass es überhaupt gesagt werden muss.

Das Pairing Sonea und Regin ist für mich nicht eine Frage von Geschmack. Darüber ließe sich streiten.

Hier geht es um gesunden Menschenverstand.

* ich habe dazu nämlich nur unschöne Theorien.

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