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Momentan bin ich wieder einmal sehr im Worldbuilding-Fieber. In Bezug auf meine Fanfiction-Trilogie tobe ich mich bei Sachaka und Duna aus, da nicht unwesentliche Teile der Handlung dort spielen. Sachaka lernt man in The Black Magician nur durch die Ödländer kennen, erfährt jedoch nicht viel über die Kultur. Aus diesem Grund habe ich vor einigen Jahren die Vorgeschichte The Magician’s Apprentice gelesen, die zu einer Zeit spielt, als Sachaka noch nicht in weiten Teilen einer Wüste glich. Immerhin erhält man einen kleinen Einblick in die Kultur. In diesem Buch wird auch das Land im Norden, jenseits der Aschenwüste erwähnt: Duna.

Das, was man in den Büchern über Sachaka erfährt, nehme ich als ziemlich orientalisch angehaucht wahr. Da ich außerdem eine kleine Schwäche für den Orient und insbesondere das orientalische Mittelalter habe, bereitet es mir sehr viel Freude, in diesem Bereich zu recherchieren und die eher blinden Flecken in meinem ’Black Magician’-Universum entsprechend zu gestalten. So habe ich in den vergangenen Jahren diverse Dokumentationen über den Orient wie z.B. über das Osmanische Reich gesehen. Oder auch Spielfilme, die sich vielleicht nicht immer an bekannten Fakten orientieren, aber doch gut eine passende Atmosphäre vermitteln und die Phantasie anregen. Schließlich will ich keinen historischen Roman schreiben.

Auf diese Weise habe ich in den letzten Jahren einiges für ’mein’ Sachaka zusammengetragen. Dies fängt an bei Kleinigkeiten, wie exotischen Tier- und Pflanzenarten, die man in Flora & Fauna finden kann, geht über architektonische Besonderheiten, wie mit Ornamenten verzierte Spitzbogenfenster (man gebe einfach mal „orientalische Fenster“ in der Bildersuche von Google ein) bis zu einer Ausarbeitung der patriarchalischen Denkweise der Sachakaner. Letztere wird zudem – wie die sachakanische Definition von Liebe – in den Märchen aus dem Land des sichelförmigen Mondes romantisch verklärt. Diese Märchen fanden ihre Inspiration übrigens in den Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Der sichelförmige Mond, auch in orientalischen Ländern ein beliebtes Symbol, steht in ’meinem’ Sachaka für höhere Magie und ist eigentlich ein stilisiertes Messer mit gekrümmter Klinge. Allerdings fand dies seine Inspiration in Dannyls und Tayends Besuch in den Gräbern der Weißen Tränen (Band 2, The Novice).

Auch der Palast von Arvice sieht in meiner Phantasie wie ein orientalischer Märchenpalast aus und ist damit der Höhepunkt der romantischen Verklärung. Leser der zwei Könige wissen, warum 😉

Die Duna, von denen man aus der Vorgeschichte nicht viel mehr erfährt, als dass sie existieren, sind in meiner Phantasie ein in der Wüste lebendes Reitervolk. Ihre Lebensweise ist zum Teil von Reitervölkern wie den Mongolen oder aus A Song Of Ice And Fire den Dothraki inspiriert, zum Teil von Wüstenvölkern wie den Beduinen. Einst haben sie die Sonne verehrt, welche in einer so lebensfeindlichen Umgebung wie einer Wüste für sie als große Macht gilt. Dadurch, dass sie sich bis in die Aschenwüste ausgebreitet haben, hat ihre Religion sich jedoch auf eine andere Naturgewalt, die sowohl Leben bringend als auch zerstörerisch sein kann, verlagert: Das Blut der Erde.

Während Sachaka schon lange eine Rolle in meinen Geschichten spielt und ich dementsprechend viel Zeit hatte, dieses Land und seine Kultur auszuarbeiten, ist Duna relativ neu. Als Discovery Writerin begeben ich mich dabei auf gemeinsame Entdeckungsreise mit den Charakteren und während ich schreibe, entsteht dabei eine ganze Welt vor meinen Augen. Am vergangenen Wochenende habe ich mir die BBC-Doku „Wildes Arabien“ besorgt, die ich durch Zufall im Laden gesehen hatte und einfach haben musste. Neben Begeisterung für das Thema und dem Wunsch, über die Völker in jener Region zu lernen, habe ich mir davon natürlich auch Inspiration für ’mein’ Duna erhofft. Statt Effekthascherei (was ich bei Dokus überhaupt nicht mag) gab es viele großartige Bilder und informative Kommentare. Die arabische Halbinsel besteht zu einem großen Teil aus Wüste, doch in dieser existiert mehr Leben, als ich erwartet hätte. Die Tiere haben sich mit der Zeit ihre Umgebung angepasst, so auch wie die dort lebenden Nomaden. Es war interessant, die Lebensweise dieser Menschen kennenzulernen, wie sie sich in der Wüste zurechtfinden – und die phantastischen Geschichten, die sie einander erzählen. Ich war überrascht zu erfahren, dass die Arabische Wüste in der letzten Eiszeit ein blühendes Paradies war und dort frühe Hochkulturen lebten, die durch Erderwärmung und die damit verbundene Desertifikation jener Region ausgestorben sind. In Wandmalereien und den Geschichten der Beduinen leben die Erinnerungen an jene Zeit jedoch weiter. Überreste jener Kultur findet man in den Bergen im Norden, wo die Fassaden mächtiger Gebäude noch immer aus dem Fels ragen – etwas, das mich schon bei Indiana Jones und der letzte Kreuzzug zu dem Tempel von Yukai inspiriert hat.

All das werde ich auf die eine oder andere Weise im dritten Teil meiner Trilogie unterbringen. Über das Wie muss ich mir noch Gedanken machen, da es kein Abklatsch sein soll. In jedem Fall habe ich schon einige Ideen, wie ich die Reise meiner Charaktere durch die Wüste mit Leben füllen werde. Und das eine oder andere gelernte Detail lässt sich auch hervorragend verwenden, um die Geschichte der Duna auszuarbeiten.

Für mich ist diese Recherche wichtig, um realistische Völker zu erschaffen und ich habe Spaß daran, ihre Wesensarten auszuarbeiten. Lustigerweise fällt das mit einem Artikel zusammen, den ich gestern noch im Schreibnacht-Magazin gelesen habe: Recherche? Wieso, ich schreibe Fantasy!

Recherche ist für mich eine Selbstverständlichkeit, was für mich in Bezug auf Fanfictions über die detaillierte Kenntnis des Originals weit hinausreicht, weil ich Worldbuilding betreibe, wenn ich die Charaktere neue Abenteuer erleben lasse und dazu zu Orten schicke, die im Original zwar existieren, aber nur wenig, bis gar nicht ausgearbeitet wurden. Die zentrale Aussage, die ich aus diesem Artikel herausziehe, ist folgende: Auch in fiktiven Welten existieren Dinge, die wir aus unserer Welt kennen. Über diese sollte man sich informieren, um sie logisch und nachvollziehbar umzusetzen. Denn auch Fantasywelten folgen gewissen Naturgesetzen.

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