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Oder auch: Autor und hochsensibel sein ist scheiße

Irgendwie ist gerade wieder so eine Phase, in der meine mir von der Natur aus mitgegebene Wahrnehmung mich in Bezug aufs Schreiben um den Verstand bringt. Aus den Reviews zu meinen Geschichten lese ich immer wieder heraus, dass meine Intentionen nicht verstanden werden oder beim Lesen der Bücher oder meiner Fortsetzung dessen Details auf der Strecke geblieben sind oder nicht zwischen den Zeilen herausgelesen wurden. Ich weiß, dass ich auch sehr viele junge und unerfahrene Leser habe, und ich nehme mir gerne die Zeit, ihnen bestimmte Sachverhalte zu erklären. Doch in letzter Zeit tritt das weiter oben erwähnte Problem sehr gehäuft auf. Und das stimmt mich nachdenklich und traurig.

Ich weiß, dass dies abgesehen von unterschiedlicher Lebenserfahrung und Menschenkenntnis auch ein Problem unterschiedlicher Wahrnehmungen ist. Ich gehöre (leider) zu dem kleinen Prozentsatz Menschen, die zu viel wahrnehmen. Das ermöglicht mir einerseits, Geschichten mit großem Tiefgang zu schreiben, zum anderen wird vieles davon von anderen Menschen nicht wahrgenommen und mir dann als Nachlässigkeit oder Fehler angekreidet.

Einige Themen, bei denen mir diese Schwierigkeiten bewusst sind, habe ich in meinen beiden letzten ’Behind the Scenes’-Artikeln bereits ausführlich behandelt (und zwar hier und hier) und werde sie daher nicht noch einmal ausführen. Ein Thema, dem ich mich noch nicht gewidmet habe, möchte ich hier als Beispiel nehmen.

Es gibt Charaktere, die sind anstrengend. So auch Dorrien, der momentan noch vor Regin das meiste abbekommt. Er hat einen Charakter, der ihn für andere Menschen sehr anstrengend macht. Ich kann verstehen, wenn man ihn deswegen nicht mag, ich mag ihn selbst nicht einmal. Ich kann verstehen, wenn es anstrengend ist, dass er nicht über Sonea hinwegkommt und dass seine Besessenheit sich derart in seinem Hass auf Akkarin auswirkt.

Aber hey, es gibt solche Menschen. Sie leiden mitunter jahrelang unter ihrer unerwiderten Liebe und kommen nicht über diesen einen Menschen hinweg. Sie müssen ihre Lektion auf die harte Tour lernen. Aber irgendwann kommt auch für sie das Schlüsselereignis, das all dies mit einem Schlag vergessen macht. Ich kenne solche Menschen und ja, das ist dann auch für mich anstrengend, weil es einen normalen Umgang erschwert. Oft haben diese Menschen einen schwierigen Charakter und sind von ihren Idealen sehr überzeugt. Oft sind sie ähnlich sensibel wie ich. Deswegen lassen sie sich häufig zu sehr von ihren Gefühlen mitreißen. Sowohl zum Positiven als auch zum Negativen. In Dorriens Beispiel ist das seine Leidenschaft für das Heilen und seine Besessenheit, wenn er sich erst einmal verliebt hat und diese Liebe nicht erwiderte wird.

Aber abgesehen davon, dass Geschichten auch anstrengende, ungeliebte Charaktere brauchen, erfüllt Dorrien eine wichtige Funktion, die oft übersehen wird: Er hält Akkarin einen Spiegel vor. Denn er hat nicht ganz unrecht, wenn er sagt, dass dieser Sonea verdorben hat. Akkarin ist nicht der strahlende Held, der alles richtig macht. Auch er hat seine dunklen Seiten. Und Dorrien sieht diese, ohne sich dessen bewusst zu sein, was sie wirklich bedeuten. Aber er weiß, dass da etwas ist und das bringt er dementsprechend zum Ausdruck.

Obwohl ich mir dieses Problems mit der Wahrnehmung bewusst bin, trifft mich entsprechendes Leserfeedback zugegebenermaßen oft hart. Es fühlt sich an, als hätte ich die Story tatsächlich verbockt, obwohl ich die großen Zusammenhänge und meine Absichten hinter den Einstellungen und Aktionen meiner Charaktere kenne. Es fühlt sich deswegen so an, weil andere dies nicht wahrnehmen und die großen Zusammenhänge noch nicht kennen und es in ihren Augen daher ein Fehler ist. Ich kann daran nichts ändern, weil ich nicht ändern kann, dass andere Menschen anders oder weniger wahrnehmen, als ich es tue. Und ich würde es ihnen auch nicht wünschen, weil es zu oft auch ein Fluch ist. Nicht jeder interessiert sich außerdem für die kleinen, subtilen Details in einer Geschichte, den versteckten Humor oder die unterschwellige Kritik am strahlenden Helden. Und ich kann all diese Dinge nicht einmal explizit in meinen Geschichten erklären, weil ich der Meinung bin, dass man als Autor dem Leser nicht alle Wahrheiten auf dem Präsentierteller vorsetzen sollte.

Ich finde das sehr schade, weil es bei mir das traurige Gefühl hinterlässt, dass meine Geschichten von einem Großteil der Leserschaft nur runtergelesen werden. Für mich liest sich zwischen den Zeilen heraus, ich würde meine Geschichten nicht gut genug durchdenken, mich billiger Fanfiction-Klischees bedienen oder die Kapitel hinschmieren und dann hochladen. Und das fühlt sich oft an, als würden meine Leser nicht auf mich vertrauen, obwohl das nach zwei Jahren und anderthalb ’Büchern’, von denen das erste einen Leser-Award gewonnen hat, meiner Meinung nach inzwischen gegeben sein sollte.

Bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ habe ich ein ähnliches Problem mit der unterschiedlichen Wahrnehmung. Auf meine Frage von vor ca. 6 Wochen, woher das mangelnde Interesse kommt, erhielt ich zahlreiche Antworten, in denen es unter anderem auch hieß, dass man nicht zu jedem Kapitel schreiben wolle, wie leid Akkarin einem doch wieder tue. Natürlich tut er das. Er wird es fast die gesamte Geschichte über tun. Doch gerade bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ gibt es in jedem Kapitel so unglaublich viel zu entdecken und es stimmt mich traurig, dass dies nicht wahrgenommen wird. (Fairerweise muss ich dazu sagen, dass es vielleicht Leser gibt, die es wahrnehmen, aber darüber kein Wort verlieren. Aber das ist für mich in Ordnung, ebenso wie mich die stillen Leser nicht stören.) Besonders bei dieser Geschichte stimmt mich das immer wieder aufs Neue traurig, weil sie aus den Tiefen meines Herzens geflossen ist und ich den starken Wunsch verspüre, all dies mit anderen zu teilen.

Nach fast zwei Jahren auf Fanfiktion.de und einem Award ist das für mich eine ziemlich traurige Bilanz. Ich weiß, dass ich es nicht ändern kann, weil jeder Mensch mit seiner eigenen Wahrnehmung gesegnet oder auch verflucht ist. Doch ich wünschte, ich wüsste, was ich tun kann, um das Vertrauen der Leser zu stärken. Nur leider weiß ist nicht einmal, warum es so wenig vorhanden ist.

Ich weiß nur, dass es nicht an den beiden laufenden Geschichten ’Die zwei Könige’ und ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ an sich liegt. Meine Testleserin hat beide gelesen – nachdem ich beide Geschichten mehrfach gründlich korrigiert und auf ihre Schwachstellen überprüft und diese mit Vertrauenspersonen diskutiert habe. Ich habe mit ihr über all diese Punkte ebenfalls diskutiert und sie konnte nicht erkennen, wo ich etwas falsch gemacht haben sollte. Ich vertraue ihrem Urteil in dieser Hinsicht. Sie hat mir einmal gesagt, dass sie normalerweise keine Fanfictions liest und dass sie von der Professionalität meiner Geschichten begeistert war. Leider tröstet mich das nur wenig, zumal das Leserfeedback ja auch für potentielle neue Leser den Ausschlag geben kann, eine Geschichte zu lesen oder es bleibenzulassen.

Ich hoffe, ihr versteht das nicht als Kritik an meinen Lesern, Undankbarkeit gegenüber jenen, die mir konstruktives Feedback geben, mangelnder Kritikfähigkeit meinerseits oder einem Fishing for Compliments. Es ist eher eine Kritik an dem Problem an sich und dem Fluch der Wahrnehmung. Ich finde es traurig, dass diese Situation so ist, wie sie ist, und ich keine Lösung weiß. Für mich reduziert sich diese ganze Sache auf das Problem unterschiedlicher Wahrnehmungen, das ich nicht ändern kann. Ich weiß für mich, dass ich diese ’Kritik’ nicht an mich heranlassen brauche, aber es ändert nichts daran, dass auf diese Weise vieles von dem, was ich schreibe, in der großen Leere auf dem weiten Weg von meinem Kopf zu den Lesern verlorengeht.

Für einen Autor ist diese Erkenntnis einfach nur traurig und ernüchternd.

In diesem Sinne vielen Dank fürs Lesen! ❤ Es ist nicht schlimm, wenn ihr meine Gedanken nicht nachvollziehen könnt, aber so habt ihr vielleicht einen kleinen Einblick in das erhalten, was einen Autor so bewegt. Selbst, wenn es dabei nur um Fanfictions geht.

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