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Wenn man keinen roten Faden hat und die Charaktere nur an Sex denken. Oder so.

Ok, ganz so schlimm ist es nicht. Aber den NaNoWriMo mit einer 750k-Story, die noch in den Anfängen steckt, zu bestreiten ist … ein Experiment.

Die letzten beiden Wochen hatte ich Urlaub und dementsprechend viel habe ich mich in Band 1 meiner zweiten Fanfiction-Trilogie „Das Erbe der schwarzen Magier“ (Twitter-Hashtag #dEdsM1) eingeschrieben, noch fehlende Storylines ersonnen und meine armen Follower auf Twitter mit #NaNoPrep-Tweets tyrannisiert. Ich habe tatsächlich mein selbstgestecktes Ziel der ersten 100k von Band 1 bis Ende Oktober knapp geschafft – verteilt auf die ersten fünf Kapitel und zahlreiche über den gesamten Band verstreute Szenen. ’Knapp’ übrigens deswegen, weil ich mich heute am letzten Tag nicht noch stressen wollte und noch das eine oder andere ToDo jenseits der Story, wie zum Beispiel lästige Hausarbeit, zu erledigen habe.

Bei schlechtem Wetter habe ich mit Decke und Heizung in meinem Schreibzimmer geschrieben, an den schönen Tagen, von denen es überraschend viele gab, habe ich noch einmal ein Echo des Sommers aufleben lassen und in der Gesellschaft von unzähligen Marienkäfern, die von den letzten warmen Sonnenstrahlen an die Hauswand gelockt wurden, auf dem Balkon geschrieben. Allerdings mit meiner Blind Guardian Kuscheljacke und an windigen Tagen sogar mit Wolldecke. Auf magische Weise schreibt es sich draußen immer besser als drinnen und ich lasse mich weniger ablenken.

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Ein Echo von Sommer – mein Lieblingsschreibplatz

Eigentlich hatte ich gehofft, bis Ende Oktober so weit mit der Story zu sein, dass ich eine Struktur mit Kapiteln und Szenen aufbauen kann. Für den NaNo wäre das praktisch gewesen, weil ich mich so an einem roten Faden entlanghangeln kann, damit der Schreibfluss nicht ins Stocken gerät. Bei Geschichten mit einem Erzählcharakter wie „Unter tausend schwarzen Sonnen“ und die Fortsetzung „Darker Than Black“, die ich beide während eines Camp-NaNoWriMos geschrieben habe, ist es leicht, eine Kapitelstruktur zu erstellen. Auch bei dem 3. Band meiner ersten Trilogie („Das Heiligtum von Yukai“) konnte ich das für den NaNo im letzten November machen. Allerdings war die Story damals schon zu zwei Dritteln fertiggestellt.

Meine aktuelle Story steckt jedoch noch so sehr in den Anfängen, dass ich noch gar nicht genau sagen kann, wann und wie die verschiedenen Erzählstränge zusammenspielen. Bei den meisten Szenen weiß ich nur ungefähr, wann sie stattfinden, die großen Zusammenhänge, aber auch die kleinen Details werden sich mir wie schon bei der ersten Trilogie beim Schreiben offenbaren, während wiederum andere Szenen oder ganze Handlungsstränge mir bei einem Spaziergang einfallen. Szenen, die ich nicht sofort aufschreiben kann, werden in Stichpunkten festgehalten. So habe ich für jeden Erzählcharakter ein Word-Dokument mit Stichpunkten und ausgeschriebenen Szenen. Diese Ideen-Flashs führen dazu, dass ich oft mehrere aufeinanderfolgende Szenen mit ein und demselben Erzählcharakter schreibe und dann die Lücken für die anderen Charaktere sukzessive fülle, weil ich dann weiß, was diese in der Zwischenzeit erleben müssen. Gerade zu Beginn einer großen Story ist das ein ziemliches Springen kreuz und quer durch die Geschichte, weswegen ich meine Methode auch so gerne als Chaos-Discovery-Writing bezeichne.

Das zum Teil exzessive Eigenleben meiner Charaktere sorgt zudem immer wieder für Überraschungen. Wo mich das vor ein paar Jahren beim Schreiben der „Bürde der schwarzen Magier“ noch geärgert hat, lasse ich ihnen jetzt diese Freiheit, weil sie dann natürlicher handeln, wodurch die Story sich authentischer liest. Auch in Band 1 der aktuellen Trilogie schüttele ich abwechselnd stillschweigend den Kopf oder amüsiere mich, wenn zwei bestimmte Charaktere bei jedem Aufeinandertreffen ihre gegenseitige Hassliebe zum Ausdruck bringen, anstatt sich erwachsen zu verhalten. Obwohl es amüsant ist, frage ich mich, wie die Freundschaft der beiden überhaupt funktionieren kann. Anstrengend wird es dagegen, wenn einer dieser Charaktere und ein weiterer andauernd Sex irgendwo weit jenseits der P18 haben oder in Ermangelung von Möglichkeiten Anspielungen darauf machen, als hätten sie nichts Besseres zu tun. Da frage ich mich dann doch, warum sie meinen, das tun zu müssen und ich bin zu dem Schluss gekommen, ihnen ihren Willen zu lassen. Entweder die Szenen kommen irgendwann ins Bonuskapitel oder ich stelle fest, dass sie eine Relevanz für die Story haben. Ein Charakter hat sich außerdem als seit Jahren unglücklich verliebt herausgestellt und ich sehe ihn schon, jede Menge Dummheiten begehen (nein, es ist nicht Dorrien). Und ein anderer Charakter, den ich immer für lieb und nett gehalten habe, entwickelt sich allmählich zum Antagonisten dieser zweiten Trilogie. Allerdings hat er ein Motiv, das ich ihm nicht verübeln kann.

Und da wir schon bei den Charakteren sind: Es wird ein Wiedersehen mit zwei Erzählcharakteren geben, die beide in „Das Heiligtum von Yukai“ Sendepause hatten. Welche, kann ich euch leider nicht verraten, aber ihr werdet es erraten können, weil Band 3 im nächsten Sommer online geht.

Worldbuilding & fiktive Sprachen

Sich von einer Geschichte treiben zu lassen, bringt auch noch andere faszinierende Dinge hervor. Denn das bedeutet zugleich, dass ich die Welt gemeinsam mit den Charakteren entdecke, sofern diese Orte bereisen, von denen man bisher nur weiß, dass sie existieren. Ein kleiner Teil von Band 1 spielt in Lonmar, aber nicht in Jebem, sondern im Landesinnern. Das endete in einer noch nicht vollständigen Karte von Lonmar und den Anfängen einer fiktiven Sprache. Da ich auf Twitter gefragt wurde, wie ich das gemacht habe, will ich das ein wenig ausführlicher beschreiben.

In The Black Magician wird Lonmar von einem Ältestenrat regiert, der von den Oberhäuptern der Großen Clans gestellt wird. Für meine Zwecke habe ich mir ein paar Clan-Namen überlegt und wo diese leben. Damit und mit der Reise dorthin entstand die Karte. Im Original gibt es keine vollständige Karte von Lonmar, also habe ich mich an dem vorhandenen Material orientiert und das fortgeführt. Inzwischen ist die Karte fast vollständig und enthält Namen und Gebiete, die ich gar nicht brauche, die zu definieren mir jedoch Spaß gemacht hat. Außerdem will ich die Karte irgendwann auf der Seite über Lonmar hier in diesem Blog verlinken, dazu sollte sie vollständig sein.

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Die noch nicht ganz vollständige Karte von Lonmar

Während der Reise durch Lonmar habe ich außerdem die Kultur und Lebensweise weiterentwickelt, was zum Teil recht unerfreulich war, da Lonmar auf seine eigene Weise ähnlich hart wie Sachaka ist. Die Kultur der Lonmar ist stark von einer sehr konservativen orientalischen Kultur inspiriert, zusammen mit den klimatischen Bedingungen hat mir dabei das Wissen geholfen, das ich vor ein paar Monaten aus einer BBC-Doku über die Arabische Halbinsel für mein Duna-Worldbuilding für Yukai bezogen habe.

Das Ersinnen von Namen und ihrer Bedeutung für die Landkarte hat mich zu den ersten Begriffen in modern Lonmars gebracht. Da ich schon einmal so weit war, habe ich mir ein paar Sätze zusammengebastelt, die weitgehend aus Begrüßung und Höflichkeitsfloskeln bestehen, weil ich diese gerne in der Landessprache haben wollte. Passend zum Land und seiner Kultur wollte ich eine ans Arabische angelehnte Sprache. Den ersten Satz habe ich dabei völlig frei erfunden, Hauptsache, die Wörter sind wohlklingend. Dann habe ich daran gefeilt. Ich habe Endungen und Präfixe für Singular, Plural, förmliche und persönliche Anrede ersonnen. Verben haben außerdem Präfixe erhalten, die die Bedeutung konkretisieren (wie im Deutschen ’vor’, ’ent’, ’er’, ’ver’ etc.) und Suffixe für verschiedene Zeitformen. Die Prä- und Suffixe hänge ich mit Bindestrich an die Wörter, weil ich das als Eigenheit dieser Sprache definiert habe.

Der Anfang war leicht, sobald man neue Wörter braucht, wird es jedoch schwieriger, weil diese zum Rest passen müssen. Allerdings hat jede Sprache auch ihre Unregelmäßigkeiten, so dass man immer eine Möglichkeit hat, Ausreißer zu rechtfertigen. Je nachdem, wie weit man die Sprache entwickelt, kann man sich auch überlegen, ob diese Ausreißer historisch gewachsen sind oder man definiert umgangssprachliche Begriffe. Ich weiß jedoch nicht, ob ich mit meinem modern Lonmars so weit kommen werde. Es sind nur einige wenige Szenen von der gesamten Story, die dort spielen, und die neue Sprache dient – anders als das Sachakanisch – mehr meiner Detailverliebtheit. Interessanter wird es, wenn ich für die Überarbeitung von Yukai das Sachakanisch erweitere.

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Der noch sehr unordentliche und mit Vorsicht zu genießende erste Entwurf meines modern Lonmars

Bis jetzt sind die Sätze noch nicht vollständig ausgereift und wahrscheinlich würde sich jeder Linguist bei meinen Versuchen die Haare raufen. Für mich genügt es jedoch, die kleineren Unstimmigkeiten zu beheben, wenn ich ein paar weitere Sätze und Wörter gebastelt habe. Denn dann habe ich auch einen besseren Überblick.

Eigentlich ist das auch schon die ganze Magie hinter meinen ersten Versuchen, eine fiktive Sprache zu basteln. Das schwierigste ist (zumindest für mich) das Erfinden von Wörtern, während die Regeln für Zeitformen, Singular/Plural, Anrede, Personalpronomen etc. einem Muster folgen, das man sich selbst definiert und an dem man sich orientieren kann. Wichtig ist es, Ausnahmen in die Regeln einzubauen und sich zu überlegen, was wie historisch gewachsen sein könnte, was Umgangssprache ist oder ob es Redewendungen gibt. Nicht alles an einer Sprache ist logisch, das kennt ihr sicher alle vom Lernen von Fremdsprachen, oder auch wenn man die eigene Muttersprache unter die Lupe nimmt.

… und dann ist es auch schon soweit.

In wenigen Minuten beginnt der November und dann heißt es für 30 Tage, ein Doppelleben zwischen Job und Schreiben auf Kosten von Schlafmangel zu führen, was durch die Motivation wieder ausgeglichen wird. Sprich, ich werde für einen Monat zu einer Art Schreib-Zombie. Und ich bin sicher, auch dieser NaNoWriMo wird wieder einzigartig.

Auch wenn im offiziellen NaNoWriMo im November die 50k als Wortziel fix sind, plane ich wieder so um die 150k zu schreiben, so dass ich am Ende ca. ein Drittel des ersten Bandes habe. Einen Arbeitstitel habe ich für den ersten Band übrigens auch schon, aber den kann ich aus Spoilergründen leider noch nicht verraten. Für das erfolgreich erreichte Wortziel habe ich außerdem eine Belohnung geplant, die für sich genommen schon Ansporn genug ist, weil ich davon schon seit ein paar Jahren träume, mich aber nie getraut habe. Der Termin mit dem Tätowierstudio ist auch schon gemacht – ihr könnt ja mal raten, was ich mir stechen lasse.

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