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Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zu meinem allerersten Sumikränzchen. Es war nicht gerade leicht, ein Thema zu finden, um diese Reihe zu eröffnen, weil es so viele Dinge gibt, über die ich erzählen könnte. Am Ende habe ich mich jedoch dazu entschieden, euch von meiner ganz persönlichen Heldin zu erzählen. Und davon, was mich mit ihr verbindet.

Denn diese Verbindung hat viel dazu beigetragen, dass ich angefangen habe, Fanfiction zu meinen Lieblingsbüchern zu schreiben. Und sie hat mich persönlich verändert.

Eine Richtigstellung

Vor einer Weile wurde ich von einem Leser gefragt, ob ich gerne die Buch-Sonea wäre, weil meine Fortsetzung anscheinend diesen Eindruck erweckt. Ich fand die Frage ziemlich dreist, weil sie unterstellt, ich könnte nicht zwischen der Buch-Sonea und mir unterscheiden. Sie unterstellt, dass ich die Buch-Sonea verdrehen würde, weil sie meine einzige Chance ist, um mit Akkarin zusammen zu sein. Mit solchen Unterstellungen fühle ich mich auf das durchschnittliche Fangirl reduziert, das seine absurden Phantasien in ihren Fanfictions auslebt.

Dabei kann ich mir das angesichts meines Beharrens auf Canontreue überhaupt nicht leisten. Verdrehe ich die Figuren nach Belieben, so würden sie sich vom Geist des Originals entfernen und damit wäre es für mich nicht mehr die Fortsetzung, die ich gerne gelesen hätte, sondern nur irgendeine Fanfiction mit Fangirl-Phantasien und Charakteren, die ooc sind.

Was ich dagegen machen kann, ist die Figuren weiterzuentwickeln und Lücken in ihrem Leben und ihrer Persönlichkeit zu füllen, indem ich ihre Vorlage extrapoliere. Würden sie dabei etwas tun, das sich nicht mit ihrer Darstellung in den Büchern vereinbaren lässt, so würde ich die Stelle solange überarbeiten, bis das Buch-Gefühl für mich wiederhergestellt ist.

Sonea ist in alldem ein Sonderfall.

Denn Sonea ist wie ich.

Das heißt natürlich nicht zu 100%, doch es ist ziemlich nahe dran.

Warum ich mich so sehr mit Sonea identifiziere

Sieht man von den Unterschieden in den Äußerlichkeiten ab, so hatte ich, als ich die Bücher das erste Mal las, ständig dieses überwältigende Gefühl „Die ist wie ich!“. Jede ihrer Aktionen, jeder ihrer Gedanken hätte exakt von mir stammen können. So brauche ich, wenn man mich piesackt, verdammt lange, bis zu zurückschlage. Aber dafür dann umso nachhaltiger. Ich gehorche nur jenen Autoritäten, die ich auch als solche anerkenne. Ich besitze ein großes Leidenspotential und gebe trotzdem nie auf. In Extremsituationen neige ich dazu, über mich hinauszuwachsen und Dinge, die mir überhaupt nicht liegen, gelingen mir mit der entsprechenden Anleitung. Ich bin es gewohnt, mir meine Ziele hart zu erarbeiten, und mein Stolz sorgt unter anderem darfür, dass ich allergisch darauf reagiere, wenn man mir die Dinge in den Hintern schiebt. Ich habe starke Ideale und Wertevorstellungen, Versprechen und Eide sind mir heilig und meine Loyalität und meine Liebe verschenke ich nicht leichtfertig, aber wenn ich es tue, dann ohne Kompromisse. Ich hätte genau dieselben Entscheidungen getroffen, als es darum ging, schwarze Magie zu erlernen und Akkarin nach Sachaka zu folgen. Ich wusste sogar, dass Sonea sich in ihn verlieben wird, als er sie zu seiner Novizin gemacht hat. Und wenn ich irgendwo zu Gast bin, tue ich ähnliche Dinge wie das benutzte Glas mit der Serviette auszuwischen, weil ich niemandem unnötige Umstände machen will. Einmal habe ich mich sogar dabei ertappt, wie ich im Restaurant die Krümel rund um meinen Teller unauffällig zusammengekratzt und auf dem Teller deponiert habe.

Ich könnte die Liste noch ewig fortführen, doch letztendlich würde das nur auf eine einzige Tatsache hinauslaufen:

Ich habe noch nie, weder vor ’The Black Magician’ noch danach, so untrüglich gespürt, dass eine fiktive Figur und ich nahezu ein und dieselbe Person sind. Und das kommt nicht daher, dass es leicht ist, sich mit Sonea zu identifizieren. Es kommt daher, dass ich alles exakt genauso gemacht hätte, wie sie. Selbst die Aktionen, in denen sie einfach nur dumm und unlogisch handelt und die sie für mich so menschlich machen.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr einfach wisst, dass es passt? Wenn ihr unweigerlich wisst, dass es richtig ist?

Mit anderen fiktiven Figuren ist es allenfalls so, dass ich mich in Teilen mit ihnen identifizieren kann. Es gibt auch immer genug, wo es einfach nicht passt.

Wie diese frappierende Übereinstimmung dazu beitrug, dass ich anfing Fanfiction zu schreiben

So genau kann ich das selbst nicht sagen. Vielleicht ist es ein bisschen das Träume durch Schreiben leben, was in jedem Autor steckt. Denn es sind unsere Träume und Wünsche, die uns inspirieren und zum Schreiben antreiben. Mehr dazu findet ihr auch in meinem Artikel zu unserem Traum-Monat im Schreibmeer.

Aber es ist nicht so, dass ich damit etwas in meinem Leben kompensieren müsste. Denn es fing an, als in meinem Leben gerade alles dabei gut zu werden und ich meinen persönlichen Akkarin gefunden hatte. Erst dadurch, dass es gut war, konnte ich wieder träumen. Außerdem gibt es mir nichts, meinen Träumen einfach nur nachzuhängen, ich bin eher der Typ, der seine Träume verwirklicht.

Doch es ist sehr viel mehr als das. Ich liebe die Welt und ihre Charaktere und sie haben mich, nachdem ich die Bücher ausgelesen hatte, nicht mehr losgelassen. Ich denke, dass es ohne Akkarin bzw. ohne seinen Tod nie dazu gekommen wäre. Sonea wäre mir sehr ähnlich, aber damit wäre es gut gewesen. Wie so viele Fans der Bücher konnte und wollte ich Akkarins Tod nicht akzeptieren.

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Weil es das erste Sumikränzchen ist, war ich so frei, euch ein Stück von der Käse-Erdbeer-Torte mitzubringen, die ich dieses Wochenende für meinen persönlichen Akkarin gebacken habe.

Wenn ein Charakter dir so ähnlich ist, dass du exakt dieselben Gedanken und Gefühle hättest und exakt dieselben Entscheidungen getroffen hättest, dann tut es weh, wenn dieser die Liebe seines Lebens verliert. Natürlich wollte auch mein Inneres Fangirl, das durch Akkarin zum Leben erweckt worden war, dass er weiterlebt. Doch allein die Vorstellung, dass Sonea fortan ohne ihn sein muss, hat mir das Herz zerrissen. Ich glaube, dass das eine meiner HSP-Macken ist, mit geliebten Charakteren zu lieben und zu leiden.

Mit der Zeit wurde aus meinen Geschichten sehr viel mehr, als die Errettung meines persönlichen OTPs. Doch das war einer der Gründe, warum es überhaupt zu meiner Fortsetzung der Bücher kommen konnte.

Herausforderungen und Möglichkeiten, von der Buch-Sonea zu lernen

Besonders am Anfang hatte ich damit meine Schwierigkeiten, zwischen den beiden Soneas zu differenzieren, bis ich mich an den ’neuen’ Zustand gewöhnt hatte. Und je mehr ich schrieb, desto leichter fiel es mir. Denn ich wollte eben nicht, dass meine Geschichten die absurden Phantasien eines Fangirls sind. Ich wollte den Geist des Originals fortführen. Und das geht nur, wenn ich strikt zwischen der RL-Sonea und der Buch-Sonea trenne und ihr Tun und Handeln hinterfrage.

Die größten Herausforderungen, denen ich mich stellen musste, sind diese:

  1. Die Buch-Sonea soll sich konform ihrer Vorlage weiterentwickeln. Diese muss jedoch nicht zwingend mit mir übereinstimmen. Hier ist es wichtig, zwischen mir, der Buch-Sonea, und der RL-Sonea zu differenzieren. In meiner Fortsetzung widerfahren Sonea Dinge, die ihre Entwicklung vorgeben. Dadurch entwickelt sie sich von der RL-Sonea fort und erhält Eigenschaften, die ich nicht besitze. Was im Umkehrschluss jedoch nicht bedeutet, dass ich diese unter den entsprechenden Umständen nicht auch herausbilden könnte. Allerdings bin ich nicht scharf darauf, das herauszufinden.

  2. Realitätsverlust: Wenn man mit seinem ganzen Herzblut in seinen Geschichten drinsteckt, ist diese Gefahr zwangsläufig gegeben. Ganz besonders, wenn einer der Charaktere mehr oder weniger man selbst ist. Zu diesem Thema werde ich jedoch noch einen ausführlichen Artikel in dieser Reihe schreiben.

Am Anfang war die Furcht vor Realitätsverlust groß, doch ich konnte sie in etwas Besseres umwandeln:

Die Buch-Sonea hat Seiten in mir hervorgeholt, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besitze. In den ersten Monaten habe ich mich häufig gefühlt, als wäre ich sie, und mich gefragt, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren würde. Wo ich das für gut befand, habe ich mein Verhalten angepasst. Einige unerfreuliche Macken, die ich zuvor hatte, sind dadurch verschwunden, auch wenn ich immer noch eine ziemliche Anzahl von Macken habe. Doch es hat mich verändert. Denn Romanfiguren können auch Vorbilder sein. Wäre ich ein Mann, würde ich vermutlich Akkarin nacheifern und in gewisser Weise tue ich das sogar, weil seine Coolness und Selbstbeherrschung einfach bewundernswert sind. Sie helfen mir, über den Dingen zu stehen, was für sich genommen schon schwer genug ist. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass die Buch-Sonea ebenfalls dazu versucht wäre. Zumindest ist sie es in meiner Fortsetzung.

Die Buch-Sonea hat mich mutiger und mitfühlender gemacht. Sie hat mich dazu gebracht, noch mehr für die Dinge zu kämpfen, die mir am Herzen liegen. Allerdings war nicht sie allein daran schuld, sondern auch die Tatsache, dass damals ein neuer Lebensabschnitt bei mir begann. Nichtsdestotrotz wäre ich ohne sie nicht da, wo ich heute stehe und dafür bin ich verdammt dankbar.

Da die Buch-Sonea nicht von mir so geschaffen wurde, dass diese frappierende Übereinstimmung zwischen mir und ihr besteht, kann ich sie nicht als Self-Insert bezeichnen. Sie wäre es nur, würde ich ihr Eigenschaften von mir geben, die sie selbst nicht besitzt oder auch durch Extrapolation ihrer Vorlage nicht besitzen kann. Oder wenn ich sie Dinge erleben lasse, die ich gerne selbst erleben würde. Abgesehen davon, dass ich das nicht nötig habe, würde ich das meiste, was ihr widerfährt, nicht erleben wollen.

So etwas wie Self-Inserts wird man in meinen Geschichten nicht finden, sondern allenfalls Charaktere, die die eine oder andere Eigenschaft haben, die sich auch bei mir wiederfindet.

Die Buch-Sonea kann sich jedoch glücklich schätzen, das sie nicht hochsensibel ist, wo Selbiges mir häufig das Leben schwermacht. Sollte sie diese Veranlagung besitzen, so hat sie durch ihr Leben in den Hüttenvierteln entsprechende Strategien entwickelt, die sie abgehärtet haben.

Ob ich gerne Sonea wäre?

Nein. Sowohl in den Büchern als auch in meiner Fortsetzung ist Sonea vom Leben regelrecht gefickt. Sie kommt aus der Unterschicht, muss ums Überleben kämpfen und ihr widerfahren diverse soziale Ungerechtigkeiten. Sie wird von der Gilde gejagt, von einem niederträchtigen Magier erpresst, von Novizen gemobbt, von ihrem größten Feind als Geisel gehalten, nach Sachaka verbannt und verliert die Liebe ihres Lebens. Und ist obendrein noch mit einem Bastard gestraft.

Bei mir rettet sie die Liebe ihres Lebens und das Kinderthema stellt sich vorerst nicht, doch dafür hat auch sie es nicht leicht. Ablehnung durch die Gilde, Kriegstrauma, ein neuer Krieg, Entführung, Sklaverei, Missbrauch und der Glaube, die Liebe ihres Lebens endgültig verloren zu haben. Und nach ihrer Befreiung kämpft sie mit den Konsequenzen.

Ich glaube, darauf kann ich getrost verzichten.

In einer Sache würde ich jedoch alles darum geben, Sonea zu sein:

Akkarin.

Doch welches Akkarin-Fangirl würde das nicht wollen?

Ich hoffe, das Sumikränzchen hat euch ein wenig gefallen. Worum es beim nächsten Mal geht, weiß ich noch nicht, weil ich das davon abhängig mache, wonach mir gerade der Sinn steht. Ihr könnt aber auch gerne Wünsche und Ideen einreichen.

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