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… und warum ich mich von Vergleichen mit meinen Geschichten distanziere

Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, haben durch meine Lästertweets ja schon mitbekommen, dass ich seit einer Weile die ’50 Shades’-Trilogie lese. Seitdem werde ich ständig gefragt, warum ich mir das antue, und nicht wenige schütteln mit dem Kopf. Ich verstehe das nur zu gut, weil ich mich auch lange gegen diese Bücher gesträubt habe, und sie schon jetzt niemandem empfehlen kann.

Und weil ich jetzt schon so häufig gefragt worden bin, musste ich darüber einen Blogartikel schreiben.

Wenn man mich fragt, warum ich mir das antue und meine Lebenszeit mit solchen Büchern verschwende, wenn es doch so viele gute Bücher gibt, gebe ich für gewöhnlich flapsige Antworten, die von „Faszination des Grauens“ bis hin zu „ausgeprägtem Masochismus“ reichen. Auch wenn ich mir sowohl als Leserin als auch Autorin einen gewissen latenten Masochismus zuschreibe, der für mich in der Natur des Lesers bzw. des Autors liegt, ist das nicht der eigentliche Grund.

Ich brauche diese Bücher nicht zu lesen, um gute Bücher zu schätzen. Ich brauche sie nicht zu lesen, um zu wissen, wie man es als Autor tunlichst nicht tun sollte. Ich brauche sie nicht, um zu wissen, dass ich es besser kann (auch wenn das vielleicht arrogant klingt). Und ganz sicher brauche ich sie nicht zu lesen, um einen BDSM-Roman zu lesen. Denn zumindest bis zu der Stelle, an der ich gerade bin, (Anfang Buch 2) ist 50 Shades alles andere als das.

Mit jeder Seite steigt in mir das Verlangen danach, wieder einen richtig guten Erotikroman zu lesen. Vielleicht sogar noch einmal den Klassiker ’Die Geschichte der O’. Für alle, die das nicht kennen: In diesem Buch geht es unter anderem um Emanzipation und Unterwerfung aus Liebe. Oder ich lese anschließend ein bisschen gute Fantasy. Ich habe noch Bücher von meinem Lieblingsautor Brandon Sanderson und von Patrick Rothfuss auf meinem SuB und ich sehe diese Aussicht als Belohnung fürs Durchhalten.

Also, warum tue ich mir das alles an?

Ich habe so viel Schlechtes über die Bücher gehört, in Internetdiskussionen und Rezensionen gelesen, dass ich neugierig bin, ob es wirklich so schlimm ist. Bis jetzt habe ich über die Bücher gelästert, obwohl ich sie selbst nicht gelesen hatte. Zugegebenermaßen kommt mir das ein bisschen verlogen vor. Man muss wissen, was man hasst. Und man muss kennen, was man zerreißt.

Wenn ich höre, dass es um Missbrauch geht und um BDSM, das kein BDSM ist, dann reizt es mich schon zu erfahren, was da los ist. Die Tatsache, dass es eine Twilight-Fanfiction ist, von der es heißt, dass sie an ein Plagiat grenzt, tut ihr übriges. Ein bisschen ist es sicher auch die Faszination des Grauens. Denn viele Szenen und Dialoge sind so schlecht und klischeehaft, dass es besser ist, darüber zu lachen, anstatt zu weinen.

Denn der Hauptgrund ist jedoch folgender:

Ich wurde schon mehrfach von Lesern gefragt, ob die Sexszenen in meinen Geschichten von ’50 Shades Of Grey’ inspiriert wären. Abgesehen davon, dass mein Hauptpair alles andere, als eine nervige, pubertäre Ana und ein süßholzraspelnder Kontrollfreak namens Chedward sind, habe ich mich bisher immer von solchen Vergleichen distanziert. Denn wie soll einen etwas inspirieren, das man nicht kennt?

Gerade, weil ich so viel Schlechtes über die Bücher gehört hatte, war ich über derartige Fragen und Vergleiche in der Vergangenheit nicht sehr begeistert, auch wenn sie von manchen Lesern durchaus positiv gemeint waren. Ich möchte nicht, dass meine Geschichten mit etwas assoziiert werden, das einen solch schlechten Ruf hat. Und mit jeder Seite, die ich von dieser Twilight-Fanfiction lese, wird mir mehr klar, dass ’50 Shades Of Grey’ mit meinen Geschichten rein gar nichts gemein hat. Nicht einmal zufällig.

Es fängt mit klischeehaften Dialogen und grausig geschriebenen Sexszenen mit multiplen Orgasmen, bei denen die Betroffenen in tausend Stücke explodieren, an und endet damit, dass ich das BDSM beim besten Willen nicht erkennen kann, wohingegen mein Hauptpair die innere Haltung dazu hat, lange bevor es überhaupt zur Sache geht. Ana ist alles andere als devot und bei Chedward habe ich die starke Vermutung, dass er diese Praktiken braucht, um auf Grund irgendeiner traumatischen Vergangenheit die Kontrolle zu behalten, aber er lebt es nicht. Er kommt ihr in sexueller Hinsicht auf eine Weise entgegen, dass es eher 50 Shades Of Vanilla ist, während er ihren Willen komplett missachtet, wenn er in anderen Dingen Grenzen überschreitet (Stalking, großkotzige Geschenke etc.). Das ist kein Übernehmen von Verantwortung und kein Führen. Und Ana findet ihn einfach nur heiß, weil er so gut aussieht und im Bett eine solche Granate ist. Vielleicht glaubt sie nicht nur, ihn zu lieben, sondern tut es wirklich. Doch da ist absolut null Hingabe oder das Bedürfnis, sich ihm zu unterwerfen.

Davon abgesehen kann ich das in den Büchern propagierte Frauenbild nicht gutheißen.

Des weiteren könnte man die Bücher locker auf die Hälfte kürzen, würde man das ganze Geschmachte und „He’s so hot/gorgeous/bossy/whatever“ und den darauffolgenden (Plot)-Löcher füllenden Sex weglassen. So etwas kann ich nicht schreiben, ohne von mir selbst angewidert zu sein.

Andere Aspekte sind stilistischer Natur. Sexszenen werden bis ins kleinste Detail ausgeschrieben und nichts der Phantasie des Lesers überlassen. Die Autorin konzentriert sich mehr darauf, wie schön und dauergeil die Charaktere sind und was genau sie miteinander tun, wobei das Kopfkino auf der Strecke bleibt. Andere Leser fänden vielleicht genau das gut. Aber ich gehöre auch zu denen, die in Empfindungen und Sinneseindrücken schwelgen und deren Kopfkino mit Andeutungen auf Touren kommt.

Vor der Lektüre hatte ich ein klein wenig Angst, entgegen all meiner Vorsätze Chedward zu verfallen. Ich hatte Angst, er könnte Akkarin als meinen Lieblingscharakter damit von seinem Thron stoßen. Denn während ich durchs Schreiben genug Leute kenne, die Chedward einfach nur furchtbar finden, habe ich in diversen Foren festgestellt, dass er zugleich das Fangirl-Objekt von erschreckend vielen anderen Frauen ist. Also muss er irgendetwas an sich haben, was ihn begehrenswert macht. Doch anscheinend hatte ich mir diese Sorgen völlig umsonst gemacht, zumal sich der Fangirl-Effekt bei seiner blutsaugenden Vorlage auch nicht eingestellt hat. Abgesehen von seinem Humor kann ich diesem Mann rein gar nichts abgewinnen.

Ich habe mich selten beim Lesen von Sexszenen so gelangweilt. Sicher ist es auch eine Frage des Geschmacks, doch vor allem die Häufigkeit und die in meinen Augen unrealistisch kleinen Intervalle, mit denen Errektionen und Orgasmen, lösen in mir vor allem eine Art von Stöhnen aus: Ein entnervtes.

Wenn ich beim Lesen eines Buches, egal welches Genre, denke „Boah, müssen die schon wieder ficken?“ ist meiner Meinung nach beim Plotten etwas schiefgelaufen. Das geht allenfalls bei Porno, wobei ich keine Pornobücher kenne, mit denen ich das vergleichen könnte. Zudem könnte Ana mit ihren orgastischen Explosionen schon fast als Selbstmordattentäterin durchgehen. (Womit sie hervorragend zu Mr. Stalker und seinem Baumarkt-Einkauf passen würde.)

Das Missbrauchs-Thema konnte ich bis jetzt noch nicht verifizieren, obwohl ich dafür sensibilisiert bin. Vielleicht kommt das noch in den verbleibenden anderthalb Büchern. Bis jetzt kann ich nur sagen, dass der schlechte Schreibstil vor allem in Bezug auf Chedwards Humor mehrere Auslegungsmöglichkeiten bietet, zumal seine Charakterisierung inkonsequent ist, was meiner Meinung nach solche Interpretationen bestärkt. Darauf gehe ich daher lieber ein, wenn ich alle drei Bücher gelesen habe.

In jedem Fall kann ich nach fast anderthalb Büchern sagen, dass meine Fanfictions rein gar nichts damit gemein haben (außer dass beides Fanfiction ist). Zudem fehlen den Figuren einige meiner Meinung nach essentielle Aspekte, die es erfordert, um BDSM wirklich zu leben, weil dazu eine innere Haltung gehört, die ich bei ’50 Shades’ schlichtweg vermisse.

E. L. James hat irgendwo einmal behauptet, sie hätte BDSM selbst ausprobiert. Ich kaufe ihr ab, dass sie ein paar Dinge tatsächlich ausprobiert hat. Aber ich bezweifle, dass sie es wirklich gefühlt hat. Ein Autor muss nicht alles erlebt haben, worüber er schreibt. Gründliche Recherche und Einfühlungsvermögen tun es in den meisten Fällen auch. Doch ich bin sicher, wenn sie es gefühlt hätte, dann würde man das aus der Geschichte herauslesen und den Figuren Dynamik und Lebendigkeit verleihen.

Trotzdem werde ich die Bücher bis zum bitteren Ende durchlesen, um meine Ansichten dazu guten Gewissens vertreten zu können. Eigentlich sollte ich das auch mit der unsäglichen Fortsetzung von ’The Black Magician’ tun, doch dagegen sprechen so viele Gründe, dass ich nicht genug Masochismus aufbringen kann, um mir das anzutun.

Abgesehen davon, dass ich jetzt jedem Leser guten Gewissens begründen kann, warum ich weder von ’50 Shades Of Grey’ inspiriert wurde, noch warum mein Hauptpair mit Ana und Chedward irgendeine Ähnlichkeit haben sollte, ist es für einen Autor auch immer gut, Negativbeispiele zu lesen. Denn man kann auch von diesen einiges lernen.

Insofern betrachte ich die Bücher keineswegs als verlorene Lebenszeit. Außerdem hat mich die Trilogie nur 4,50€ gebraucht bei Amazon Marketplace gekostet. Damit habe ich der Person, die sie loswerden wollte, sogar noch etwas Gutes getan und die Autorin nicht mit dem Kauf einer Neuausgabe unterstützt.

Wenn ich die Bücher ausgelesen habe, wird es in diesem Blog dazu wahrscheinlich ein ausführliches Statement geben.

Falls ihr wissen wollt, woher meine Inspiration zu diesem speziellen Aspekt meiner Geschichten kommt: Ich denke, dass ich das meiste davon schon mit Teil 1 und Teil 2 der unsäglichen Blogartikel-Reihe abgefrühstückt habe. Die ’Geschichte der O’ hat sicher auch eine Rolle dabei gespielt, auch wenn ich das Buch einige Jahre vorher gelesen habe. Der Rest ist aus meinen Fingern in die Tastatur geflossen.

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