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Ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Thema etwas schreiben soll, weil es mich inzwischen seit mehr als einem Jahr beschäftigt. Nachdem ich dazu heute jedoch eine Twitterdiskussion gestartet habe, bei der ich wieder einmal Schwierigkeiten hatte, mein „Problem“ in 140 Zeichen zu fassen, ließ es sich dann jedoch nicht mehr aufhalten. Im Laufe des Tages habe ich versucht zu ergründen, warum ich mich im Bezug auf das Autorendasein so sehr als Außenseiter empfinde und warum ich häufig regelrecht darunter leide.

Dieser Artikel soll übrigens nicht zerreden, was mehrere liebe Menschen heute mit viel Geduld und Nachsicht versucht haben, mir beizubringen, sondern einfach nur beschreiben, wie es mir auf meinem einsamen Posten „Chaos-Discovery-Autorin-die-Fanfictions-wie-ein-Fantasyepos-schreibt“ ergeht.

Nämlich scheiße.

Schon solange ich denken kann, habe ich Probleme damit, mich in einer Gruppe nicht als Außenseiter zu fühlen. In glaube, dass meine Hochsensibilität und meine Introvertiertheit mir da häufig einen Strich durch die Rechnung machen, wo andere einfach drüber wegsehen würden. Aber wenn man HSP ist, dann ist alles per Definition erst einmal schwerer, herausfordernder und komplizierter.

Häufig liegt ist es so, dass ich nicht in eine Gruppe, zu der ich jedoch aus irgendwelchen Gründen gehöre, hineinpasse. Oder dass ich scheinbar hineinpasse und natürlich merke ich das. Irgendwie habe ich darüber die Kunst, mich in einer Gruppe einsam zu fühlen, perfektioniert.

Aber es ist auch nicht immer so. Zum Beispiel in meinem Brotjob. Ich bin keine Informatikerin, ich bin in die Softwareentwicklung quereingestiegen. Aber ich fühle mich damit nicht als Außenseiterin, weil sehr viele meiner Kollegen Quereinsteiger sind. Ich bin nerdiger, als die Mehrheit, aber nicht so nerdig, wie einige andere. Ich bin ein wenig kauzig und intro (zum Teil auch weil ich HSP bin), aber das sind andere auch. Auch fühle ich mich nicht als Außenseiter, weil ich weniger Erfahrung als die Entwickler habe, die schon länger dabei sind, tatsächlich fühle ich mich als das lernwütige „Küken“ sogar sehr wohl. Und ich fühle mich auch nicht als Außenseiter, weil die meisten Entwickler männlich sind, zumal ich mich in Männerdomänen von Natur aus wohler fühle. Insgesamt bin ich mich dort einfach angekommen. Ich gehöre dazu und bewahre mir zugleich meine Individualität, die von den anderen Mitgliedern der Gruppe akzeptiert wird.

Das nur, um zu verdeutlichen, dass ich nicht immer der Außenseiter bin oder ich irgendeine latente Neigung dazu habe, mich selbst zum Außenseiter zu machen. So masochistisch bin ich dann auch nicht.

In einer Gruppe, die meinen Interessen und Vorlieben entspricht, möchte ich einfach nur dazugehören und meine Individualität bewahren. Also trotzdem gegen den Strom schwimmen, so wie ich es immer tue. Auf eine akzeptierte Weise.

Als Fanfiction-Autorin habe ich meinen Platz jedoch noch nicht gefunden. Ich gehöre zu keiner Gruppe so richtig. Weder zu den Fanfiction-Autoren, noch sehe ich meinen Platz in der Welt der ’richtigen’ Autoren. Durch meine ganzen Twitter-Kontakte und die Bekanntschaften im NaNoWriMo ist mir das erst wirklich bewusst geworden. Sie alle sind superliebe Menschen, die ich sehr schätze, nur tut keiner von ihnen das, was ich tue. Entweder sie schreiben richtige Bücher, schreiben Bücher und Fanfictions oder sie schreiben nur Fanfictions. Letzteres jedoch nicht in dem Extrem, in dem ich es praktiziere.

Mit dem, was ich schreibe, wie ich schreibe und das in diesem ganzen Ausmaß, bin ich weder Fisch noch Fleisch. Ich schreibe meine Fanfictions so, als würde ich an einem riesigen Fantasy-Epos inklusive Nebenerzählungen, Prequels, fiktiven Sprachen und Worldbuilding arbeiten. Das ist toll und das macht jede Menge Spaß und meine Leser freut es obendrein auch. Ich mache das nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen, weil ich unfähig wäre, etwas Eigenes zu schreiben oder weil ich hoffnungslos an Realitätsverlust leide – nein, ich tue das, weil ich das schreiben will. Weil es das ist, wofür ich brenne. Je mehr ich mich in dieser Welt suhle, desto mehr Ideen bekomme ich, um diese weiter zu gestalten und die Charaktere neue Abenteuer erleben zu lassen. Und deswegen hat eine Fanfiction, die ursprünglich eine zweite Chance für mein Hauptpair bedeuten sollte, überhaupt erst derartige Ausmaße annehmen können.

Ich will mit dem Schreiben kein Geld verdienen, sondern einfach nur das schreiben, was mich bewegt. Ich will das Universum und die Figuren darin ihre Abenteuer erleben lassen, Prequels schreiben und Lücken füllen. Würde ich eine eigene Fantasywelt erschaffen, würde ich genau dasselbe tun, weil ich es liebe, wenn andere Autoren das tun und so etwas gerne lese und in diesen Welten schwelgen mag. Aber es interessiert mich für den Augenblick einfach nicht. Inzwischen habe ich mehrere Länder und Kulturen, die im Original nur am Rande vorkommen, für meine Zwecke ausgearbeitet, die Flora und Fauna erweitert und diverse neue Figuren erschaffen.

Ich kenne niemanden, der auf diese Weise Fanfictions schreibt. Wirklich niemanden.

Und damit fühle ich mich wie ein Außenseiter, wie ein Alien.

Wenn ich das anderen Menschen erzähle, sind diese häufig erstaunt, wie man wegen einer Fanfiction so viel Aufwand betreiben kann. Was nicht heißen soll, dass andere Fanfiction-Autoren nicht mit Herzblut bei der Sache sind oder viel Arbeit investieren. Doch irgendwie ist es bei mir anders, extremer.

In der Anfangszeit auf FF.de war ich häufig im Forum unterwegs, hatte jedoch bald den Eindruck, nicht so richtig dorthin zu passen. Weder mit meinen Ansichten noch mit meiner Schreibe, die damals schon exzessive Ausmaße hatte. Die Ansichten zu Fandomfragen und Autorenproblemen resultieren zum Teil aus meiner Schreibe, zum Teil kommen sie jedoch auch daher, dass ich mit Anfang 30 ein gutes Stück über dem Altersdurchschnitt der meisten Fanfiction-Autoren bin. Darüber hinaus bin ich mit dem teils herrschenden Umgangston und der mangelnden Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen nicht zurechtgekommen.

Zwar gibt es Fanfiction-Autoren, die mehrere Geschichten zu einem Headcanon haben, aber nichts in dieser Komplexität. Also zog ich mich wieder zurück, weil ich Angst hatte, für arrogant gehalten zu werden, oder dass man mich schief anschaut, weil das alles doch eh keiner lesen will und weil es langweilig wird, wenn man immer weiterschreibt, weil man sich nicht von der Welt und den Figuren trennen will.

Zumindest liefen viele Forendiskussionen in diese Richtung und ich muss ehrlich sagen, dass einige mich schlichtweg verunsichert haben. Denn damals hatte ich nur sehr wenige Leser, wusste aber bereits, dass meiner ersten Trilogie eine zweite Trilogie folgen wird, während ich zugleich inspiriert von Wettbewerben anfing, den Canon durch Kurzgeschichten aufzufüllen und diese meinen Headcanon erweiterten. Da können Sätze wie „das liest doch irgendwann eh keiner mehr, weil es immer nur dasselbe ist“ die eigenen Pläne in ziemliche Zweifel stürzen. Dass ich weitergemacht habe, liegt einzig daran, dass ich das schreibe, was ich für meine Glückseligkeit schreiben will.

Bis heute konnte ich daher in der Fanfiction-Welt niemanden finden, mit dem ich mich über die Dinge austauschen konnte, die mich in Bezug auf das Schreiben beschäftigen.

Im vergangenen Jahr habe ich es einmal bei einer Autorencommunity versucht. Sie hatte sich Toleranz gegenüber jeder Art des Schreibens auf die Fahnen geschrieben, so dass ich dachte, dort als FFler gut aufgehoben zu sein, doch nach nur wenigen Wochen war ich dort wieder weg. Auch dort schrieb irgendwie niemand ausschließlich Fanfictions und ich hatte das Gefühl, in Diskussionen immer außen vor zu sein. Alleine dadurch, dass ich bei meinen Antworten ständig zwischen Canoncharakteren und OCs, Original und Weiterentwicklung unterscheiden musste, erhielt jeder meiner Beiträge ein Fanfiction-Stigma. Wenn man der einzige reine Fanfiction-Autor in der Gruppe ist, ist das ein sehr unangenehmes Gefühl. Auch wenn jemand ein Problem oder eine Frage hatte, konnte ich meine Antworten nie so formulieren, als kämen sie aus einem Schreibratgeber, weil ich zum einen Discovery Writer bin und zum anderen HSPler, weswegen bei mir beim Schreiben vieles über die Gefühlsebene läuft. Dadurch wurde meinen Beiträgen kaum Beachtung geschenkt und ich fing an, mich ausgegrenzt zu fühlen. Und das, obwohl ich seit Jahren schrieb, und mich daher nicht gerade als unerfahren oder erfolglos sah. Ich hatte das Gefühl, nicht helfen zu können oder das meine Hilfe nicht erwünscht ist.

Als meine Bewerbung für das zu der Community gehörende Schreibmagazin ohne Begründung abgelehnt wurde, war ich dann endgültig weg. Bis heute kenne ich nicht die Gründe für die Absage, doch dass ich in meiner Bewerbung unter anderem damit warb, wie ich aus der Sicht eines Fanfiction Autors Artikel für andere Autoren schreiben und das Magazin bereichern könnte, könnte den Ausschlag gegeben haben.

Aus Unsicherheit und Angst habe ich nie nachgefragt. In meiner Vorstellung lag es entweder an der Tatsache, dass sie keinen Fanfiction-Autor in ihrem Team (was ich in einem Autorenmagazin als engstirnig empfinde) wollten oder dass sie mich deswegen schlichtweg für arrogant hielten. Seitdem habe ich jedoch keinen zweiten Versuch bei einer anderen Autorencommunity gewagt, auch wenn manche ziemlich cool klingen und für etwas stehen, was ich auf der Stelle so unterschreiben würde. (Dass ich stattdessen Artikel für das Schreibmeer schreiben darf, ist mehr als nur eine glückliche Fügung.)

Wo ich auch hinkomme, passe ich als Chaos-Discovery-Autorin-die-Fanfictions-wie-ein-Fantasyepos-schreibt nicht rein. Die Angst davor, für das, was ich bin, für arrogant gehalten zu werden, ist da. So auch die Angst, oder dass andere auf mich herabsehen, weil es trotz allem nur Fanfictions sind, oder mich für verrückt oder an Realitätsverlust leidend, weil ich seit Jahren nichts andere tue und meine Arbeit eher Ausmaße eines Fantasyepos hat. Und das nur, weil ich genau das einfach nur schreiben will. Ich will weder für einen Sonderling noch für etwas Besonderes gehalten werden, denn das rückt mich beides auf eine Position, auf der ich nicht sein will. Ich will einfach nur dazugehören und mir meine Individualität bewahren können.

Nur scheint irgendwie, alles was ich als Autorin bin, dem zu widersprechen.

Meine ganze Arbeitsweise ist sehr … eigensinnig. Gefühlt jeder um mich herum nutzt Schreibratgeber, ist mindestens in einer Autorencommunity, hat ein vernünftiges Schreibprogramm, plant seine Geschichten, geht auf Messen etc.

Und was mache ich?

Ich plane nicht, sondern schreibe drauflos, unterbrochen von Phasen, in denen ich Plotideen notieren muss, bevor ich sie aufschreiben kann oder um meine häufig wirren Gedanken zu ordnen, die ich oft nicht einmal selbst verstehe. Häufig schreibe ich nicht einmal chronologisch, sondern die Szenen, die mich gerade anfixen. Ich habe kein Schreibprogramm wie Papyrus etc. mit tausend nützlichen Features, die einem Arbeit abnehmen, sondern schreibe mit Open Office jedes Kapitel ein Dokument und habe sonst nur eigene Dokumente für Plotideen und Todo-Listen. Für storyübergreifende wichtige Infos und Fakten habe ich eine Pinnwand des Wahnsinns, die inzwischen nicht mehr aktuell ist und von meinen Katzen malträtiert wurde. Für alles Weitere ist Strg+F mein Freund, zumal ich häufig ungefähr weiß, in welchem Kapitel etwas stand. Meine Arbeitsweise ist unorganisiert und chaotisch. Sogar wenn ich überarbeite. Würde man mir von einer solchen Person erzählen, würde ich denken „das kann doch nur schiefgehen“. Tipps von einer solchen Person würde ich vermutlich mit Vorsicht genießen. Inzwischen bin ich deswegen selbst zögerlich im Geben von Tipps, weil ich den Eindruck habe, dass andere das besser können.

Auf Messen, die anscheinend Treffpunkte für Autoren sind, gehe ich übrigens auch nicht. Zum einen verkaufe ich keine Bücher, für die ich dort werben könnte, zum anderen sind mir die Kosten schlichtweg zu hoch, um mich für einen oder mehrere Tage einer Reizüberflutung aus Menschen, Geräuschen und Eindrücken auszusetzen. Ganz besonders, wenn ich dann auch Menschen treffe, die ich nur aus dem Internet kenne, was mich zusätzlich aufputschen und überfordern würde. Diese würde ich dann lieber auf anderem Wege kennenlernen.

Das alles sind Dinge, durch die ich mich zusätzlich als Außenseiter fühle. Wahrscheinlich ist das einer der Punkte, wo mir meine Hochsensibilität einen Strich durch die Rechnung macht.

Ich glaube nicht, dass alle deswegen schlecht über mich denken oder auf mich herabsehen, zumindest nicht jene, mit denen ich darüber diskutieren konnte, wofür ich diesen lieben Menschen an dieser Stelle von ganzem Herzen danken möchte ❤ Ich möchte ihnen für ihre Geduld mit mir danken und dafür, dass sie versucht haben zu verstehen, was ich in 140 Zeichen nicht ausdrücken konnte. Ich weiß nicht einmal, ob ich es mit diesem Blogartikel kann.

Dieses Außenseiter-Gefühl ist ein Gefühl, das einfach da ist und das durch meine Beobachtungen und meine langjährigen Erfahrungen als Außenseiter in einer beliebigen Gruppe gestützt wird. Manchmal denke ich sogar, weniger Wert zu sein, bloß weil ich ’nur’ Fanfictions schreibe, egal wie sehr ich mir dafür den Arsch aufreiße. Weil es doch nie etwas völlig Eigenes sein wird. Unabhängig davon, ob ich überhaupt etwas Eigenes schreiben will.

Und nein, ich will jetzt nichts darüber hören, wie toll meine Geschichten doch sind.

Ich will nicht mit der Masse mitschwimmen, noch will ich mich mit anderen vergleichen. Ich habe schon immer mein eigenes Ding gemacht. Ich will dazugehören, mir meine Individualität bewahren, aber ich selbst bleiben und nicht herausstechen, weil mir das unangenehm ist. Dann fühle ich mich wohl und sicher. Im Bezug aufs Schreiben ist es nichtsdestotrotz extrem, weil ich das Gefühl habe, auf unerfreuliche Weise herauszustechen wie in keiner anderen Gruppe von Gleichgesinnten.

Ich merke einfach, dass ich bei vielen Dingen nicht mitreden oder keinen konstruktiven Beitrag leisten kann, weil ich eben eine Chaos-Discovery-Autorin-die-Fanfictions-wie-ein-Fantasyepos-schreibt bin.

Ich habe keine Ahnung, ob sich das jemals bessern wird. Ich habe nur das Gefühl, meinen Platz in der Autorenwelt noch nicht gefunden zu haben. Und ich wäre dankbar, würde ich jemanden finden, der seine Fanfictions in demselben Extrem schreibt, wie ich. Denn dann wüsste nicht, dass ich mit dieser Sache nicht alleine auf der Welt bin.

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