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Weil auch Fangirls Jahrestage haben können und weil diese wichtig sind

Warnung: Dieser Artikel erhält nicht unerhebliche Spuren von Fangirlismus und Selbstironie.

Eigentlich wollte ich euch bei diesem Sumikränzchen erzählen, warum ich so von Akkarin besessen bin, warum er für mich das Ideal von einem Mann ist, warum er meine längste fiktive Beziehung ist und warum Kirk, Spock, Han Solo, Horst Schimanski und wie all die Verflossenen aus meiner pubertären Fangirlphase heißen, ihm nicht das Wasser reichen können.

Aber seien wir ehrlich: Muss ich dazu überhaupt etwas sagen?

Er ist Akkarin.

Punkt.

Also erzähle ich euch lieber von den Freuden und Leiden, die es mit sich bringt, das gefühlt schlimmste Akkarin-Fangirl unter dem Antlitz Gottes zu sein. Und warum ich es deswegen manchmal nicht mehr mir selbst aushalte.

Akkarin ist für mich, um es mit Stiller auszudrücken, eine Romanfigur, die nie fertig wird. Schon in ’The Black Magician’ ist er mehr als nur anbetungswürdig. Durch das Schreiben meiner Fanfictions erhielt er mehr und mehr Facetten, wo ich seine Figur logisch extrapoliert und in seiner dunklen Vergangenheit gewühlt habe. Durch diese Facetten, von denen es sowohl gute als auch schlechte gibt – denn schließlich ist er kein romantischer Held – sorgen dafür, dass er für mich noch anbetungswürdiger wurde. Durch diese begann ich ihn mehr und mehr in seiner Gesamtheit zu begreifen. Und mit jedem Stück, das ich an meinen Geschichten schreibe, mit jedem Blogartikel, in dem es in irgendeiner Form um ihn geht, und mit jeder Leserdiskussion eröffnen sich mir neue Perspektiven und Facetten, die ihn noch anbetungswürdiger machen und mich in eine Art Fangirl-Hölle werfen, weil ich meine Seele verkaufen würde, um diesem Mann zu gehören, und mich zugleich am Rande des Wahnsinns wähne, weil er nicht real ist.

Oder so ähnlich.

Ja, ich gestehe: Akkarin ist meine unsterbliche Liebe. Und das mittlerweile seit heute genau sieben Jahren.

Und so absurd das klingen mag: Darauf bin ich verdammt stolz.

Denn auch wenn dieser Mann fiktiv ist, so hat er mein Leben auf eine Weise bereichert, die ich nicht mehr missen will und für die ich überaus dankbar bin. Durch ihn habe ich wieder angefangen zu schreiben und seitdem schreibe ich exzessiver und ambitionierter denn je. Durch ihn habe ich mich schriftstellerisch und persönlich weiterentwickelt. Durch ihn habe ich zahlreiche Leidensgenossinnen kennenlernt, wo ich mich als einweisungsbedürftig wähnte, weil ich mich so sehr nach einer Romanfigur verzehre, die ausgerechnet so hart und düster ist. Da ich durch ihn wieder mit dem Schreiben begonnen habe, habe ich mit der Zeit zahlreiche andere Autoren kennengelernt, mit denen ich mich über das Schreiben austauschen kann. Durch Akkarin habe ich angefangen das zu tun, wofür ich wirklich, wirklich brenne.

Meine unsterbliche Liebe zu diesem Buchcharakter begann ausgerechnet an der Stelle, an der er Soneas Gedanken liest und sie zu seiner Novizin macht. Irgendwie ist diese Szene eine typische Akkarin-Szene. Er ist finster, ehrfurchtgebietend und dominant – und das alles in einer ungeahnten Intensität. Es war zugleich die Stelle, bei der ich wusste, dass Sonea sich in ihn verlieben wird.

Begriffen, dass ich diesem Charakter hoffnungslos verfallen bin, habe ich jedoch erst beim Lesen von ’The High Lord’. Ich weiß noch, dass es der 11. August 2009 war. Und seitdem feiere ich jedes Mal an diesem Tag einen fiktiven Jahrestag. Ein Glas Rotwein als Pendant zu Anuren Dark, meine Lieblingsszenen aus den Büchern und schwarze Kleidung auch wenn gerade der heißeste Sommertag ist, dürfen dabei nicht fehlen.

Mir ist dieser Jahrestag, wenn auch er nur ein sehr einseitiger ist, sehr wichtig, ich zelebriere ihn sogar nahezu. Denn auch wenn Akkarin nur eine Romanfigur ist, muss ich ihm dafür danken, dass ich etwas gefunden habe, für das ich wirklich, wirklich brenne.

Der Vorteil, in seinen Endzwanzigern eine postpubertäre Fangirlphase durchzumachen, war für mich, dass sich mein Männergeschmack bis dahin gesetzt hatte. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, was ich will und was gar nicht geht. Und das macht diese ’Liebe’ auch so beständig. Akkarin vereint in sich alles, was ich mir von einem Mann wünsche.

Und hier sind wir schon bei einem der ersten und wohl schlimmsten Leiden eines Akkarin-Fangirls. Man kann sich die Haare ausreißen, die Haut vom Leib ziehen oder nächtelang ins Kopfkissen weinen – er wird dennoch nicht real. Und es ist verdammt schwer, einen Mann zu finden, der diesem Ideal nahekommt. Ist man bereits glücklich mit einem Mann zusammenl, ist die Welt in Ordnung (zumindest mehr oder weniger, realer wird er davon ja trotzdem nicht). Ist man Single hat man die Arschkarte und muss ggf. seine Erwartungen zurückschrauben oder auf ewig alleine bleiben, sofern es einem nicht gelingt, sich von diesem Ideal zu distanzieren.

Ein weiteres Leiden abgesehen davon, dass der Mann nicht real wird, egal wie sehr man von ihm träumt, ist, dass er im Buch stirbt. Jedes Mal, wenn ich ’The Black Magician’ lese, fangirle ich ihn bei jedem seiner Auftritte aufs Härteste und sabbere, während mein Inneres Fangirl* still und leise vor sich hinquietscht und ich diesen Zustand stiller Glückseligkeit auskoste. Denn es ist ein Zustand, in den anderen Menschen nicht intervenieren können. Weil Akkarin nur in meinen Gedanken existiert. Inzwischen kann ich ’The High Lord’ nicht mehr in die Hand nehmen, ohne dass mir Tränen in die Augen schießen, weil ich weiß, wie es enden wird.

Dennoch lese ich die Bücher getrieben von einem intrinsischen Masochismus jedes Jahr und durchleide dabei den Zyklus den Fangirlens und des Weinens und tagelangem Weltschmerz, bevor das Leben wieder einen Sinn ergibt. Das mag verrückt klingen, besonders wenn man die Bücher schon gefühlte hundert Mal gelesen hat. Es ist jedoch jedes Mal aufs Neue ein sehr intensives Leseerlebnis, das ich erst einmal verarbeiten muss.

Natürlich lese ich die Bücher nicht nur seinetwegen, meist ist es in erster Linie Recherche und Analyse, zumal mir die Welt und die übrigen Charaktere ans Herz gewachsen sind. Doch ohne ihn wäre es nur irgendeine beliebige Fantasygeschichte. Ohne ihn hätte ich die Bücher einmal gelesen und anschließend ins Regal gestellt. Ohne ihn hätte ich keine alternative Fortsetzung geschrieben, bei deren Schreiben ich mittlerweile bei der Folgetrilogie angekommen bin.

Durch Akkarin fühle ich mich lebendiger denn je. Denn wie bereits oben erwähnt, hat er mein Leben bunter und reicher gemacht. Nicht, dass es zuvor furchtbar gewesen wäre, im Gegenteil. Durch ihn habe ich jedoch wieder angefangen, zu träumen. Die Lebendigkeit, die ich seitdem verspüre, macht mich glücklicher, stärker, kreativer und positiver. Ohne Akkarin hätte ich niemals angefangen Fanfiction zu schreiben und zu beginnen, was ich inzwischen als mein Lebenswerk betrachte. Vielleicht werde ich nie etwas Großartigeres schaffen, weil ich dazu etwas erschaffen müsste, was sich damit messen kann.

Abgesehen von Akkarins Tod in den Büchern quält mein Inneres Fangirl, wie Canavan seine Geschichte in ihrer unsäglichen Fortsetzung verdreht hat. Wie man einen so großartigen Charakter posthum so verhunzen kann, ist mir unbegreiflich. Und als wäre sein Tod nicht schon ein gewaltiger Schlag in die Fresse gewesen, ist das, als würde man noch einmal kräftig nachtreten. Dass Sonea am Ende jener Bücher mit Regin zusammenkommt, setzt dem ganzen die Krone auf. Neben Akkarin ist jeder Mann allenfalls dritte Wahl. Regin dagegen ist ein absoluter Griff ins Klo.

Beim Schreiben kommt mir das Fangirlen von Akkarin auch zugute. Dadurch sehe ich ihn viel lebendiger vor mir und kann das auf seine Darstellung in der Geschichte übertragen  (und ja, manchmal ist es auch quälend, beim Schreiben zu schmachten, weil er dadurch nicht realer wird). Und dabei ist es egal, aus wessen Perspektive ich ihn beschreibe, weil jede Figur andere seiner Facetten wahrnimmt und ich auf diese Weise auch seine unerfreulichen Seiten hervorheben kann. Einigen Leserkommentaren nach zu urteilen, merkt man das der Geschichte sogar an.

Akkarin ist mehr als die anderen Figuren wie ein lebendiges Wesen. Dass man als Autor seine Figuren als lebendig betrachtet, ist nach allem, was ich erfahren habe, gar nicht so ungewöhnlich. Manche Autoren bezeichnen ihre Figuren sogar als Freunde und die Figuren meiner Geschichten sind in jedem Fall Begleiter, ohne die etwas fehlen würde. Bei Akkarin, aber auch bei Sonea, ist es besonders intensiv. Daher leide und liebe ich mit ihnen mehr, als mit anderen und fühle mich sogar schlecht, wenn ich ihnen Dinge antun muss. Die Schreibe profitiert davon jedoch ungemein.

Als Akkarin-Fangirl leidet man jedoch auch an einer gewissen Stutenbissigkeit, von der ich mich selbst – ja so ehrlich bin ich und ich weiß, dass das ziemlich arrogant von mir ist – nicht freisprechen kann. Mich stresst und ärgert das und macht mir das Leben schwer, bis ich es wirklich nicht mehr mit mir selbst aushalte. Diese Stutenbissigkeit empfinde ich zum Glück nur gegenüber jenen Fangirls, die aus diesem großartigen und anbetungswürdigen Charakter einen weichgespülten Süßholzraspler machen, der eher einem Dorrien ähnelt. Ich kann nicht ändern, dass ich so empfinde, es tut mir einfach in der Seele weh, wenn ich sehe, wie mein Lieblingscharakter verdreht wird. Allerdings bin ich dem Alter raus, in dem ich dazu etwas gesagt hätte oder diese Fangirls angegangen wäre, lange entwachsen, und heule mich lieber bei Leuten aus, die mich verstehen, wenn mal wieder Leser von meinen Geschichten zu diesen abwandern. Danach ist es jedoch auch meistens wieder gut.

Den Rest der Zeit verbringe ich damit, mich nach dem heißesten Buchcharakter aller Zeiten zu verzehren, ihn beim Schreiben anzuschmachten und mich in diesem bittersüßen Schmerz zu suhlen, dass ich einen Mann liebe, der ums Verrecken niemals real sein wird.

Die ganz normalen Probleme eines Fangirls eben.

Zur Feier des Tages ein Glas Anuren Dark und ein Kegelkuchen (oder das, was den entspricht).

Zur Feier des Tages ein Glas Anuren Dark und ein Kegelkuchen (oder das, was den entspricht).

Und nachdem ich den ganzen Tag in meinem Brotjob festgesessen habe, werde ich den Abend unseres Jahrestage nun mit einem Glas gutem Rotwein (als Ersatz für Anuren Dark) begehen und eine kleine Szene mit Akkarin und Sonea schreiben, dazu Kamelot hören und mich auf diese Weise  darüber freuen, dass er mein Leben seit mittlerweile sieben Jahren so sehr bereichert. Was die beiden in jener Szene tun, wird jedoch auf immer mein Geheimnis bleiben.

Solltet ihr selbst Jahrestage mit euren Fangirl-Objekten haben, so zelebriert diese. Denkt an all die schönen Stunden, die sie euch bereitet haben und seid dankbar, weil diese fiktiven Persönlichkeiten euer Leben auf eine Weise bereichern, wie andere Menschen es niemals könnten, weil sie einzig in euren Herzen existieren.

Und falls ihr mal auf einen Typen trefft, von dem ihr überzeugt seid, dass Akkarin genau so sein muss, schickt ihn bitte zu mir, damit ich mit ihm ihn den nächsten “Schurkenstaat” durchbrennen kann!

* bitte nicht mit der Inneren Göttin verwechseln. Die habe ich nach zwei Büchern “50 Shades of Grey” gefesselt und geknebelt in ein finsteres Verlies gesperrt, weil sie einfach nur peinlich ist.

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