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Seit dem letzten Kapitel von ’Die zwei Könige’ habe ich so viele polarisierende Meinungen zu einem gewissen Baby erhalten, dass ich die ganzen Diskussionen darüber gerade so ein bisschen leid bin. Ich habe im Laufe meiner Trilogie häufig mit Unverständnis und Kritik gerechnet und war überrascht, wenn keine kam, wie etwa bei den folgenden Themen:

  • Die Entscheidung des Königs, die Diebe als Stadtwache der Hüttenviertel einzusetzen
  • Die D/s-Beziehung von Sonea und Akkarin (jene Leser verschwinden jedoch meistens schnell, weil ihnen Akkarin nicht weichgespült genug ist)
  • Soneas Entführung durch Marika
  • Dass die Gilde Akkarin schließlich wieder zum Hohen Lord wählt

Dass es jedoch ausgerechnet bei einer Sache passiert, der ich in dieser Hinsicht nur wenig Bedeutung beimesse, hat mich ziemlich von den Socken gehauen. Es hat mich schockiert, dass ein Baby das auslösen kann und in mir die Frage aufgeworfen, ob ich mit dieser Entwicklung etwas Grundsätzliches falsch gemacht habe. Während ich Babies in Geschichten und Serien häufig als störend empfinde, wenn um sie viel übertriebenes Drama gemacht wird und sie den Hauptcharakteren die Show stehlen, ging ich davon aus, dass dieses eine Baby bei der überwiegend weiblichen Leserschaft auf Begeisterung stoßen würde. Denn ich dachte immer ganz naiv, dass jeder Babies liebt.

(Ich habe es übrigens nicht in die Geschichte gebracht, um Leser damit zu erfreuen oder zu verärgern, sondern weil ich den Zeitpunkt als passend empfand. Aber dazu weiter unten im Text mehr.)

In den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie sehr ich mich damit geirrt habe. Dieses Baby scheint nach nur zwei Kapiteln ’Yukai’ mehr zu polarisieren, als Marika im gesamten ersten Drittel von ’Die zwei Könige’. Bei Marika war es immerhin Absicht, während das Baby klein und unschuldig ist. Aber es polarisiert. Die einen finden Babies in Geschichten nervig und fürchten, dass es zu viel Handlung an sich reißt – ein Punkt, an dem ich wieder einmal damit hadere, wie weit Vertrauen in mich besteht, dass ich mit dem Geist des Originals kein Schindluder betreibe*. Die anderen hätten gerne mehr Baby – am besten noch inklusive Soneas Schwangerschaft, die Geburt und andere herzerweichende Szenen.

Bis jetzt musste ich nur einmal für eine Entwicklung so viel Kritik einstecken: Bei Akkarins Verhalten nach Soneas Befreiung in ’Die zwei Könige’. Im Nachhinein finde ich, dass ich dazu auch etwas hätte schreiben sollen, weil ich mir deswegen damals in den Reviewantworten regelrecht die Finger wundgeschrieben habe. Denn da kamen einige Dinge zurück, die ich ziemlich heftig fand und ebenfalls die Frage aufgeworfen haben, wie viel Vertrauen mir entgegengebracht wird, dass ich Akkarins Charakter nicht verhunze*.

Diesen Stress möchte ich mir dieses Mal ersparen. Denn im Gegensatz zu jener Sache, die sich nach einer Weile in Wohlgefallen aufgelöst hat, wird das Baby nicht mehr verschwinden.

Obwohl ich es bei meinen Geschichten nur mir selbst rechtmache, damit ich damit zufrieden sein kann, und weil alles andere Verrat am mir selbst und meiner ’Mission’ wäre (zumal es unmöglich wäre, es allen Lesern rechtzumachen), habe ich seit Wochen das Gefühl, dass ich mich für dieses Baby rechtfertigen müsste. Für seine Existenz, für seinen Namen und dafür, dass ich seinen Werdegang mit einem Zeitsprung von fast anderthalb Jahren mal so eben übergangen habe.

Ich verstehe, dass das Baby gewöhnungsbedürftig ist. Während ich seit Jahren davon weiß, hatten die Leser ganze zwei Monate, um sich damit anzufreunden. Trotzdem bin ich bestürzt, weil etwas, das von so vielen Menschen als niedlich empfunden wird, für so viel Aufruhr sorgt.

Inzwischen bereue ich beinahe, dass ich das Baby überhaupt in die Geschichte gebracht habe. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Entwicklung derart zerrissen würde. Allerdings ist es längst du spät, etwas daran zu ändern.

Und damit ich das alles nicht in noch mehr Mails und Reviews schreiben muss, will ich das hier tun und alle weiteren Kommentare auf diesen Artikel verweisen, damit ich mit diesem Thema für mich abschließen kann.

Warum das Baby überhaupt existiert

Das Baby ist da, weil nicht immer alles im Leben rundläuft. Nicht einmal für meine beiden Helden. Ich gestehe, in dieser Hinsicht ein heuchlerisches Stück zu sein, weil ich das Baby am Ende von ’The High Lord’ verteufele, da ich der Meinung bin, Akkarin hätte in der Wasserfallszene nicht charakterkonform gehandelt, während es in ’Die zwei Könige’ aus ähnlichen Gründen existiert. Für mich sind es jedoch zwei unterschiedliche Situationen:

In der Wasserfallszene haben Sonea und Akkarin zum ersten Mal Sex, Sonea zum allerersten Mal überhaupt. Für Akkarin ist es das erste Mal seit langer, langer Zeit. Für gewöhnlich ist man da nervös und denkt daran, was alles schiefgehen kann, was Gedanken an Verhütung mit einschließt. Insbesondere jemand, der so verantwortungsbewusst und ehrenhaft ist wie Akkarin, sollte dieses Thema nicht ignorieren, wenn er schon damit hadert, eine Beziehung mit Sonea einzugehen. Canavans Erklärung am Ende des Buches finde ich hingegen an den Haaren herbeigezogen.

In ’Die zwei Könige’ geht in einer ähnlichen Szene das Verlangen mit Sonea und Akkarin durch, als sie nach langer Trennung endlich wieder zueinanderfinden. Keiner von beiden denkt über Verhütung nach. Sonea ist inzwischen daran gewöhnt, statt ihrer Magie es mit einem Trank zu tun, Akkarin ist noch aus ihrer Beziehung daran gewöhnt, dass Sonea diesen Teil übernimmt. Bei Akkarin kommt auch noch ein guter Teil ’dunkle Seite’ dazu, der ein Jahr zuvor aus diversen Gründen nicht relevant war. Sonea ergeht es nicht viel anders, weil sie von dem Bedürfnis angetrieben wird, ihm gehören zu wollen und Marika aus ihrem Kopf zu vertreiben.

Das Baby kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Sonea studiert noch und hat gerade ein sehr traumatisches halbes Jahr hinter sich. Es trägt zwar dazu bei, den Blick nach vorne zu richten und Abstand zu Sachaka zu bekommen, doch die Verarbeitung ist damit nur aufgeschoben. Zudem kann man davon ausgehen, dass die Magier hinter ihrem Rücken darüber spekulieren, ob das Baby wirklich von Akkarin ist – zumindest solange, bis es geboren ist und man die Ähnlichkeit sehen kann. Allerdings würde es niemand wagen, das vor ihr oder Akkarin auszusprechen.

Jetzt, wo das Baby da ist, ist es eben da. Es ist Teil von Soneas und Akkarins Leben, aber es hat keinen Mehrwert für die Geschichte außer der einen oder anderen amüsanten Szene. Aus erzähltechnischer Sicht hat es hier eine ähnliche Funktion wie Yakari. In ’Yukai’ ist es damit nur schmückendes Beiwerk und schmückendes Beiwerk soll dazu dienen, die Geschichte lebendiger zu machen, ohne zu viel Raum in ihr einzunehmen.

Der Zeitsprung

In den fast anderthalb Jahren, die seit ’Die zwei Könige’ vergangen sind, ist nichts passiert, was für die Rahmenhandlung, der Krieg mit Sachaka und seine Irrungen und Wirrungen, von Bedeutung wäre. Diese Dinge lassen sich in ein paar Absätzen zusammenfassen und betreffen hauptsächlich die Sachakaner und die Verräter, welche den Kampf für die Gilde übernommen habe, während diese wieder weitgehend ihrem beschaulichen Alltag nachgeht.

Über diese Zeitspanne zu schreiben, würde zahlreiche Füllkapitel mit den Originalcharakteren bedeuten, während die Action von meinen OCs in Sachaka bestritten wird. Das ist erzähltechnisch betrachtet höchst unschön. Als Leser wäre ich von einer Geschichte, in der meine Lieblingscharaktere sich ein schönes Leben machen und Seifenoper spielen, während die Action bei neu eingeführten Charakteren passiert – egal, ob ich diese mag oder nicht – bitter enttäuscht. Und daher möchte ich das auch nicht schreiben. Ich kann das nicht einmal schreiben, weil ich mir seichte Szenen aus den Fingern saugen muss.

Der Zeitsprung war somit nötig, um zu verhindern, dass meine Fortsetzung in Richtung einer Seifenoper abdriftet. Darunter fallen auch sämtliche rührselige Szenen und kleinen Dramen im Zusammenhang mit Soneas Schwangerschaft, der Geburt und der darauffolgenden Zeit.

Kleine Dramen im Leben der Figuren sind für mich akzeptabel und ein liebgewonnenes Stilmittel, sofern sie nur zur Bereicherung dienen. Sind sie zu dazu da, um einen erzähltechnischen Hohlraum zu füllen, sind sie hingegen fehl am Platze. Und in der logischen Entwicklung der Handlung ist es nun einmal so, dass die Gilde durch ihr Bündnis mit den Verrätern die Gelegenheit erhält, sich zurückzuziehen und wieder zu erstarken.

Der Zeitsprung hat noch einen weiteren Grund: Jene Figuren, die während der ersten beiden Bände noch Novizen waren, haben nun ihren Abschluss und übernehmen Funktionen, mit denen sie auf andere und aktivere Weise an der Handlung teilnehmen können. Damit erhält die Geschichte ein paar neue Impulse, von denen die Haupthandlung profitiert. Außerdem war ich es leid, über Regin, Trassia und Sonea als Novizen zu schreiben. Das waren sie nun vier Bände lang und damit ist es dann auch mal gut.

Die Wahl des Namens

Irgendwie komme ich mir auch bei diesem Thema etwas heuchlerisch vor. Ich mag es nicht, wenn Charaktere ihre Kinder nach anderen, gestorbenen Charakteren benennen. Es erweckt für mich den Eindruck, dass dieser Charakter durch das Kind weiterleben soll. Beim Ende von ’Harry Potter’ hat mich das massiv gestört.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich in diesem Fall keinen passenderen Namen hätte finden können. Er würdigt die Freundschaft von Akkarin und Lorlen, wodurch eine gefühlte Bindung zu dem Baby geschaffen wird, die mir persönlich fehlen würde, hätte ich mir einen Namen ausgedacht. Zugleich denke ich jedoch nicht, dass der Name Erwartungen auslöst, die nicht gehalten werden können, da seit Lorlens Tod zwei Jahre Erzählzeit und fast 2000k Wörter vergangen sind. Als Kind von Akkarin und Sonea werden bereits von Seiten der Gilde utopische Erwartungen an das Baby gestellt und zumindest seine Eltern sind rational genug, um aus ihm keinen zweiten Lorlen zu machen.

Bei den Eltern kann man eigentlich erwarten, dass das Kind so sehr nach ihnen schlägt, dass da gar kein Platz für Assoziationen mit seinem Namensgeber ist.

Lorlen wird mit seinem Namen eine einsame Ausnahme bleiben. Die Namen aller anderen Kinder, die noch in meiner Fortsetzung der schwarzen Magier geboren werden, werde ich mir frei ausdenken.

Konflikte mit dem Genre

Ich siedele meine Fortsetzung irgendwo bei epischer Fantasy an. Die Charaktere und ihre Einzelschicksale sind nur ein Teil des Ganzen und macht die Geschichte reicher, doch der Schwerpunkt liegt auf der großen Rahmenhandlung – dem Konflikt mit Sachaka. Es geht um Politik, Krieg, Intrigen und Abenteuer, wobei die Figuren nicht selten große Entbehrungen auf sich nehmen und Opfer bringen müssen.

Es ist keine Geschichte, in der es um Pairings geht, auch wenn diese natürlicherweise existieren. Die Beziehung des Hauptpairs nimmt nur deswegen etwas mehr Raum ein, weil sie unmittelbar mit ihrer Entwicklung und ihrer Fähigkeit zusammenzuarbeiten und zu agieren und die Handlung zu beeinflussen verknüpft ist.

Hätte ich keinen Zeitsprung gemacht, so wären mir zwei Möglichkeiten geblieben, über die Zeit von Soneas Schwangerschaft zu schreiben:

Während die Kämpfe in Sachaka stattfinden, zahlreiche rührselige Füllszenen schreiben, in denen es um Schwangerschaft, Geburt etc. geht und alle sich liebhaben, weil sich je niemand traut, gegenüber den schwarzen Magiern zu behaupten, dass das Kind nicht von Akkarin ist.

Auf überzogenes Drama setzen, damit die Handlung wieder augewogen ist: Die Sachakaner erfahren von dem Kind, halten es für den Thronfolger und entführen Sonea. Wie sie davon erfahren und wie es ihnen gelingt, nach Imardin zu kommen, wenn die Verräter sie davon abhalten und die Grenze gesichert ist, sei mal dahingestellt. Zusätzlich könnte Sonea noch mit bösen Gerüchten zu kämpfen haben. Nach der Geburt wird dann das Baby entführt, es gibt einen Sorgerechtsstreit, das Baby wird erneut entführt und zu bösen Zwecken missbraucht, entwickelt magische Superkräfte etc.

Während das erste einer Seifenoper gleichkommt, erinnert mich das zweite an eine Serie, die auf Drama setzt, bis es unrealistisch wird. Vielleicht wird man da in anderen Fanfictions fündig. Meinem Stil und meinem Story-Konzept entspricht das jedoch nicht.

Die Idee mit der Novelle

Tatsächlich habe ich, als ich vor drei Jahren anfing ’Yukai’ zu schreiben, überlegt, jene Zeit als Novelle rein aus Soneas Sicht zu schreiben. Damit könnte ich diesen Teil thematisch von der Trilogie absetzen. Allerdings fällt es mir, wie weiter oben erwähnt, schwer, rührselige Geschichten zu schreiben, in denen sonst ’nichts’ passiert, weil ich mir Filler aus den Fingern saugen muss. Dazu kommt, dass ich nicht glaube, dieses Thema authentisch umsetzen zu können, weil mir Erfahrungswerte fehlen, wo ich mich bei den meisten anderen Themen auf Situationen und Gefühle berufen kann, die ich mit etwas aus meinem eigenen Erfahrungsschatz assoziieren kann.

Daher kann ich nicht versprechen, dass eine solche Geschichte jemals geschrieben wird.

Meine generelle Einstellung zu Kindern in Geschichten

Ich bin kein Fan davon, wenn die Kinder von geliebten Charakteren plötzlich da sind und so viel Raum in der Handlung bekommen, dass die eigentliche Handlung darunter leidet, und man darüber anfängt, seine Lieblinge zu vermissen. Noch mag ich es, wenn um diese Kinder Drama gemacht wird (siehe Baby wird für böse Zwecke entführt, entwickelt Superkräfte etc). In dieser Hinsicht bin ich sowohl in Büchern als auch in Fernsehserien zu oft enttäuscht worden.

Und deswegen wird das bei mir nicht passieren. Lorlen wird in der zweiten Trilogie seinen Platz erhalten, doch diese Entwicklung wird nicht aus heiterem Himmel fallen. Als Erzählcharakter ist er nur für den allerletzten Band eingeplant, wo er einen anderen Charakter ablösen wird, der das Zeitliche segnet. Allerdings ist er dann auch schon so gut wie erwachsen und wird weder Akkarin und Sonea noch die anderen Charaktere aus der Geschichte verdrängen.

Denn dazu mag ich meine Lieblinge viel zu sehr.

Diese ganze Diskussion hat mich zu der Frage gebracht, ob es eine so gute Idee war, das Baby in die Geschichte zu bringen, weil ich mich damit auf ein Gebiet begebe, von dem ich schlichtweg keine Ahnung habe. Allerdings war ich mich schon darüber im Klaren, dass es dieses Baby geben wird, als ich 2010 die ersten Ideen für die 2. Trilogie hatte. Vielleicht hätte ich mit genug Nachdenken eine Alternative gefunden, doch für mich war immer klar, dass Sonea und Akkarin eines Tages Kinder bekommen werden. Allerdings habe ich damals nicht daran gedacht, meine Geschichten einmal zu veröffentlichen. Und selbst dann wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ein Baby mir so viel Stress bereiten könnte.

Um jetzt noch etwas daran zu ändern, ist es jedoch zu spät. Von daher muss ich wohl mit den Konsequenzen und der Kritik an meiner Entscheidung leben.

* Irgendwie stelle ich mir diese Frage immer häufiger, je mehr Kapitel online sind, obwohl diese ein Garant dafür sein sollten, dass ich dem Geist der Bücher und meinem bisherigen Stil treu bleibe. Und es stürzt mich immer wieder in Selbstzweifel.

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