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Eigentlich sollte es in diesem Artikel um einen Artikel des Autors Sven Hensel gehen, den ich heute Morgen gelesen habe und der mich sehr nachdenklich gestimmt hat. In jenem Artikel geht es um Neid unter Autoren, wo dessen Ursachen liegen und wie man damit umgehen kann.

Dieser Artikel löste eine ganze Kettenreaktion unerwünschte Emotionen aus, angefangen von der Erkenntnis, dass ich gegenüber anderen Autoren in meinem Fandom einen unausgesprochenen Neid empfinde, über das Begreifen, dass dieser aus Ängsten und Selbstzweifeln resultiert, was schließlich in dem unbändigen Bedürfnis endete, alles hinzuschmeißen, weil es ohnehin keinen Zweck hat.

Und dabei ging mir auf, dass es nicht mit der Zeit besser wird, weil ich abhärte und mit Niederlagen und Reviewflauten umzugehen lerne. Im Gegenteil. Es wird schlimmer. Weil ich mit jedem Mal sensibler werde, bis meine Ängste und Zweifel mich zu ersticken drohen.

Ich höre schon wieder diejenigen, die mir sagen, dass ich doch überhaupt keinen Grund habe, neidisch zu sein, weil meine Geschichten doch so viel besser wären, als die durchschnittliche Fanfiction. Aber zählt das in diesem Genre? Ist in einem Genre, in dem die meisten Leser Fanfictions lesen wollen, überhaupt Platz für Geschichten wie meine?

Oft habe ich das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen. Ich habe das Gefühl, dass ich mir noch so den Arsch aufreißen kann, um gute in-canon Geschichten abzuliefern – Geschichten, die den Geist des Originals leben – und kann damit weder den typischen Fanfiction-Leser noch die nicht-Fanfiction-Leser erreichen. Weil meine Geschichten weder klassische Fanfictions noch echte Bücher sind. Von einhundert potentiellen Lesern (= Fans des Originals) kann ich gefühlt einen für meine Geschichten begeistern. Die anderen lesen vermutlich lieber klassische Fanfictions oder echte Bücher. 1/100 mag für andere nach Erfolg klingen. Für mich schmeckt es nach Versagen.

So fühlt es sich zumindest an.

Auch fühlt es sich an, als müsste ich darum kämpfen, die Leser zu halten. Ich bemühe mich, regelmäßige Updates über meinen Schreibprozess auf Twitter, FB und meinem Blog zu posten, veröffentliche Leseproben und kleine Textausschnitte. Ich antworte freudig auf Reviews und Mails, habe es ohne einleitendes Blabla vor einem neuen Kapitel versucht, sowie mit einleitendem Blabla und Danksagungen an die Reviewschreiber. Ich habe es ohne Fragen am Ende der Kapitel versucht, mit Fragen und sogar mit dem wiederholten Hinweis, dass diese optional sind, weil ich den Eindruck hatte, dass sie auf einige Leser eher verunsichernd wirken,

Vielleicht bin ich zu ungeduldig, aber seit dem Ende von ’Die zwei Könige’ ist das Interesse an meiner alternativen Fortsetzung bemerkenswert rückläufig. Bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ ist es ähnlich. In den vergangenen beiden Monaten war ich wiederholt kurz davor, die Geschichte ein drittes Mal abzubrechen und habe mich dann (obwohl es mich zu viel meiner Kraft kostet) dazu entschieden, die Geschichte noch zu Ende zu bringen und anschließend zu pausieren.

Im Augenblick fällt es mir schwer, diese Kraft weiterhin aufzubringen. Wenn ich bei einer der fraglichen Geschichten ein Review pro Kapitel bekomme, kann ich mich schon glücklich schätzen. Ich weiß, dass andere Autoren froh wären, überhaupt einmal ein Review zu bekommen, aber ich weiß, dass es bei mir einmal anders war.

Ich kann es nicht als vorübergehende Reviewflaute abhaken, auch wenn ich das gerne würde. Es wirft in mir die Frage auf, ob die Geschichten überhaupt noch etwas taugen. Es verursacht Angst.

Die Angst, hinter vorgehaltener Hand für meine Geschichten ausgelacht zu werden.

Die Angst, nicht zu genügen.

Und die Angst, versagt zu haben.

Im Hinblick auf ’Schwärzer als die Nacht’ bereitet mir das jetzt schon Bauchschmerzen. Und doch habe ich den Start auf nächsten Januar angesetzt, weil mir die Geschichte wichtig genug ist, um ihr diese Chance zu geben. Als wenn es mich der aktuelle Verlauf von ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ nicht schon genug plagen würde, frage ich mich zugleich, ob die dreimonatige Pause bis zur Fortsetzung eine so gute Idee ist. Was, wenn sie mich auch den Rest der Leser kostet, die noch still mitlesen? Was, wenn in dieser Zeit eine andere Geschichte gepostet wird, die diese in den Schatten steht? Was, wenn eine lange vernachlässigte, aber einst beliebte Geschichte wieder aufgegriffen wird? Was, wenn meine Geschichten sich allmählich ausgelutscht haben?

Ihr seht es vermutlich schon: Neid, Zweifel und Ängste lassen wieder grüßen.

Mit ’Yukai’ ist es ähnlich. Hier frage ich mich, ob der 3. Teil die Erwartungen der Leser überhaupt noch halten kann, nachdem ’Die zwei Könige’ so voll mit Drama war. Meine Testleser, obwohl ich ihrem Urteil absolut vertraue, können dabei auch nur bedingt Abhilfe verschaffen. Sie können mich darin bestärken, dass ich mir keinen Schrott zusammengeschrieben habe. Aber sie können nicht verhindern, dass ich mich vor dem Rest entblößt fühle. Als würde ich nackt vor eine Menschenmenge stellen und alle würden mich nur anstarren oder hinter vorgehaltener Hand tuscheln.

Die Angst, Leser zu verlieren ist immer präsent. So wie die Angst vor Kritik, die Angst nicht wahrgenommen zu werden und die Angst zerrissen zu werden. Bei jeder neuen Geschichte. Bei jeder Reviewflaute

Meine Zielgruppe ist sehr klein, obwohl ich mich durch Social Media bemühe, sowohl die typischen Fanfiction-Leser, als auch nicht Nicht-Fanfiction-Leser zu erreichen. Aber das ist häufig eher mit Frust als mit Spaß verbunden. Und mit der Angst, den Leuten auf die Nerven zu gehen.

Und damit beißt sich die Katze in den Schwanz. Und damit kommt der Neid. Egal, ob die anderen wirklich beliebter und erfolgreicher sind oder bessere Geschichten schreiben, sie werden als potentielle Bedrohung angesehen, was bei genauerem Betrachten idiotisch ist. Sven hat das in seinem Artikel sehr schön beschrieben und ich kann es aus meiner Erfahrung nur unterschreiben.

Manchmal droht dieser Kampf mich aufzufressen. Ich versuche, Content zu posten, freudig und ausführlich auf Mails und Reviews zu antworten und die Leser auf dem Laufenden zu halten. Aber wenn ich mir ansehe, wie es gerade wieder einmal bei meinen aktuellen Geschichten läuft, möchte ich mich lieber tröstend unter der Dusche umarmen, als mich weiterhin fröhlich zu geben. Und dann möchte ich am liebsten alles hinschmeißen und nur noch für mich schreiben. Wissend, dass mich das auf Dauer auch nicht glücklich machen würde, weil das Bedürfnis zu teilen, was mich bewegt und erfüllt zu groß ist.

Wenn es mir so geht wie heute, dann glaube ich, dass es ein Fehler war, meine Geschichten zu veröffentlichen. Es wirft die Frage auf, ob ich für diesen ’Job’ überhaupt geeignet bin. So glücklich es mich macht, wenn ich andere glücklich machen kann, so häufig frisst es mich auf, macht mich verletzlich und stürzt mich in Selbstzweifel, die ich nicht hatte, als ich meine einzige Leserin war.

Vielleicht hätte ich es einfach lassen sollen. Ich wusste schon, als ich erstmals mit dem Gedanken spielte, meine Geschichten zu veröffentlichen, dass ich dem nicht gewachsen bin. Dass ich zu sensibel bin. Dass ich vielleicht daran kaputtgehe. Ich habe es trotzdem getan. Und jetzt stecke ich zu tief drin, als dass ich unbeschadet wieder aus der Sache rauskomme. Ich könnte mein Profil auf FF.de löschen, den Blog einstampfen und meine Social Media Profile löschen. Aber damit würde ich mir mindestens ebenso weh tun, als wenn ich es bis zum bitteren Ende durchziehe.

Diesen Schritt würde ich nur tun, wenn Weitermachen meiner Gesundheit zu massiv schaden würde. Ich hoffe zu sehr darauf, dass es eines Tages besser wird oder dass ich irgendwann endlich daran wachse. Für den Augenblick geht es mir damit jedoch schlecht und ich versuche nach dem Motto „The Show Must Go On“ weiterzumachen.

Was bleibt also?

Ich weiß, woher mein Neid kommt. Ich weiß, woher die Selbstzweifel kommen. Aber das löst das Problem für mich nicht. Ich kann mir noch so sehr vor Augen führen, was ich mit meinen Geschichten alles schon erreicht habe, mir ins Gedächtnis rufen, dass ich auf die Meinung und Kompetenz meiner Testleser vertrauen kann – es wird nicht gegen die Angst helfen, nicht wahrgenommen zu werden, nicht zu genügen und dass meine Geschichten nicht taugen, um die vielen Fans der Bücher zu erreichen. Es wird das Gefühl bleiben, mich auf unangenehme Weise zu entblößen, weil ich mit meinem Geschichten sehr Persönliches von mir preisgebe und mein Innerstes nach außen kehre.

Vielen Dank fürs Lesen.

PS: Falls jemand den ultimativen Tipp hat, wie man als hochsensibler Autor mit solchen Dingen umgehen kann, nur her damit. Was das betrifft, bin ich mit meinem Latein allmählich am Ende.

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