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Seit ca. zwei Wochen arbeite ich mich als Vorbereitung auf den NaNoWriMo im November wieder in ’Die Königsmörderin’ ein. Zu diesem Thema kommt demnächst auch noch ein ausführlicher Blogartikel, doch momentan treibt mich dabei vor allem ein bestimmtes Thema um, das mich regelmäßig in die höchsten Höhen des Fangirlhimmels katapultiert.

Ihr könnt es euch vielleicht schon denken, es geht um niemand anderen als um Akkarin.

Oder besser gesagt: Akkarin und seine ’dunkle Seite’, wie er sich immer so schön ausdrückt.

Denn o-mein-Gott ehrlich, das war eine meiner besten Eingebungen, die ich bei diesem Charakter jemals hatte. Weil sie ihn auf eine Weise komplettiert, die die Bücher nur erahnen lassen.

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt: Ihr lest eine Fanfiction und schüttelt den Kopf, weil euer Lieblingscharakter überhaupt nicht so wie im Original ist. Mir ergeht es manchmal so, wenn ich ein Projekt nach längerer Zeit wiederaufnehme, oder während der Überarbeitung. Jedes Mal, wenn ich dieses Gefühl habe, wenn der Charakter weder zu seiner Vorlage noch zu dem bisher Geschriebenen passt, weiß ich, dass er an dieser speziellen Stelle aus welchen Gründen auch immer (müde, abgelenkt, nicht richtig im Schreibfluss, Zeitdruck im Word War etc.) ein kleines bisschen ooc geraten ist.

In allem, was ich bis jetzt von meiner zweiten Trilogie geschrieben habe, ist das mit Akkarin jedoch das genaue Gegenteil.

Ich habe das Gefühl, dass er noch perfekter – noch mehr akkarin, als in den Büchern ist.

Es hat noch nie so sehr gepasst, auch nicht in meiner ersten Trilogie, in der ich mit der Entfaltung seines vollen Potentials anfing. Und da war er schon mehr akkarin, als mein Fangirlherz ertragen kann. Aber der Akkarin in ’Die Königsmörderin’ reduziert mich momentan auf ein sabberndes, triebgesteuertes Fangirl, während der letzte Rest meines Verstandes denkt „Habe das wirklich ich geschrieben?“

Das zu lesen und zu begreifen, dass er mehr akkarin denn je ist, war überwältigend.

Es sind vor allem die kleinen Dinge, bei denen man merkt, wie sehr Akkarin akkarin ist. Es sind weniger seine Taten und seine akkarin-mäßigen Auftritte (obwohl die auch wahnsinnig anbetungswürdig sind), als Sprüche, die er völlig unerwartet raushaut.

Hier eine kleine Auswahl:

Kurz vor einem nicht-formalen Dinner mit Rothen:

Ich dachte, ich erspare dir heute die Demütigung, anschließend Rothen in die Augen sehen zu müssen.

oder auch:

Ich könnte noch ganz andere Dinge mit dir austauschen und das nicht einmal in einem Bruchteil der Zeit, die Takan noch braucht, um das Essen zu servieren.

Fragt besser nicht:

„Wir haben keine Räume, die sich dazu zweckentfremden ließen. Außer dem Keller.“

„Nein!“, sagte Sonea scharf. „Einen ungemütlicheren Ort dafür kann es kaum geben!“

Es sind Sätze, bei denen ich nach Luft japsend vor meinem Laptop sitze und hingerissen „Du Schwein!“ oder „Du Arsch!“ denke, während ich mir mehr denn je wünsche, in die Geschichte kriechen zu können und Soneas Platz einzunehmen.

Ihr merkt schon, mir ist nicht mehr zu helfen. Aber das war schon immer so.

Warum Akkarins ’dunkle Seite’ meine beste Eingebung war

In meiner zweiten Trilogie hat Akkarin seine ’dunkle Seite’ endlich akzeptiert. Dadurch hat er zu sich selbst gefunden, wo er seit Sachaka mit sich gehadert hat. So wie man die Veränderung bei sich bemerkt, wenn man zu sich selbst gefunden hat, merkt man sie auch bei anderen. Und das gilt auch für Charaktere. Selbstfindung komplettiert einen Menschen, wobei ich bei Akkarin immer das Gefühl habe, dass dieser Charakter nie für mich fertig wird, weil es – um es mit Max Frisch auszudrücken – unmöglich ist, mir ein Bildnis von ihm zu machen. Nicht, dass ich das wollte. Doch jedes Mal, wenn ich glaube, ihn in seiner Gesamtheit erfasst zu haben, kommen neue Facetten ans Licht.

Und das ist großartig.

In ’Die Königsmörderin’ ist er mehr denn je der Akkarin aus den Büchern, weil dieser Teil seines Wesens von Canavan komplett unter den Tisch gekehrt bzw. nur in seinem Verhalten und in seiner Vergangenheit angedeutet wurde.

Ok, die Bücher sind nun wirklich sehr jugendfrei. Doch ich finde, diesen Teil zu vernachlässigen wird diesem großartigen Charakter nicht gerecht. Akkarin ist so viel mehr. (Und damit natürlich auch mehr als seine ’dunkle Seite’, obwohl es manchmal sehr verführerisch ist, ihn darauf zu reduzieren.)

Das Schreiben der ’Schwarze Sonnen’-Trilogie hat sehr viel dazu beigetragen, dass ich ihn auf diese Weise entwickeln konnte. Seine Geschichte, angefangen von Sachaka, über sein Leben als Hoher Lord und die heimliche Jagd nach den Spionen, seine Verschlossenheit, sein Kontrollzwang, sein kompliziertes Verhältnis zu Lorlen und schließlich das Entdecken seiner Gefühle für seine Novizin und das Zurückwerfen in seine Vergangenheit während seiner und Soneas Verbannung – durch all das habe ich mich mit diesem Charakter auf eine ungeahnte Weise auseinandergesetzt. Denn es ist etwas anderes, das zu lesen und darüber zu philosophieren, als es zu schreiben. Man entdeckt so viel mehr, weil man dazu in seine Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen muss.

Durch seine ’dunkle Seite’ ist Akkarin so heiß geworden, dass er verboten gehört. Obwohl ich immer wusste, dass er diese Seite haben muss (ausführlich beschrieben habe ich das hier), bin ich von der Sogwirkung überrascht, jetzt wo ich endlich darüber schreiben kann, weil er und Sonea entsprechend gereift sind. Für mich fühlt sich das wie eine Offenbarung an. Ich wusste immer, dass dieses Potential in der Beziehung der beiden steckt, aber während des ’Spions’ war es zu früh und danach hatten sie einiges zu bewältigen, bevor sie überhaupt in diese Richtung gelangen konnten.

Und auch Sonea ist nach allem, was sie in ’Die Bürde der schwarzen Magier’ durchlitten hat, endlich wieder die Alte. Sie ist stärker, selbstbewusster, während ihre hingebungsvolle Liebe ungebrochen ist. Und genau das braucht sie, um mit diesem Mann zusammen zu sein. Dadurch entsteht eine wunderbare Dynamik zwischen den beiden, die ich als Machtgefälle mit Augenhöhe und einer ordentlichen Prise Selbstironie und jeder Menge Zuneigung beschreiben würde.

Indem sie beide akzeptiert haben, was sie sind, sind sie sich näher denn je. Es ist nahezu traumhaft, sie zu schreiben, auch wenn es teilweise ziemlich unter die Gürtellinie geht. Dieses Pairing hat ein so unglaubliches Potential, dass es eine Schande ist, dass Canavan Akkarin umgebracht hat, bevor er und Sonea überhaupt auch nur annähernd dazu kamen, dieses Potential zu entfalten.

Allerdings brauchen die beiden auch ihre Reibungspunkte, die sie sehr genießen, wie in diesem Dialog, den sie nachdem Sonea einen feucht-fröhlichen Abend mit alten Freunden verbracht hat, führen:

„Sumi wäre in deiner Situation bekömmlicher.“

Betont langsam hob sie den Kopf und bedachte Akkarin mit einem finsteren Blick. „Ich nehme an, Ihr habt damit Erfahrung, Hoher Lord?“

„Es gab eine Zeit, in der ich weder eine ungehorsame Ehefrau noch rebellische Kinder oder eine widerspenstige Novizin hatte“, sagte er trocken.

„Und es gab eine Zeit, in der ich weder einen unverschämten Ehemann noch einen kontrollierenden und manipulativen Mentor hatte, von denen jeder sich auf meine Kosten amüsiert hat“, gab sie zurück.

Akkarin runzelte missbilligend die Stirn. „Und jetzt hat die ungehorsame Ehefrau einen unverschämten Ehemann, der sie nach dem Frühstück noch einmal zu Bett schickt.“

[…]

In den ersten Kapiteln der ’Königsmörderin’ toben Akkarin und Sonea sich regelreht aus.* Ich gönne ihnen ihre kleine heile Welt, denn die Sadistin in meiner Autorenseele findet nicht nur Mittel und Wege, um ihrem Treiben einen Riegel vorzuschieben, wenn sie davon in den Wahnsinn getrieben wird, sondern schafft ein Szenario, das sie schon bald wieder aus ihrem beschaulich-unanständigen Alltag herausreißt. Denn die zweite Trilogie wird eine ziemlich actionreiche und nicht nur unsere beiden schwarzen Magier, sondern auch die übrigen Charaktere werden erneut vor ziemlich große Herausforderungen gestellt.

Jenseits von all dem Gefangirle: Wie macht man einen perfekten Charakter noch perfekter?

Ein Patentrezept habe ich nicht. Ich schreibe meine Fortsetzung und entwickele Akkarin weiter. Aber ich wühle auch in seiner Vergangenheit – in Sachaka, wo alles anfing, schreibe über sein späteres Leben als Hoher Lord und ich mache mir sogar Gedanken über seine Studienzeit (geplant für den CampNaNoWriMo Juli 2017). Alles, was ich schreibe, bringe ich in einen großen Zusammenhang, dessen Basis seine Vorlage in den Büchern ist. Es muss mit dem, was wir dort erfahren, in Einklang sein. Besonders beim Schreiben der ’Schwarze-Sonnen’-Trilogie hatte ich zahlreiche Aha-Momente, wenn ein weiterer Kreis dabei war, sich zu schließen. Und diese Aha-Momente offenbarten mir wiederum neue Facetten.

Ich kann also nur sagen: Wenn ihr einen Charakter noch perfekter machen wollt, dann müsst ihr ihn in seiner Gesamtheit erfassen. Seine Vergangenheit, seine Zukunft und seine Abgründe etc. etc. sind ebenso ein Teil davon wie das Offensichtliche. Nur mit ihnen ist er vollständig. Gerade wenn er so komplex ist wie Akkarin, dürft ihr vor den weniger schönen Facetten nicht zurückschrecken.

Und dazu müsst ihr schreiben, ihn leben und fühlen. Steckbriefe, Interviews und Rollenspiele, die bei einigen Autoren so beliebt sind, mögen nette Spielereien sein. Aber sie werden euch nur bedingt weiterhelfen, wenn ihr einen Charakter erfahren und mit all euren Sinnen wahrnehmen wollt. Ihr könnt vorher noch so viel planen und euch überlegen, erst im Schreiben werden die Charaktere lebendig und folgen dabei oft ihren eigenen Regeln. Lasst euch von diesen leiten.

Und daher liebe Akkarin-Fangirls, ich kann es gar nicht oft genug sagen:

Setzt euch mit diesem großartigen Charakter in seiner Gesamtheit auseinander. Und damit meine ich nicht nur sein Verhältnis zu Lorlen, das so häufig herhalten muss. Ich meine auch sein Verhältnis zu Takan und zu Sonea. Und seine Vergangenheit. Setzt euch mit Sachaka und den dort gemachten Erfahrungen auseinander und wie diese ihn verändert haben. Gerade Sachaka wird sehr oft unter den Tisch gekehrt oder verharmlost. Dabei ist das der Schlüssel zu allem.

Andere Autoren gehen wahrscheinlich anders vor, wobei ich zumindest eine befreundete Autorin kenne, die es ähnlich macht.

Das waren meine 2 Cents zum #fangirlfriday zu einem Thema, das mich seit zwei Wochen wahnsinnig macht, weil ich aus dem Fangirlen kaum noch herauskomme und wenn doch, dann baut mich das Lesen der ’Königsmörderin’ wieder auf. Übrigens hätte ich an dieser Stelle gerne eine schöne Akkarin-Fanart gepostet. Aber die einzige schöne, die ich habe und die auf einem Cover von ’Schwärzer als die Nacht’ zu sehen ist, zeigt ihn als jungen Hohen Lord. In der ’Königsmörderin’ ist er allerdings bereits Mitte vierzig.

Und jetzt warte ich auf meinen Akkarin, der auf einem schwarzen Pferd angaloppiert kommt, um mich aus diesem Wahnsinn hier zu retten.

* Für die veröffentlichte Version werde ich übrigens einen Teil dieser Szenen zensieren. Denn ich finde, man sollte den beiden ihre Privatsphäre lassen, wo es zu sehr über die Charakterisierung hinausgeht.

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