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Warnung: Dieser Artikel enthält Spoiler für ’Die zwei Könige’

Es wird wieder einmal Zeit, zu Kuchen und Sumi ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Und welcher Tag würde sich dazu besser eignen, als ein kühler Sonntagnachmittag im Herbst?

Daher möchte ich euch beim heutigen Sumikränzchen etwas über meinen Antagonisten König Marika, Sohn des Vareka und Herrscher über Sachaka, meine Motivation, diesen Charakter zu erschaffen und meine persönliche Einstellung zu ihm erzählen.

Und diese ist, wie es wohl in der Natur eines Antagonisten liegt, irgendwo zwischen absoluter Verehrung und tiefer Abneigung. Denn zum einen liebe ich Marika heiß und innig, zum anderen würde ich einem Mann wie ihm im wahren Leben nicht über den Weg laufen wollen. Deswegen habe ich lange überlegt, ob und wie ich diesen Artikel schreiben soll. Denn mein hirnloses Gefangirle hat während des ersten Teils von ’Die zwei Könige’ einige Leser dazu ermuntert, ihn auf eine Weise zu fangirlen, die ich nicht gutheißen kann.

Doch dazu später mehr.

Wie alles anfing …

Das Erste, was ich von Marika wusste, war sein Name. Witzigerweise kam dieser dadurch zustande, dass ich damals im Spätsommer 2009, als meine alternative Fortsetzung fast ausschließlich noch in meinem Kopf existierte, von einem Fußballspieler namens Marica hörte. Dass man diesen mit ’c’ schreibt, erfuhr ich erst später. Doch das spielt keine Rolle, weil es nur mit ’k’ ein sachakanischer Name ist. Als ich den Namen hörte, war mir jedoch sofort klar, dass der König von Sachaka so und nicht anders heißen muss.

Wenige Wochen später machte ich die erste von zwei Dienstreisen nach Chile. Die Landschaft der Atacama-Wüste entsprach meiner Vorstellung der sachakanischen Ödländer und das inspirierte mich schließlich zu der Idee, dass Sonea von Marika entführt wird und Akkarin sie rettet.

Bis ich wirklich aktiv an ’Die zwei Könige’ schrieb, vergingen fast zwei Jahre. Bis dahin war ich mir darüber bewusst geworden, dass es bei einer Kultur wie der sachakanischen nicht ausreicht, dass Sonea entführt wird, Marika ihre Gedanken liest und ihre Magie nimmt. Und wenn Akkarin sie rettet, ist alles wieder gut. Sachaka ist kein Ponyhof – das schwingt beim Lesen von ’The High Lord’ und ’The Magician’s Apprentice’ deutlich mit. Und ich neige nun einmal dazu, das mir gebotene Potential auszuschöpfen.

Und so wurde Sonea nicht nur zu Marikas Bettsklavin ausgebildet, ich machte aus Marika eine Figur, die mehr als nur böse und hassenswert ist. Marika sollte es meiner Heldin nach Möglichkeit schwermachen, nicht in eine emotionale Abhängigkeit zu rutschen. Und wie macht man das am besten? Man erschafft die böse, impulsive Version von Akkarin – sprich, einen sachakanischen Akkarin.

Ihr ahnt vielleicht schon, was das mit einem Akkarin-Fangirl macht, dem nicht mehr zu helfen ist …

Natürlich ist Marika nicht einfach nur ein invertierter Akkarin, auch wenn es viele Parallelen gibt. Durch das Lesen von Game Of Thrones aus der Feder des Meisters des Charakterfolterns fing ich an, Marika mit Khal Drogo zu assoziieren, was beim Schreiben in seine Figur eingeflossen ist. Wobei Khal Drogo nicht böse ist und sich gegenüber Daenerys nicht schlecht, sondern für einen Dothraki sogar überaus zuvorkommend verhält. Aber dieses wilde, barbarische, unbeherrschte fand ich bei beiden Figuren. Und ich kann nicht verleugnen, dass es gewisse niedere Urinstinkte bei mir anspricht.

Zu einem kleinen Teil ist Marika übrigens auch von Monsieur inspiriert. Denn Monsieur vereint einige Seiten in sich, die ich als nicht-böse Eigenschaften eines guten Antagonisten erachte. Das bezieht sich hauptsächlich auf Marikas Sprüche und seinen Humor. Und es hat ein klein wenig mit Yakari zu tun. Allerdings bin ich seit James Bond und Dr. Evil überzeugt, dass ein Fiesling eine Katze braucht, wobei das Tier das böse Potential des Antagonisten reduziert, indem es ihm Sympathie verleiht.

Oded Fehr, mein bevorzugter Marika-Fancast, hier als Zankou in der Serie Charmed zu sehen.

Ich schuf mir also einen Antagonisten mit all den Eigenschaften, die es für mich braucht, dass ich ihn zugleich liebe und hasse. Ein Antagonist, der grausam und unberechenbar ist, der aber zugleich gute und menschliche Seiten hat. Denn Marika ist nicht durchweg böse. Er stammt aus einer anderen Kultur, hat andere Werte und dadurch ein entsprechendes Frauenbild. Er und Sonea stehen auf entgegengesetzten Seiten, so dass für sie nichts Gutes aus dieser Begegnung entstehen kann. Er steht für alles, was sie verachtet und er nimmt ihr alles, was ihr lieb und teuer ist. Auch wenn sie ihm später einige menschliche Seiten zugesteht, vergisst sie darüber nicht, wozu er fähig ist.

Für Sachaka ist Marika ein guter König. Für einen Magier behandelt er seine Sklaven streng, aber niemals unfair. Tatsächlichen ergeht es ihnen sogar sehr viel besser, als die Sklaven der Ashaki. Von den Ichani ganz zu schweigen. Sein engster Vertrauter ist ein Sklavenjunge, mit dem er aufgewachsen ist und inzwischen hat er ihn zum höheren Magier und persönlichen Leibwächter ausgebildet. Marika bringt ihm so wie seiner ersten Sklavin Ienara großen Respekt entgegen. Nicht wenige Frauen in Sachaka träumen davon, seiner Cachira anzugehören, es ist für sie weder Strafe noch Missbrauch, sondern ein Privileg – ein Punkt, der die Gefahr birgt, sein Verhältnis zu Sonea zu verharmlosen.

Nicht zuletzt war es mir wichtig, dass Marika, um es sowohl den Lesern als auch meiner Heldin möglichst schwerzumachen, eines ist:

Attraktiv.

Die Schattenseiten eines attraktiven Antagonisten

Als ich Marika schuf, ging es mir in erster Linie darum, Sonea das Leben möglichst schwerzumachen. Im Hinterkopf hatte ich zugleich die Idee, dass die Leser ihn lieben und verzweifeln sollen. Oder meinetwegen auch hassen. Allerdings war ich während der intensiven Schreibphase von ’Die zwei Könige’ 2011/2012 noch weit davon entfernt, meine Geschichten zu veröffentlichen. Ich wusste nicht einmal, ob ich dazu jeweils den Mut aufbringe.

Im Spätsommer 2014 war es dann endlich soweit und ’Die zwei Könige’ ging online. Ich war überzeugt, mit Marika alles richtig gemacht zu haben. Es gab Leser, die ihn liebten und solche, die ihn hassten. Aber es gab auch Leser, die vor lauter Fangirlen nicht begriffen, dass Marika ihre Heldin vergewaltigt und emotional von sich abhängig macht. Stattdessen wünschten sie sich eine Romanze zwischen den beiden. Das hat mich schockiert und mich an meiner Umsetzung zweifeln lassen. Bis ich irgendwann begriff, dass ich noch so sensibel schreiben kann – irgendjemand wird es immer falsch verstehen wollen.

Obwohl – oder besser gesagt weil Sonea immer mehr in eine emotionale Abhängigkeit zu ihrem Meister gerät, gelingt es diesem, ihre devoten Vorlieben zu fördern. Aber sie würde nicht so auf ihn reagieren, wenn sie die freie Wahl hätte. Sie arrangiert sich mit ihrer Situation, nutzt sie sogar, um ihm Zugeständnisse abzupressen, aber all dies bereitet ihr in den folgenden Jahren erhebliche Schwierigkeiten. Marika ist nicht Akkarin. Sie liebt ihn nicht und sie vertraut ihm nicht und er tut ihr unverzeihliche Dinge an.

Denn Marika interessiert sich nicht für die Grenzen anderer. Das ssc-Prinzip hat für ihn keine Gültigkeit, sofern es ihm nicht zu seinem eigenen Vorteil gereicht. Er will, dass seine Sklavinnen Spaß im Bett haben, aber nur, damit er Spaß im Bett haben kann. Und darin ist er auf eine weitere Art und Weise das Gegenstück von Akkarin.

Für eine Frau, die keine sachakanische Sklavin ist, die kein Privileg darin sieht, ihm zu dienen und die mit diesem Mann partout nicht ins Bett will, ist das eine traumatische Erfahrung. Da kann er noch so heiß und attraktiv sein und seine Sklaven fair behandeln. Es ist schlichtweg Missbrauch. Allerdings kann es auch für eine Frau, die unbedingt zu seiner Cachira gehören will, eine Ernüchterung sein, wenn er sie für einen Fehler bestraft, oder Dinge mit ihr tut, die für sie ein persönliches No-Go ist. (Und das werden selbst ausgebildete Bettsklavinnen haben, auch wenn sie gelernt haben, das nicht zu zeigen) Denn nur, weil Marika seine Sklavinnen passend zu seinen Vorlieben auswählt und diese ihn begehren, bedeutet das nicht, dass ihnen alles gefällt, was er tut. Oder besser gesagt: dass es immer einvernehmlich ist.

Und das ist etwas, das man über Marikas Attraktivität als Antagonist leicht vergisst. Er ist Akkarins Gegenspieler (und auch der Gegenspieler der Gilde und der Soneas), aber er ist charismatisch, intelligent und eine impulsive, sachakanische Version von Akkarin, was unter anderem auch durch die Figur des Ivasako verdeutlicht wird. Doch weil von solchen Menschen eine unheimliche Anziehungskraft ausgeht, ist es leicht, über das Schlechte hinwegzusehen.

Dennoch würde ich Marika genau so wieder erschaffen. Er ist genau so, wie er sein soll. Trotzdem sehe ich als in meiner Verantwortung als Autorin, zu Themen wie Missbrauch Stellung zu beziehen und für diese zu sensibilisieren.

Vielleicht wäre das deutlicher geworden, hätte ich einen anderen weiblichen Charakter in diese Situation gebracht. Die meisten würden daran zerbrechen, nur war Sonea schon immer eine starke Persönlichkeit, die zwar leidet, aber am Ende gestärkt aus einer schlimmen Situation wieder herauskommt. Aber es musste Sonea sein. Weil man Paare hin und wieder trennen muss und weil es sie und Akkarin langfristig gesehen einander näherbringt. Weil ich beim Schreiben nicht beschönige. (Und vermutlich auch, weil ich meine Charaktere gerne quäle)

Die RL-Sonea und der böse heiße König

Die RL-Sonea hat, wie schon eingangs erwähnt, eine zwiespältige Einstellung zu ihrem Lieblingsantagonisten. Das Innere Fangirl (stellt es euch vor, wie die Innere Göttin aus 50SoG, nur quietschig statt nervig, oder auch nach Freuds Metapsychologie das Es) findet ihn einfach nur heiß und würde ohne zu zögern ihre Seele dafür verkaufen, zu seiner Cachira zu gehören, wo sie sich dann mit den anderen Sklavinnen bis aufs Blut bekämpft, weil sie keine Konkurrenz duldet. Das heißt, sofern es Marika nicht gelingt, sie so zu erziehen, dass sie sich zurücknimmt.

Aber das sind nur wilde Phantasien ohne Sinn und Verstand. Und der Marika in dieser Phantasie ist stark idealisiert. In meiner Phantasie tut er, natürlicherweise, nur Dinge, die für mich ok wären. (Und wahrscheinlich ist das bei anderen Marika-Fangirls ebenso) Wenn ich mir jedoch vor Augen führe, dass er theoretisch auch alles andere tun könnte und es ihm scheißegal wäre, ob ich das will – denn das würde er – ist er nicht mehr so heiß.

Der Marika aus ’Die zwei Könige’ wäre er mir zu unberechenbar und willkürlich. Abgesehen davon würde ich seinen Ansprüchen wohl kaum genügen. Ich kann weder singen, noch tanzen (ich kann nicht einmal Headbangen, weil mir davon schwindelig wird), das Querflötespielen habe ich inzwischen auch verlernt und ich verliere bei Gesellschaftsspielen immer hoffnungslos.

Das Über-Ich der RL-Sonea sieht die ganze Sache etwas differenzierter. Marika ist ein Antagonist, wie ich ihn vielleicht niemals wieder erschaffen werde. Zumindest sehe ich nicht, wie ich das noch toppen könnte. Denn er fasziniert mich als Figur in seiner Gesamtheit und ich bin wahnsinnig stolz auf das, was ich mit ihm geschaffen habe.

Zusammenfassung

Marika vereint alles, was für mich einen guten Antagonisten ausmacht. Er ist intelligent, berechnend, attraktiv, tut aber hin und wieder auch unerwartete und unkonventionelle Dinge. Gegenüber seinen Feinden kennt er weder Skrupel noch Gnade. Ihm ist zwar daran gelegen, dass die Sklavinnen in seinem Bett Freude daran haben, ihm zu dienen, doch ihre Grenzen interessieren ihn nur, sofern sie ihm gelegen kommen, was jedoch seinem kulturellen Hintergrund zu verschulden ist. Allerdings hat er auch Seiten, die ihn menschlich machen.

Für mich vereint er alles, was einen perfekten Antagonisten ausmacht, weswegen ich ihn als Figur liebe und verehre. Und ich mag ihn ganz gewiss lieber, als Dakova, der so krank und grausam ist, dass es mir oft nur vor mir und ihm gruselt.

In Sachen Partnerwahl würde ich mich von Typen wie Marika, so heiß sie auch sein mögen, instinktiv fernhalten. Er taugt allenfalls für ein kurzfristiges Abenteuer, sofern man auf Risiko ohne Absicherung steht. Das mit Akkarin hingegen ist ewige Liebe. Das merke ich immer wieder, wenn ich meine Geschichten lese. Nach den ersten 21 Kapiteln von ’Die zwei Könige’ habe ich von Marika vorerst wieder genug, wohingegen Akkarin mit jedem Kapitel großartiger wird (und ich schreibe mittlerweile schon an der zweiten Trilogie).

Auch nach der Erfahrung mit dem gruseligen Stalker ist meine Verehrung für Marika ungebrochen. Dieser hatte sich ja nach ihm benannt, nachdem er es sich als Dorrien mit mir verscherzt hatte. Allerdings hat es einige Monate gebraucht, bis wieder Ruhe in mein aufgewühltes Gemüt eingekehrt war und ich diesen Artikel ruhigen Gewissens posten konnte. Aber abgesehen davon, dass diese Aktion reichlich anmaßend und provokant war, so hätte mir dieser Typ nicht einmal Akkarin verderben können. Denn die Charaktere sind so perfekt, wie ich oder Canavan sie geschaffen haben. Und dafür liebe ich jeden einzelnen von ihnen.

So. Jetzt habe ich euch so viel von meinem bösen, heißen König erzählt, dass ich euch bei einem der nächsten Sumikränzchen erzählen muss, warum ich mir das Cravas habe tätowieren lassen 😉

 

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