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Über Schreibrategeber und wie ich meine persönlichen Dos und Don’ts aus Bestsellern und Badfics ziehe

Mit Schreibratgebern konnte ich noch nie etwas anfangen. Ich habe mir mal einen gekauft, aber nachdem ich ihn durchgeblättert hatte, festgestellt, dass die dort enthaltenen Tipps nicht auf meine Arbeitsweise und meine Bedürfnisse zugeschnitten sind, während andere Themen ganz offenkundig für Anfänger galten. Seitdem habe ich der Sache keine zweite Chance gegeben.

Schreibratgeber sind oft so: „Beginnen Sie ein Kapitel niemals mit der Beschreibung des Wetters.“ – strenge Vorschriften, was man möglichst tun und lassen sollte und das so allgemein, dass dabei weder auf die Arbeitsweise und den Schreibstil des Autors als auch auf das Genre Rücksicht genommen wird. Zumindest ist das mein Eindruck von den Schreibtipps, die auf ich so oft stoße. In anderen Schreibratgebern steht vermutlich so etwas wie „Beginnen Sie ein Kapitel unbedingt mit der Beschreibung des Wetters, so schaffen Sie Atmosphäre.“*

Ganz ehrlich? Wenn ich es für eine gute Idee halte, eine Szene oder ein Kapitel mit dem Wetter zu beginnen, dann tue ich das. Manchmal schaffe ich damit bewusst die passende Atmosphäre, oder eine Metapher für die Stimmung des gegenwärtigen Erzählcharakters oder ich lasse das Wetter im krassen Gegensatz zu dieser stehen – ganz so, wie es mir gefällt und passt.

Tatsächlich entscheide ich das meiste aus dem Bauch heraus. Oft schaue ich mir die Dos bei anderen Autoren, aber auch in Filmen und Serien ab. Also nicht im Sinne von Copy & Paste, sondern wie man bestimmte Themen gut umsetzt oder Charaktere entwickelt. Und das sowohl im Positiven wie im Negativen. So hat Frau Canavan mich gelehrt, wie man einen Charakter nicht umbringt, während George R.R. Martin mir gezeigt hat, wie man mit Stil tötet. Und der Meister des Charaktertötens ist zugleich auch ein Meister des Charakterfolterns und der komplexen Plots und Intrigen – beim Schreiben von ’Yukai’ konnte ich davon sehr profitieren. George Martin zeigte mir auch, wie man Charaktere facettenreich schreibt, während ich von Canavan lernte, sie liebenswert zu machen.

Durch Rebecca Gablé lernte ich, schöne und stimmungsvolle Sexszenen ohne Grafik zu schreiben, während mich eine gewisse Twilight-Fanfiction lehrte, wie man Sexzenen besser nicht schreibt. Und zahlreiche Bücher und Filme zeigten mir, was ich tunlichst unterlassen sollte, wenn ich einen facettenreichen Antagonisten schreiben will (und es gab darunter auch gewisse einige, die mir Anregungen gaben, wie es richtig geht).

Und da wir schon beim Thema Fanfiction sind: Man kann selbst von den schlechtesten Fanfictions lernen. Und damit meine ich nicht nur 50 Shades Of Grey, obwohl ich da viele meiner persönlichen Don’ts bestätigt fand. So lernte ich, dass man das Ende von The High Lord sogar noch mehr verhunzen kann, als Canavan es getan hat, und wie man eine Mary Sue schreibt – so verstörend diese Erfahrung war, für gewollte Badfics, Satiren und Parodien ist sie überaus nützlich.

Generell stehe ich Schreibratgebern eher kritisch gegenüber. Ich habe Schreibanfänger kennengelernt, die sich gleich mehrere geholt haben und anschließend völlig verunsichert waren, welche Vorgehensweise denn nun die richtige ist (ich wäre übrigens auch verunsichert). Dabei gibt es kein Richtig und Falsch. Jeder Autor geht anders vor. Ich bin z.B. Chaos-Discovery-Writer. Mein „Plotten“ besteht darin, die Szenen in meinem Kopf, die ich nicht sofort aufschreiben kann, in eine Outline zu bringen. Ich schreibe manchmal wochenlang nur eine Storyline, oder an einem zentralen Ereignis und baue den Rest drumherum. Meine Arbeitsweise entspricht oft mehr einem Puzzle als allem anderen. Die Herausgeber von Schreibratgebern würden sich vermutlich die Haare raufen, wenn sie das wüssten. Denn mit sowas kann man kein Geld verdienen, zumal es wahrscheinlich ziemlich unseriös klingt, wenn ich sage „Hallo, ich bin die Sonea und mache Chaos-Discovery-Writing. Und ich schreibe übrigens Fanfiction.“ Aber das ist ein anderes Thema. Was ich damit jedoch sagen will: Meine Methode funktioniert. Für mich.

Vielleicht liegt es daran, dass ich schon jahrelang geschrieben habe, bevor ich überhaupt wusste, dass es so etwas wie Schreibratgeber gibt. Ich habe schon immer geschrieben, was ich gerne lesen möchte, und mich an dem orientiert, was in Büchern, Filmen und Serien meinen eigenen Vorlieben entspricht. Wenn ich keine Lust zu schreiben hatte, oder mir die Ideen ausgingen, habe ich es seinlassen. Irgendwann kehrten die Ideen zurück und das vorzugsweise dann, wenn ich am wenigsten darüber nachgedacht habe. Dadurch, dass man so etwas als Schreibblockade definiert, macht man das Problem größer als es ist. Man verkrampft sich und versucht sie mit irgendwelchen Tipps, die nur so hilfreich sind, wie sie bei dem speziellen Problem weiterhelfen können, zu durchbrechen. Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu überwinden und die auch in Schreibratgebern Erwähnung finden, und irgendeine davon hilft meistens, aber darauf will ich nicht hinaus.

Ich war schon immer eher der intuitive Mensch, wenn es darum ging herauszufinden, was für mich bei kreativen Prozessen am besten funktioniert. Das meiste mache ich einfach. Es ist ähnlich wie mit dem Schreiben: Wenn ich zu sehr versuche, es zu kontrollieren, mache ich mich damit wahnsinnig und nichts funktioniert mehr. Deswegen lasse ich die Finger von Schreibratgebern und Schreibtipps und rate jedem Anfänger, auszuprobieren, was für ihn am besten passt.

* Zumindest gilt dies für die Schreibratgeber und -tipps, die mir bis jetzt so über den Weg gelaufen sind. Ob es auch solche gibt, die speziell für Genres oder Arbeitsweisen geschrieben sind, habe ich nie herausgefunden. Weil es für mich auch nicht relevant ist.

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