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Es gibt das ’’Schreiben’’ und das Schreiben. Daher muss ich meine Antwort zweiteilen.

Je mehr ich darüber nachdenke, wie alles begann, desto mehr fällt mir wieder ein. Und was ich dabei aus den tiefsten Tiefen meines Gedächtnisses hole, ist teilweise ganz schön pubertär.

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1. Das ’’Schreiben’’

Die ersten Anfänge waren mit 12/13. Damals war ich nacheinander in zwei Jungs aus meiner Klasse verknallt und hatte die glorreiche Idee, dies als eine Art Liebesgeschichte niederzuschreiben. Jeden Abend schrieb ich zu der schrecklichen Musik, die Mitte der 90er in war, meine Erlebnisse des Tages und jedes an mich gerichtete Wort und jeden mir gewidmeten Blick jener Jungs mit Füller in eine dicke Kladde. Es war also kein Tagebuch, sondern der Versuch einer echten Geschichte (inkl. Erträumten Happy End).

Weil ich dennoch meinen gesamten Tagesablauf festhielt, enthielten jene Stories auch meine Schwärmereien von den fiktiven Personen, in die ich in jenem Alter ebenfalls verliebt war. Zu jener Zeit waren das Mr. Spock und Han Solo. Zum Glück habe ich nie die Fanfictions aufgeschrieben, die ich mir in meinem Kopf zusammenspann, denn damit hätte ich die Menschheit mit Dingen vergewaltigt, bei denen sich mir heute die Fußnägel aufrollen, wenn ich die Scheuklappen abnehme und mich in meinem Fandom oder anderen Fandoms umblicke. Davon abgesehen gab es 1994/95 noch kein Internet und die Möglichkeiten, meine geistigen Auswüchse auf die Menschheit loszulassen, waren somit sehr eingeschränkt.

Auch hatte ich damals noch nicht die Ausdauer, um wirklich für längere Zeit zu schreiben. Nach ein paar Monaten hatte sich das Thema wieder erledigt und das nicht nur wegen der Enttäuschungen mit den betreffenden Jungs.

Ein wenig ambitionierter wurde es, als ich so 16-18 Jahre alt war. Damals verliebte ich mich in einen Typen aus meinem Karateverein, der doppelt so alt war wie ich, und ich tat dasselbe wie mit 12/13, nur ausführlicher und über eine Zeitspanne von anderthalb Jahren. Auch schrieb ich nicht mehr per Hand, sondern am PC meines Vaters und später an meinem ersten eigenen. Die Irrungen und Wirrungen jener Zeit, die ich Abend für Abend festhielt, waren stark beeinflusst von meinem damaligen Lieblingsbuch „Feuer und Schierling“ (von Diana Wynne Jones) und dem Konzeptalbum Metropolis Pt. II von Dream Theater, das 1999 rauskam.

Zur selben Zeit schrieb ich meinen ersten eigenen Fantasyroman. Dieser war allerdings so sehr zusammengeklaut, dass ich mich heute dafür schäme. In Grund und Boden. Bedient habe ich mich damals unter anderem an Mio mein Mio, Ronja Räubertochter, Song of the Lioness, Herr der Ringe, einem Konzeptalbum von Iron Maiden, Star Wars und selbstverständlich dem Karateverein. Zwar schrieb ich das Buch zu Ende, aber von meinem heutigen Standpunkt aus, ist es ein einziger Haufen Mist.

2. Die post-pubertäre Fangirlphase: das Schreiben(!)

Mit 27 Jahren begann ich ernsthaft und mit echten Ambitionen, die über wirre Phantasien hinausgingen, zu schreiben. Es begann im Spätsommer 2009, als ich The Black Magician zum zweiten Mal innerhalb sehr kurzer Zeit las und mich das unsägliche, an den Haaren herbeigezogene Ende und Akkarins sinnloser Tod (damals wusste ich noch nicht, dass Frau Canavan ihn nur umgebracht hat, weil sie keinen Bock hatte, ein Happy End zu schreiben) nicht mehr losließen und ich über möglichen Lebensrettungsszenarien brütete.

Spätsommer 2009 – das war die Zeit zwischen einer Fortbildung in Paris und einer Dienstreise in die Atacama-Wüste von Chile. Die kargen Berge erinnerten mich an die sachakanischen Ödländer und es war dort während der Nachtschichten im Kontrollraum eines Observatoriums, als ich die ersten Szenen von Die Bürde der schwarzen Magier I – Der Spion schrieb. Damals wusste ich noch nicht, dass daraus einmal eine Trilogie, geschweige denn ein riesiges Black Magician Universum mit zahlreichen Kurzgeschichten, zwei weiterführenden Trilogien und einer Trilogie, die sich einzig um Akkarin dreht, werden würde. Damals ging es mir nur darum, Akkarin zu retten und eine Zukunft für ihn und Sonea zu schreiben.

Mit der Zeit wurden es immer mehr Szenen, ich begann eine richtige Hintergrundstory mit mehr und mehr Erzählcharakteren zu entwickeln, weil ich die Geschichte, die mir vorschwebte, nicht anders hätte erzählen können. Außerdem war es mir auf Dauer zu langweilig, nur über Akkarin und Sonea zu schreiben. So sehr ich die beiden liebe und so sehr ich mich mit Sonea identifiziere – ich wollte mehr. Und weil ohne den Rest der Charaktere etwas fehlte, so wie ohne Akkarin etwas fehlen würde, wenn der Rest stimmt. Und ich wurde immer sicherer im Schreiben der Charaktere, bis sich beim Lesen meiner eigenen Szenen endlich das Buchgefühl einstellte.

Seitdem schreibe ich Black Magician Fanfiction. In den vergangenen Jahren hat mir das so viel gegeben, über so viele schlimme und düstere Zeiten hinweggeholfen. Die Welt und die Charaktere sind mein geistiges Zuhause, mein Refugium geworden. Ich habe Worldbuilding betrieben, wo es notwendig war und ganze Völker und Kulturen ausgearbeitet. Ich habe zahlreiche neue Charaktere erfunden, die für mich ebenfalls zu einem Teil dieses Universums geworden sind. Irgendwie hat sich die Geschichte darüber verselbstständigt und zu etwas weiterentwickelt, was ich nie erwartet hätte.

Man kann also sagen, dass mich das unsägliche Ende von The Black Magician endgültig und unwiderruflich zum Schreiben gebracht hat. Weil ich mir das Ende, um die ich mich betrogen gefühlt habe, und die Fortsetzung, die ich mir gewünscht, aber nie bekommen habe. Und weil es mich darüber so angefixt hat, dass eine vage Idee auf ungeahnte Weise expandiert ist.

Und selbst wenn ich eines fernen Tages mit dieser Welt fertig bin und alles erzählt habe, was es zu erzählen gibt, falls ich dann die Idee für etwas eigenes habe, das sich mit meinen literarischen Vorbildern messen kann – selbst dann wird die Welt von Black Magician immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

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