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Als schreibendes Wesen entwickele ich mich kontinuierlich weiter. Das ist völlig normal und auch gut so, denn wir wachsen an unseren Erfahrungen. Frustrierend wird es jedoch, wenn ich auf ein Werk zurückblicke, das ich vor noch nicht allzu langer Zeit (im März 2016) inklusive Korrekturlesen abgeschlossen habe und mit dem aktuellsten von diesem Sommer vergleiche. Ganz besonders wenn Ersteres eine laufende Geschichte ist.

Schon in der Vergangenheit habe ich ältere Geschichten noch einmal sprachlich überarbeitet. Erst vor zwei Jahren habe ich „Der Spion“ (Teil 1 meiner alternativen Fortsetzung zu Black Magician) einer solchen Prozedur unterzogen. Ich ging davon aus, dass die Folgeteile besser wären, weil ich mich in der Zwischenzeit weiterentwickelt hatte. Zudem hatte ich Teil 3 „Das Heiligtum von Yukai“, die Geschichte, um die es geht, im Anschluss an die sprachliche Überarbeitung des „Spions“ ausgedruckt und Korrektur gelesen. So wie ich das mit jeder Geschichte mache, wenn sie fertig geschrieben und überarbeitet ist.

Am Wochenende habe ich jedoch festgestellt, dass ich mir etwas vorgemacht habe.

Seit Anfang vergangener Woche, bin ich damit beschäftigt, sämtliche Kapitel meiner beiden laufenden Geschichten „Yukai“ und „Schwärzer als die Nacht“ (Teil 2 meiner Akkarin-Trilogie), die bis zur Weihnachtspause online gehen werden, ein letztes Mal durchzukorrigieren. Mit dem Hintergrund, mich anschließend bis nach dem NaNoWriMo ganz aufs Schreiben konzentrieren zu können.

Während mich „Schwärzer als die Nacht“ in Bezug auf seinen sprachlichen und inhaltlichen Status positiv überrascht hat, habe ich bei „Yukai“ an vielen Stellen die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. In acht Kapiteln habe ich jeweils mindestens eine DINA4-Seite an Wiederholungen und Sätzen, die keinen Sinn ergeben, gelöscht. Andere Stellen habe ich umformuliert oder Charaktere anders reagieren lassen, weil es keinen Sinn ergeben hat. Über mehrere Passagen muss ich im Nachgang noch einmal drübergehen. Es könnte also noch mehr wegfallen. Und dann Soneas immerwährende Kontemplation über ihre Gefühle für ihren Mann und ihren ehemaligen Meister! Argh! (Nicht, dass das Thema in diesem Teil der Geschichte nicht bewusst forciert würde, aber auch das sollte Grenzen haben.)

Woher kommt dieser krasse Unterschied zwischen beiden Geschichten?

„Schwärzer als die Nacht“ entstand im CampNaNoWriMo 2017 und kommt nur auf ein Viertel der Länge von „Yukai“, das von 2013 bis 2015 entstand und von dem damals gerade die Rohfassung fertig war. Anders als „Yukai“ hat „Schwärzer als die Nacht“ nur einen Erzählcharakter, was mir ein tiefes Eintauchen in dessen Gedankenwelt erlaubt, und die Handlung ist damit automatisch weniger komplex. „Yukai“ hingegen hat stolze sieben Erzählcharaktere und einen unglaublich verwickelten Plot mit Intrigen und Interessengemeinschaften, von denen jede ihr eigenes Süppchen kocht – sprich: jede Menge Brainfuck für die Autorin und fast ein Dreivierteljahr mehr Schreibzeit als bei den beiden Vorbänden. Dadurch und weil „Schwärzer als die Nacht“ innerhalb so kurzer Zeit entstand, war es bei Letzterem leichter den Überblick zu behalten, was sich unter anderem in Sprache und Inhalt niederschlägt.

Ich frage mich trotzdem, wie mir damals beim Korrekturlesen so viel durch die Lappen gehen konnte.

In diesem Jahr hat sich schreibtechnisch bei mir einiges getan. Diese Veränderung gipfelte in meinem Juli-Projekt „The Project which may not be named“, mit dem ich vermutlich 95% meiner Leserschaft vor den Kopf gestoßen habe, weil es nicht die versprochene Geschichte über die Novizenzeit von Akkarin und Lorlen war. Für meine Entwicklung war diese Geschichte dagegen umso wichtiger. Beim Schreiben habe ich penibel darauf geachtet, keine Information zweimal zu bringen und wo mir das beim Überarbeiten aufgefallen ist, habe ich rigoros gestrichen. Irgendwie ist es mir gelungen, in 200k einen mittel-komplexen Plot mit fünf Erzählcharakteren zu erschaffen, der ohne große Längen auskommt, actionreich ist und sehr wahrscheinlich sogar das besitzt, woran es meinen Fanfictions seit je her mangelt: Plottwists. In einer zweiten Überarbeitung werde ich vermutlich einige sich hartnäckig haltende redundante Passagen rausschmeißen und dafür ein paar Szenen einbringen, die dem Ganzen noch mehr Komplexität hinzufügen. Nicht zuletzt schreibt es sich auf Englisch so viel kompakter. Ich brauche weniger Worte meine Gedanken aus meinem Kopf in das Textdokument zu transferieren. Das hat zur Folge, dass ich beim Korrekturlesen der Yukai-Kapitel nahezu allergisch auf Wordiness reagiere und da auch rigoros streiche, wo mir solche Passagen auffallen.

Dieser Entwicklungsschub ist großartig. Er kam nicht schleichend und damit nur rückblickend wahrnehmbar – es war mind-blowing. Ich verspreche mir von ihm viel für das Korrekturlesen der „Königsmörderin“ (Teil 1 von „Das Erbe“), welches nach dem NaNoWriMo ansteht. Und ich verspreche mir davon viel für Teil 2 von „Das Erbe“, mit dem ich spätestens zum Wochenende offiziell beginnen werde.

Zugleich frustriert es mich jedoch in Bezug auf jedes verdammte Kapitel, das ich jemals online gestellt habe. Wie gerne würde ich angefangen vom „Spion“ alles noch einmal überarbeiten! Ich kann mir nicht vorstellen, wie Leser es trotzdem mögen können. Wie sie den Stil gut finden können, während ich bei den ganzen umständlichen Formulierungen die Krise kriege. Aber dazu fehlt mir die Zeit. Und das ist auch keine Arbeit, die mir ein Testleser oder Lektor abnehmen könnte. Denn nur ich allein weiß, was da stehen soll, wenn ich den Abschnitt sehe. Es ist ärgerlich und ich würde meinen Lesern gerne etwas Besseres bieten, doch um mich da reinzuhängen, müsste ich für ein halbes Jahr oder mehr sämtliche laufenden Projekte einstellen und mich nur darauf konzentrieren. In absehbarer Zeit ist das jedoch nicht machbar. Immerhin sprechen wir hier von mindestens 3000k Wörtern.

Insofern, liebe Leser, tut es mir leid. Für den Moment kann ich euch nur eine verbesserte Sprache für die kommenden Kapitel bieten. Mir liegt sehr viel daran, eine gewisse Qualität zu bieten und zu halten, aber ich kann nicht immer wieder zurückgehen und Formulierungen anpassen, auch wenn es noch so wichtig ist. Ein guter Schreibstil ist kein alleiniges Qualitätsmerkmal einer Geschichte, es ist jedoch eines, das recht schnell zu erkennen ist.

Der Punkt ist, ich schäme mich dafür. Ich weiß, dass ich es besser kann. Und das nagt an mir. Ich bin der Typ, der, sollte er eines Tages ein Buch veröffentlichen, sich Jahre später für den unreifen Mist, den sie da verzapft hat, schämt, weil die Folgenbände so viel stichhaltiger sind. Und wenn schon andere Menschen Zeit in meine Geschichten investieren, dann soll sich diese Zeit auch möglichst lohnen. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass es sich um Fanfiction handelt.

Einen kleinen Lichtblick gibt es trotzdem: Wenn ich in ein paar Jahren mit „Das Erbe“ durch bin, werde ich die Zeit haben, alle sechs Teile meiner alternativen Fortsetzung noch einmal vorzunehmen. Es hilft weder euch noch den Lesern, die nach euch kommen und mit dem „Spion“ beginnen, doch es hätte den Vorteil, alles von einem relativ konstanten Entwicklungsstand aus zu überarbeiten, was gewiss auch die angenehmere Leseerfahrung ist.

Bis dahin hat Fanfiktion.de hoffentlich auch den Editor umgestellt, so dass das Hochladen und Aufräumen der automatisch gesetzten Tags sich auf wenige Minuten pro Kapitel reduziert.

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