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NaNoPrep und der ganz normale Wahnsinn

Die Blätter werden gelb, die Tage spürbar kürzer und kälter, das NaNo-Forum wurde gewipt und allmählich treiben sich dort wieder die üblichen Verdächtigen rum. Es ist Oktober – oder auch Vornovember* und die heiße Phase der Vorbereitung auf das größte Schreibevent des Jahres, der National Novel Writing Month (NaNoWriMo) hat begonnen.

Seit Montag kann man auf der NaNo-Seite seine Novel für den November anlegen, was ich auch sofort inklusive einer noch ziemlich behelfsmäßigen Synopsis getan habe. Die richtige Synopsis hat Zeit, bis das „Das Erbe 2“ mit den üblichen 800k Wörter und zwei bis drei Überarbeitungszyklen später (= ca. 2-3 Jahre) online geht. Dementsprechend groß ist inzwischen auch meine Vorfreude, wo ich wenige Tage zuvor noch mit einer halbgaren Storyline herumgekrebst bin auf der verzweifelten Suche nach meiner Motivation, während „The Project which may not be named“ trotz aller Ideenflashs, die der September brachte, noch immer in meinem Kopf herumschwirrte und schwirrt.

Trotzdem hat sich mit dem Beginn des Oktobers etwas geändert. Ich bin wieder aktiv im Forum, was für einen gewissen prä-NaNo-Flair sorgt und mich innerlich antreibt, die Probleme, die meine Storyline noch aufweist, nicht nur zu bewundern, sondern auch anzugehen.

Und ich habe den Goal Tracker entdeckt!

Den Goal Tracker gibt es schon seit Januar, wie mir gesagt wurde. Allerdings war genau das die Zeit, in der ich allen Vorsätzen zum Trotz aufgehört habe, mich im NaNo-Forum rumzutreiben. Vielleicht erinnert ihr euch noch an mein damaliges Dilemma: Ich war total besessen von Lightbringer (ich sage nur „Gavin, mein Gavin!“) und musste mich regelrecht dazu zwingen, die „Königsmörderin“ zu überarbeiten und zu Ende zu schreiben. Da blieb kein Platz mehr für Onlineforen.

Außerhalb eines NaNos sind 6k, wenn man erst gegen Mittag anfängt, normal. Insgesamt hat „Das Erbe 2“ schon knapp 30k.

Dabei ist der Goal Tracker genau das, was ich damals gebraucht hätte und auch jetzt hervorragend gebrauchen kann: Über einen beliebigen Zeitraum kann man sich ein beliebiges Wortziel setzen (alternativ gehen auch Stunden, aber leide keiner Kapitel oder Seiten) und bekommt dann eine abgespeckte Form der Wordcount-Statistik, wie man sie vom NaNoWriMo kennt. Um endlich in die Gänge zu kommen, habe ich mir einen solchen Goal Tracker gebastelt und auf 100k gesetzt. Für einen Monat, in dem ich ausschließlich schreibe und auch noch zwei Wochen Urlaub habe, ist das mehr als machbar. Ich rechne damit, dass ich mehr als das schreiben werde. Und da ich mir den Oktober und November freizeitmäßig zum Schreiben freigeschaufelt habe (bis auf ein Konzert und einen Geburtstag), werde ich in dieser Zeit auch nur schreiben. Zwischendurch werde ich gewiss auch die Storyline weiter ausarbeiten, weil durch das Schreiben erfahrungsgemäß weitere Ideen kommen, die zumindest in Stichpunkten festgehalten und einsortiert werden müssen.

Anders als sonst herrscht dieses Mal bei mir jedoch große Unsicherheit. Ich habe das Gefühl, mehr Storyline zusammenkriegen zu müssen, bevor ich überhaupt richtig schreiben kann, wo ich in den Jahren zuvor immer drauflos geschrieben habe. Lücken habe ich später geschlossen, wenn ich die Zusammenhänge herstellen konnte. Das ist Discovery Writing und das funktioniert immer. Auch jetzt habe ich nicht alle Lösungen parat. Doch obwohl ich weiß, dass mir diese beim Schreiben einfallen werden, verunsichert mich Selbiges, wo ich sonst tollkühn in den November marschiert bin und den Dingen ihren Lauf gelassen habe. Denn einerseits ist das Projekt zu lang, um es in dieser kurzen Zeit komplett zu schreiben, andererseits kommen erfahrungsgemäß zwischendurch Ideenflashs, mit denen sich die Plotprobleme wie von Zauberhand lösen.

Es ist absoluter Quatsch, so unsicher zu sein. Was bisher funktioniert hat, funktioniert auch weiter, zumal ich mich nur vorwärtsentwickeln kann. Aber woher kommt sie dann?

Ich habe lange darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es ein projektübergreifendes Zeitmanagement-Problem ist. Mein Ziel ist es, bis Weihnachten die halbe Rohfassung von „Das Erbe 2“ fertig zu haben. Angesichts meiner hohen Wordcounts ist das locker drin. Und obwohl ich mich nicht mehr mit Zeitplänen hetzen wollte, sehe ich hier zwei Probleme: Nach Weihnachten ist das Korrigieren der „Königsmörderin“ dran, die anschließend zu den Testlesern muss, da sie nächsten Spätsommer 2018 online geht. Bis dahin werden meine Testleser mit „The Project which may not be named“ durch sein. Was da auf mich zukommt, kann ich allerdings nicht im Geringsten abschätzen. Ich gehe jedoch davon aus, dass es SEHR viel Arbeit wird.

Wer mich länger und besser kennt, weiß, dass ich zu größenwahnsinnigen Plänen neige und dass ich diese durchziehe. Und dementsprechend werde ich mich dieser Arbeit stellen. Bevor „Das Erbe“ darüber auf Eis gelegt werden muss (was ich nicht hoffe), möchte ich daher so viel davon schreiben, wie ich nur kann.

Diese Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass ich noch immer ein wenig Schwierigkeiten habe, mich wieder in meinem Black Magician Universum einzuleben. In den letzten Tagen ist es sehr viel besser geworden und allmählich kehrt das Gefühl für die Welt und die Charaktere zurück, doch die Umstellung ist mir nicht leicht gefallen. Die Sprache ist dabei ein vernachlässigbares Übel, auch wenn Akkarin, Sonea und die anderen in meinem Kopf zu Beginn Englisch gesprochen haben. Es ist der gesamte Stil, das Konzept und das Gefühl für die Charaktere, das ich mir gerade wieder erarbeite. Ohne dieses kommt es mir vor, als würden meine Ideen nicht so recht zum Konzept von Black Magician passen, als würden meine Charaktere klischeehaft handeln. Und obwohl ich weiß, dass es besser wird, je mehr ich schreibe, und diese Entwicklung bereits spürbar ist, hemmt es etwas in mir.

Vielleicht ist auch das ein Grund, warum ich so darauf bestrebt bin, „Das Erbe 2“ bis Weihnachten so weit voranzutreiben. Je intensiver ich daran arbeite, desto leichter wird es mir wieder fallen und desto mehr werde ich mich in der Gilde wieder zuhause fühlen. Die Story wird davon profitieren, weil viel und konzentriert zu schreiben zugleich bedeutet, dass mir komplexe Zusammenhänge besser im Kopf bleiben. Eine gewisse Veränderung muss ich den Charakteren zudem ohnehin zugestehen, weil die Zeit in ihrer Welt nicht stehenbleibt. Sonea und Akkarin haben bereits wieder ihre gewohnte Dynamik erreicht und fangen wieder mit Schweinkram an, was so viel bedeutet wie, dass es ihnen gutgeht.

Das Schöne am Vornovember ist die Vorfreude. Hier ist die einzigartige Magie des NaNoWriMos bereits zu erahnen und ich kann spüren, wie sie mich allmählich infiziert. Jeder NaNoWriMo ist eine neue Herausforderung. Vielleicht muss ich meine gegenwärtigen Schwierigkeiten als Teil dessen betrachten, denn ich kann darauf vertrauen, dass die NaNo-Magie richtet, was mich jetzt verunsichert.

* die Bezeichung „Vornovember“ stammt von einem Mitglied des NaNo-Forums und er freut sich sehr, wenn dieser Begriff salonfähig wird.

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