The Magician’s Apprentice

Die Vorgeschichte zu ’The Black Magician Trilogy’

’The Magician’s Apprentice’ spielt 700 Jahre vor der Trilogie um Akkarin und Sonea, Rothen Dannyl und Cery und handelt vom Krieg zwischen Kyralia und Sachaka, welcher letztendlich zur Isolation Sachakas führte. Zu jener Zeit gab es noch keine Gilde und höhere Magie erfreute sich großer Beliebtheit.

Die Handlung

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf im Nordosten Kyralias damit, dass die junge Tessia durch einen Zwischenfall mit einem sachakanischen Magier ihre eigene Magie entfesselt. Der im Ort lebende Magier Lord Dakon nimmt sie daraufhin als Schülerin auf und bildet sie zusammen mit seinem anderen Schüler Jayan aus. Während einer Reise nach Imardin unternehmen, wird ihr Heimatdorf von Sachakanern zerstört, wobei Tessias Familie ums Leben kommt. Lord Dakon schließt sich daraufhin mit anderen Magiern zusammen und jagt die Sachakaner quer durch Kyralia, bis es schließlich zu einer Schlacht vor den Toren Imardins kommt.

The Magician's Apprentice

The Magician’s Apprentice

Anschließend ziehen die Magier nach Sachaka und plündern und zerstören die Anwesen der Ashaki und erobern schließlich Arvice, wodurch sie von Opfern zu Tätern werden und den Sachakanern Grund liefern, Kyralia bis zu der Zeit, in welcher die Trilogie spielt, zu hassen.

Die Charaktere

  • Tessia ist Sonea sehr ähnlich, jedoch bei weitem nicht so großartig. Beide sind ungefähr gleich alt und haben den Wunsch, andere zu heilen. Dennoch ist Tessia ein sehr sympathischer Charakter, der sich durch den Verlust ihrer Eltern weiterentwickelt.

  • Jayan wirkte auf mich beim Lesen wie eine nettere Version von Regin. Das hat mir insofern gefallen, weil Tessia nicht bzw. kaum von ihm gepiesackt wurde und sich ihr Verhältnis so las, wie es in ’The Novice’ hätte sein können. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem es zwischen beiden zur Romanze kam und es mir schwerfiel, zwischen ihnen und ihren Vorlagen in ’The Black Magician’ zu abstrahieren.

  • Dakon ist für mich ein jüngerer Rothen und von allen Charakteren der mit den stärksten Werten und Moralvorstellungen. Als die Magier nach Sachaka ziehen und sich wie eine biblische Plage bis Arvice vorarbeiten, verliert er seine Ehrenhaftigkeit als einziger nicht.

  • Hanara ist ein sachakanischer Sklave, der wohl dazu dient, dem Leser das Leben der Sklaven näherzubringen, was Canavan auch gelingt. Seine eigentliche Funktion für die Story ist jedoch eher beobachtender Natur, da er selbst weder handelt noch eine Entwicklung durchmacht. Die mangelnde Entwicklung will ich ihm jedoch nicht vorwerfen, da er sein Leben lang ein Sklave war und kaum Gelegenheit hat, sich an seine Freiheit zu gewöhnen, bevor sein Meister zurückkehrt und Hanara sich ihm erneut unterwirft.

  • Stara ist eine junge Frau, die halb Elynerin, halb Sachakanerin ist. Sie wird nach der Mitte des Buches eingeführt, als sie nach Arvice reist, wo sie einen Sachakaner heiraten soll, den ihr Vater für sie ausgesucht hat. Stara wehrt sich zuerst gegen diese Ehe, hat jedoch kaum eine andere Wahl, als sich ihrem Schicksal zu fügen. Nach einer Weile findet sie heraus, dass ihr Mann andere Männer begehrt, und wird selbst in einen Kreis von Frauen aufgenommen, die sie höhere Magie lehren und sich ’Verräter’ (engl. „the traitors“) nennen. Bis auf die Stelle, an der Stara Jayan fast tötet, hat sie keinerlei Berührungspunkte mit der eigentlichen Handlung. Ihre Storyline dient ausschließlich dazu, die Verräter einzuführen, zu denen Savara aus ’The High Lord’ ganz offenkundig gehört. Da die Verräter außer über Savara in keinerlei Verbindung mit der ersten Trilogie stehen, gehe ich davon aus, dass sie im Hinblick auf die Fortsetzung eingeführt wurden. Abgesehen von dem Einblick, den man durch Stara in die sachakanische Kultur erhält, empfinde ich ihre Storyline jedoch als überflüssig.

Der Schreibstil

Ich liebe Trudi Canavans flüssigen und lebendigen Schreibstil bereits seit ’The Magician’s Guild’. Im Vergleich zur Trilogie hat ihr Schreibstil sich zu diesem Buch hin jedoch noch einmal weiterentwickelt. Ihre Einleitungen in neue Kapitel oder Szenen sind kurz und atmosphärisch und von einer bildhaften Sprache geprägt.

Logikfehler & Inkonsistenzen zur Trilogie

In ’The Magician’s Guild’ heißt es, während des Krieges wäre Imardin weitgehend zerstört worden und die Sachakaner hätten das Wasser vergiftet, weswegen die Quelle auf Sarikas Hügel zum Territorium der Gilde gehört. In ’The High Lord’ wird weiterhin erwähnt, die Gilde habe Sachaka gezielt verwüstet, damit es nicht erneut zu Macht gelangt. Überhaupt werden die Ödländer in der Trilogie bereits initial als sehr viel größer beschrieben.

Es scheint hier, als wäre Trudi Canavan nicht in der Lage, ihre eigene Geschichte zu recherchieren. Mit etwas Wohlwollen könnte ich die Diskrepanz zwischen beiden Werken jedoch auch so interpretieren, als habe die Gilde nach dem Verbot höherer Magie die Geschichtsbücher derart stark umgeschrieben, dass die Erschaffung der Ödländer lieber als eine bewusste Aktion denn die aus Wahnsinn geborene Tat eines einzelnen höheren Magiers dargestellt wird. Offen bliebe jedoch, wieso sie die Zerstörung Imardins aus demselben Grund größer erscheinen lassen sollte.

Kritik

  • Neben den Logikfehlern und Inkonsistenzen zu ’The Black Magician’ wirkte die gesamte Story auf mich ein wenig lieblos, was ich auch von anderen hörte, die zuerst die Trilogie gelesen haben, während Leute, die ’The Magician’s Apprentice’ zuerst gelesen haben, ein besseres Bild dieses Buches haben. Es scheint, als wäre es Canavan nicht gelungen, an ihren ersten Erfolg anzuknüpfen.

  • Die Charaktere erinnern doch sehr an die Charaktere aus ’The Black Magician’ (Tessia, Dakon und Jayan) oder wirken eher farblos (Hanara, Stara).

  • Das Ende war auf seine eigene Weise sehr verworren und konstruiert. Enttäuschend war hier besonders, dass Dakon gegen Ende einfach aus der Storyline verschwand und schließlich in einem Nebensatz umgebracht wurde. Und auch Narvelans schleichender Wahnsinn hat sich dann doch ein wenig zu plötzlich manifestiert. Insbesondere nach der Lektüre von ’The Black Magician’ hatte mir für die Erschaffung der Ödländer etwas anderes gewünscht.

  • Auch habe ich mir eine stärkere Verknüpfung der Stara-Storyline mit den übrigen Charakteren vermisst. Sie bleibt leider ziemlich außen vor, so dass ihre einige Berechtigung in der Handlung die Gründung der Verräter zu sein scheint.

  • Schade war auch, dass der gesamte Krieg irgendwie nicht so recht meinen Vorstellungen entsprach und für sich genommen ebenfalls konstruiert wirkte.

  • Am meisten gestört hat mich jedoch die Parallele zum Ende von ’The High Lord’. Es schien, als wolle Trudi Canavan hier wiedergutmachen, was sie am Ende ihrer ersten Trilogie angerichtet hat. Als Jayan fast stirbt, gelingt es Tessia, ihm das Leben zu retten, und anschließend werden sie ein Paar. Ohne mein Vorwissen hätte ich mich vermutlich weniger daran gestört. So habe ich das Buch jedoch unter Todesverachtung ausgelesen, zumal Jayan alles andere als ein Akkarin ist, sondern nur ein sympathischerer Regin und bei der Vorstellung, eine Sonea ähnliche Figur mit einem derartigen Charakter zu verpaaren, wird mir regelrecht schlecht.

Pluspunkte

  • Die Kultur und die Lebensweise der Sachakaner werden dem Leser nähergebracht, was für mich neben dem historischen Aspekt der Hauptgrund war, warum ich dieses Buch gelesen habe. Auf mich muten die Sachakaner ein wenig orientalisch an, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Außerdem erfährt der Leser mehr darüber, wie die frühe Gilde zustande gekommen ist und wie das Heilen mit Magie entdeckt wurde.

  • Die Art und Weise, wie in diesem Buch höhere Magie praktiziert wird, hat mich sehr fasziniert, da es hier noch eindringlicher als in ’The Black Magician’ beschrieben wird. Auf eine gewisse Weise beinhaltet dieser Prozess eine gewisse Erotik, da er sehr viel Vertrauen, Hingabe und Opferbereitschaft erfordert und eine gewisse Intimität zwischen Lehrer und Schüler bzw. Meister und Sklave erzeugt.

  • Die Story an sich hat mich zwar nicht sonderlich vom Hocker gerissen, war jedoch unterhaltsam zu lesen und die Charaktere waren durchweg sympathisch, auch wenn man gemerkt hat, welchen Vorlagen sich Canavan bedient hat.

Fazit

Eine passable Vorgeschichte, die jedoch einige Fragen unbeantwortet lässt und in ihrer Spannung und ihren Charakteren weit hinter ’The Black Magician’ zurückbleibt.

2 Gedanken zu “The Magician’s Apprentice”

  1. Für mich hat sich das ganze Buch irgendwie wie eine Kopie der Trilogie angefühlt.
    All die Charaktere waren irgendwie eine leicht veränderte Version des schon dagewesenen. Und die Figurenkonstellationen waren irgendwie auch dasselbe.

    Gefällt mir

    • So genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern, weil das schon eine Weile her ist. Aber die Figuren waren denen in der Trilogie wirklich sehr, sehr ähnlich, aber irgendwie flacher. Und ich weiß noch, dass mich das Ende aufgeregt und verstört hat, weil das Pairing so etwas von Sonea/Regin hatte und zugleich ein verzweifelter Versuch schien, Akkarins Tod für die Leser wiedergutzumachen.
      Also gelohnt hat sich das Buch nicht wirklich, bis auf den Einblick in die sachakanische Kultur vielleicht, wobei Canavan das meiner Meinung nach auch besser hätte ausbauen können.
      Kann man leider nicht anders sagen …

      Gefällt mir

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