The Magicians‘ Guild

Das erste Fantasy-Buch seit langem, das mich überzeugt hat!

Nachdem ich abgesehen von Harry Potter und Herr der Ringe lange Zeit kein einziges Fantasybuch mehr gelesen hatte, das in irgendeiner Form meine Begeisterung wecken konnte, war ich zunächst skeptisch, ob diese Trilogie von Trudi Canavan das Potential hatte, meine Erwartungen zu erfüllen. Doch gleich die ersten Zeilen haben mich begeistert und so war ich gewillt, der ganzen Sache eine Chance zu geben.

Ich wurde nicht enttäuscht.

Im Gegenteil: Meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

Die Handlung

Die Story läuft nach dem altbewährten Schema ab: Ein junger Hauptcharakter aus einfachen Verhältnissen entdeckt, dass er/sie besondere Fähigkeiten besitzt. In diesem Fall ist es die sechzehnjährige Sonea aus den Hüttenvierteln von Imardin, die zusammen mit einigen anderen Jugendlichen bei der alljährlichen Säuberung gegen die Magier kämpft. Dabei entfesselt sie versehentlich ihre eigene Magie, von der sie bis dahin nichts wusste.

The Black Magician Trilogy Book 1 - The Magicians' Guild

The Black Magician Trilogy Book 1 – The Magicians‘ Guild

Dadurch werden die Magier auf Sonea aufmerksam. Es beginnt eine Jagd durch die Slums von Imardin und ein Wettlauf gegen die Zeit. Während Soneas Freunde sie zunächst alleine und später mit Hilfe der Diebe, den Herrschern über die Unterwelt Imardins, verstecken, versucht sie auf eigene Faust, Herrin ihrer neuen Kräfte zu werden. Doch mit jedem Mal, die sie ihre Magie benutzt, verliert sie ihre Kontrolle ein kleines Stückchen mehr. Sonea ahnt nicht, dass sie in Lebensgefahr schwebt und die Magier nicht hinter ihr her sind, um sie zu töten, sondern, weil sie ihr helfen wollen.

Eines Tages unternimmt ihr Jugendfreund Cery mit ihr einen heimlichen Ausflug in die Gilde in der Hoffnung sie könne auf diese Weise lernen, ihre Magie zu beherrschen. Dabei macht Sonea im Keller eines abseitsstehenden Hauses eine seltsame Beobachtung, mit der sie lange Zeit nichts anfangen kann. Wenig später wird sie von den Magiern gefunden – gerade rechtzeitig, weil sie kurz davor ist, vollständig die Kontrolle über ihre Kräfte zu verlieren. Einer der Magier, ein Alchemist namens Rothen, nimmt sich ihrer an und baut allmählich Vertrauen zu ihr auf. Doch Rothen ist nicht der einzige, der sich um sie kümmern will. Ein anderer Magier, ist ebenfalls daran interessiert, dass Sonea der Gilde beitritt – doch nicht aus edlen Motiven, sondern um zu zeigen, dass die Gilde keine Schüler aus einfachen Verhältnissen aufnehmen sollte. Dazu schreckt er nicht einmal davor zurück, Sonea mit dem Leben ihres besten Freundes zu erpressen.

Doch als seine Intrige bei einer Gildenversammlung ans Licht kommt und Sonea aussagen muss, kommt noch ein anderes Geheimnis ans Licht und plötzlich begreift Soneas, was sie wirklich an jenem Tag im Keller dieses unheimlichen Haus am Waldrand der Gilde beobachtet hat. Und damit kommen folgenschwere Ereignisse in Gang …

Es gelingt Canavan, durch die Wahl der Charaktere und das Setting, aus etwas Altbewährtem etwas völlig Neues zu machen, wobei sie Themen wie soziale Ungerechtigkeit und Homosexualität, die auch in unserer Zeit aktuell sind, mit einbringt. Die Geschichte spielt in einer fiktiven mit viel Liebe zum Detail geschaffenen Welt, deren einziges Fantasy-Element die Magie ist und die gänzlich ohne Elfen, Zwerge und Drachen auskommt. Hierfür hat Frau Canavan sogar eine eigene Flora und Fauna geschaffen.

Die Charaktere

Die Geschichte wird aus den Perspektiven von vier unterschiedlichen Erzählcharakteren beschrieben: Sonea, der Protagonistin, ihrem Freund Cery und den beiden Magiern Rothen und Dannyl, die sich beide auf ihre Weise sehr bei der Suche nach Sonea engagieren. Diese Figuren sind mit ihren Eigenarten, Geheimnissen und ihrer Vergangenheit, wie die Nebencharaktere allesamt liebevoll und detailliert entworfen. Insbesondere Sonea ist ein Charakter, der besonders für die weiblichen Leser ein hohes Identifikationspotential besitzt, wodurch man noch tiefer in die Handlung eintaucht. Doch auch die anderen drei sind Charaktere, die man mit ihrem unkompliziertem Wesen und ihren teils erheiternden Gemütern leicht in sein Herz schließen kann. Im Laufe des Buches entwickeln sie sich, wobei Sonea die wohl größte Entwicklung widerfährt.

Schreib- & Erzählstil

Vom literarischen Standpunkt her liest sich das Buch sehr ansprechend. Der Schreibstil ist flüssig und sehr lebendig und der Leser fühlt sich in die Welt und die Charaktere hineinversetzt. Allerdings wirken mache Stellen ein wenig holprig. Bestimmte Passagen wiederholen sich in zu kurzen Abständen, woran man merkt, dass es Canavans erstes Buch ist. Das stört den Lesefluss jedoch relativ wenig, hat die Story einen erst einmal gepackt.

Dennoch hat das Buch einige Längen. So liest sich die Suche nach Sonea zuweilen etwas langatmig. Der Leser will unbedingt wissen, wie es mit ihr weitergeht, während sie droht, die Kontrolle über ihre Magie zu verlieren und die Magier völlig im Dunklen tappen. Doch zugleich ist hier positiv anzumerken, dass Frau Canavan sich viel Zeit nimmt, um die Welten der Magier und der Diebe, sowie die Beziehungen zwischen den Charakteren darzustellen. Ab der zweiten Hälfte verliert das Buch, nach dem Spannungsaufbau und dem raschen Tempo des ersten Teils, kurzfristig an Erzähltempo, bis die Geschichte erneut wieder spannend wird. Das bewerte ich jedoch nicht als Mangel – ein neuer Handlungsabschnitt beginnt und die Beziehungen zwischen den Charakteren werden nun neu gesetzt. Und das braucht seine Zeit.

’The Magicians’ Guild’ erzählt eine in sich geschlossene Geschichte. Mit der überraschenden Wendung am Ende gelingt Canavan die Überleitung zum zweiten der Trilogie und macht Appetit auf mehr. Das Buch enthält zudem Details, die beim ersten Mal sinnlos und überflüssig wirken und dessen Bedeutung der Leser erst begreift, wenn er die beiden Folgebände gelesen hat, was für mich als Freund von Querverbindungen ein weiterer Pluspunkt ist. Als Beispiel möchte ich hier nur den mit einem juwelenbesetzten Messer in den Hüttenvierteln herumschleichenden Sachakaner erwähnen, der nach Soneas und Cerys Ausflug in die Gilde plötzlich tot ist.

Logikfehler

Als die Magier Sonea finden, kennen sie ihren Namen. Man könnte das jedoch damit erklären, dass sie ihren Namen erfahren haben, als sie verraten wurde. Es wirkt an dieser Stelle jedoch ein wenig unglaubwürdig.

Das zweite Paradoxon ist das Buch über Magie mit der Nachricht von Rothen. Als Sonea das Buch erhält, sieht es aus, als hätten die Magier das Buch mit einer Nachricht in der Hoffnung, dass sie es erhält, in Umlauf gebracht. Kurz, nachdem Sonea das Buch in einem Versteck zurücklassen musste, gibt es im Abendsaal ein Gespräch zwischen Rothen, Dannyl und Akkarin darüber, wie ein Buch über Magie aus der Gilde gelangt sein könnte. Da Sonea bis zu dieser Stelle nur ein Buch über Magie besitzt, ist anzunehmen, dass es sich um dasselbe handelt. Hier bleiben definitiv einige Fragen offen. Diese kleinen Fehler tun der Geschichte jedoch keinerlei Abbruch.

Eine kleine Plotlücke sehe ich an der Stelle, wo Faren Cery beauftragt, den Mann in dem Bordell zu töten. Hier wirkt Cery entschlossen, genau das zu tun. Ich vermisse jedoch die innere Auseinandersetzung damit, seinen ersten Mord begangen zu haben, insbesondere weil er nicht getötet hat, um Sonea zu beschützen oder aus Notwehr. Später, als Akkarin seine Gedanken liest, weist einzig der Satz „He had secrets […] Things even Faren would have been surprised to know.“ darauf hin, dass er den Mord vielleicht doch nicht begangen hat. Auch mit Kenntnis der gesamten Trilogie fällt es mir schwer, mir Cery als skrupellosen Mörder vorzustellen. Dennoch glaube ich nicht an eine andere Alternative. Cery hätte an dieser Stelle nicht die Macht besessen, den Mann dazu zu bringen, die Stadt zu verlassen. Ein weiterer Punkt, der dafür spricht, dass er den Mord begangenen hat, ist, wie er in jener Szene über Soneas Sicherheit nachdenkt. Ich denke, das gibt ihm den entscheidenden Schubs, es doch zu tun. Ein skrupelloser Mörder mag Cery nicht sein, doch ich traue ihm zu, dass er tötet, um zu beschützen, was ihm lieb und teuer ist.

Zitate

One day you may have to kill for your freedom.“ (Faren, Kapitel 9)

You may have grown up in the lowest class in society, but you have the pride of a king. One day everyone will be bowing to you, Sonea. That will even be harder for you to accept.“ (Rothen, Kapitel 26)

Die deutsche Version ’Die Rebellin’

Wie bei Übersetzungen üblich gibt es einige Fehler. So werden Synonyme hin und wieder gleich übersetzt, was dem Text einen Teil seines Abwechslungsreichtums nimmt. Was mich hier am meisten gestört hat, war dass ’to chuckle’ andauernd mit ’kichern’ übersetzt wurde, was insbesondere bei den männlichen Charakteren in den meisten Situationen völlig unpassend ist. Wer des Englischen mächtig ist, dem lege ich nahe, die Trilogie unbedingt im Original zu lesen, zumal durch die Übersetzung der komplette Hüttenslang zu einer Art flapsigen Umgangssprache mutiert. An dieser Stelle möchte ich auch auf ’Lord Dannyl’s Guide to Slum Slang’ im Anhang hinweisen.

Nicht zuletzt sind die Titel der Bücher so wie der Titel der gesamten Reihe bis auf den zweiten Teil völlig sinnfrei übersetzt.

Fazit

’The Magicians’ Guild’ ist ein wundervoller Auftakt zu einer wundervollen Fantasybuchreihe, die man unbedingt gelesen haben sollte und die, wie ein guter Wein, mit jedem Lesen besser wird. In einer Amazon-Rezension würde ich dem Buch 4,5 von 5 Sternen geben.

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