The Novice

Eine solider zweiter Teil, der Lust auf mehr macht

’The Novice’ ist der zweite Teil der ’Black Magician Trilogy’ und erzählt die Geschichte um Sonea, Rothen und Dannyl weiter. Wer jedoch Ähnlichkeiten zum ersten Teil erwartet hat, wird hier enttäuscht. Die Art und Weise, wie Canavan die Geschichte fortführt, führt in eine andere Richtung und eröffnet dabei neue Handlungsfäden und Konflikte. Während der erste Teil eher der Vorbereitung diente, kristallisiert sich hier allmählich der wahre Kern der Geschichte heraus.

Die Handlung

Novice

The Black Magician Trilogy Book 2 – The Novice

Die Gilde hat Sonea in ihre Reihen aufgenommen und ihr erstes Studienjahr an der Universität beginnt. Gleich an ihrem ersten Tag stößt sie auf Grund ihrer niederen Herkunft jedoch auf die Ablehnung ihrer Klassenkameraden, allen voran ein Junge namens Regin, der rasch zum Anführer eines Mobs wird. Sonea versucht, dem zu entkommen und mit der Unterstützung ihres Mentors (engl. „guardian“) Rothen, gelingt es ihr eine Klasse zu überspringen. Nur um festzustellen, dass Regin offenkundig dieselbe Idee hatte. Auch in der neuen Klasse setzt er alles daran, Sonea durch diverse Intrigen das Leben zur Hölle zu machen und setzt sogar das Gerücht in die Welt, sie und ihr Mentor hätten ein Verhältnis.

Soneas Situation verbessert sich kurzfristig, als Rothens Sohn Dorrien zu Besuch kommt. Doch ihr Glück währt nicht lange. Denn der Hohe Lord findet heraus, dass sie, Rothen und der Administrator der Gilde sein finsteres Geheimnis kennen. Er trennt Sonea von Rothen und erklärt sie zu seiner Novizin, um zu verhindern, dass die beiden Stillschweigen bewahren. Lorlen wird durch einen schwarzmagischen Ring, durch den Akkarin alles sehen und hören kann, was sein Träger sieht und hört, und zugleich seine Gedanken liest, kontrolliert. Dadurch geht die Freundschaft der beiden Männer zu Bruch.

Von da an wird Soneas Leben zu einem einzigen Albtraum. Sie hasst und fürchtet ihren neuen Mentor und muss zugleich dem Neid der anderen Novizen begegnen, die sie dafür hassen, dass ausgerechnet sie, das Hüttenmädchen, vom Hohen Lord erwählt wurde. Als Regin durch Zufall erfährt, dass Sonea ihren Mentor fürchtet, nutzt er die Situation schamlos aus. Durch die ständigen Angriffe von ihm und seinen Freunden wachsen Soneas Kräfte, doch sie weigert sich, sich gegen die anderen Novizen zu wehren.

Bis sie schließlich ihren Widersacher zu einem alles entscheidenden Duell herausfordert.

In einer Nebenhandlung wird Dannyl auf Grund seiner Verhandlungen mit den Dieben in ’The Magician’s Guild’ zum Botschafter nach Elyne befördert. Dort recherchiert er im Auftrag von Administrator Lorlen, Akkarins Vergangenheit, um herauszufinden, ob die Reise, die er nach seinem Abschluss unternahm und während der er schließlich für fünf Jahre spurlos verschwand, im Zusammenhang damit steht, dass er schwarze Magie praktiziert. Dabei arbeitet er mit einem jungen Gelehrten zusammen, der Akkarin damals bei seinen Recherchen in Elyne geholfen hat. Während Dannyl in seiner offiziellen Funktion weitere Länder bereist, führen er und Tayend die Recherche fort, wobei die beiden sich allmählich näherkommen und Dannyl sich wieder an etwas erinnerte, was er jahrelang verdrängt hat.

In einer weiteren Nebenhandlung ist Lorlen einer mysteriösen Mordserie auf der Spur, bei welcher der Täter alle paar Monate sein Muster ändert. Auch wenn Lorlens Untersuchung der Morde ergebnislos bleibt und nicht viel zum Plot beizutragen scheint, wird hier doch ein sehr wichtiges Element für den dritten Band eingeführt, wo das Geheimnis um diese Morde auf unerwartete Weise aufgeklärt wird. Zugleich verliert er immer mehr seinen Glauben an seine Freundschaft mit Akkarin. Lorlens Storyline rückt daher den Nicht-Erzählcharakter Akkarin weiter in den Vordergrund, während dessen Motive, warum er schwarze Magie praktiziert, immer mysteriöser werden.

Am Ende des Buches wird Sonea Zeuge eines Kampfes im Keller der Residenz des Hohen Lords. Dabei sieht sie, wie Akkarin einen Mann aus Sachaka tötet. Diese Szene ist der Aufhänger zum dritten Teil ’The High Lord’.

Die Charaktere

Wie im ersten Band sind Sonea, Rothen und Dannyl weiterhin Erzählcharaktere, Cery wird indes durch Administrator Lorlen ausgetauscht, durch den der Leser einen tieferen Einblick in Akkarins Leben und in dessen dunkles Geheimnis erhält. Während der Hohe Lord in ’The Magician’s Guild’ kaum Erwähnung findet und er vor dem Leser erst gegen Ende wirkliche Beachtung findet, stellt sich in ’The Novice’ nach und nach heraus, dass dieser ein zentraler und komplexer Nebencharakter ist, der letztendlich dder Dreh- und Angelpunkt der gesamten Trilogie ist. Letztendlich ist das keine Überraschung, da der Titel der Reihe dies bereits andeutet. Beim erstmaligen Lesen konnte ich bis zum Ende von ’The Novice’ nicht einmal sagen, ob Akkarin nun der Antagonist ist oder ob es bei seinem finsteren Tun um etwas Größeres geht. Einige seiner Handlungen ließen durchaus darauf schließen, dass er der Bösewicht ist, den es am Ende zu bekämpfen gilt, während sein übriges Verhalten deutlich im Widerspruch dazu steht.

Wie bereits im ersten Band sind die Charaktere allesamt sympathisch und liebenswert gezeichnet. Rothen überzeugt erneut mit seinem väterlichen und gutmütigen Gemüt. Dannyl, der bereits in ’The Magician’s Guild’ ein heiterer und lebhafter Charakter war, gewinnt hier durch die Entdeckung seines eigenen Geheimnisses an Tiefe, während er zugleich durch seine neue Aufgabe reift. Während man zu Beginn seiner Reise nach Elyne noch seine Gespräche mit Rothen vermisst, darf man sich bald über ähnlich erheiternde Dialoge zwischen ihm und seinem Assistenten freuen. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, als hätte Dannyl dadurch Rothens Rolle übernommen, während Tayend in diesen Dialogen ein wenig an den Dannyl aus Band eins erinnert. Lorlen überzeugt besonders durch seinen inneren Konflikt bezüglich seines besten Freundes und seiner Pflicht als Administrator der Gilde sowie seiner Ohnmacht gegenüber Akkarins Willkür.

Sonea bleibt auch in ’The Novice’ die Identifikationsfigur für den Leser. Man kann nicht anders, als mit ihr zu leiden, mitzufiebern und Hoffnung zu schöpfen, ihre Situation könne sich vielleicht doch noch verbessern. Sonea handelt nicht immer logisch und vernünftig, aber genau das macht sie für mich so sympathisch und lässt sie sehr natürlich wirken. Ich empfinde diesen Aspekt als sehr positiv, da Autoren gerne dazu neigen, ihre Hauptfigur zur Mary-Sue zu machen, was Sonea definitiv nicht ist.

Themenschwerpunkte

Während in ’The Magician’s Guild’ soziale Ungerechtigkeit das vorherrschende Thema war, liegt in ’The Novice’ ein neuer Schwerpunkt auf Mobbing, das Sonea durch ihre Mitschüler widerfährt. Ihr Erzfeind Regin kann dabei durchaus als Draco Malfoy der Magiergilde betrachtet werden, wobei man Malfoy zugutehalten muss, dass selbst er nicht so niederträchtig war. Dazu kommen Krimi-Elemente und Verrat in Lorlens Storyline. Das Thema Homosexualität, das von Canavan sehr sensibel behandelt wird, kommt in der Storyline von Dannyl hier erst richtig zum Tragen, während man es in ’The Magician’s Guild’ nur erahnen konnte.

Längen

Wie der erste Band hat ’The Novice’ ein paar Längen. So fand ich Dannyls Reise durch die Verbündeten Länder nicht sonderlich spannend, auch wenn es schön zu lesen war, dass Frau Canavan sich für die Kulturen von Elyne, Lonmar und Vin ausgedacht hat. Doch hier gilt wie bei ’The Magician’s Guild’ das guter-Wein-Prinzip. Bei jedem Lesen fallen mir hier mehr Details auf, die die Entwicklung der Beziehung von Dannyl und Tayend vorantreiben und die beiden so einzigartig machen. Insofern kann man sagen, dass ihre Reise durchaus einen Sinn hat, auch wenn sie dabei so gut wie nichts über alte Magie herausfinden.

Auch das ständige Mobbing Soneas durch Regin und seine Bande fand ich auf Dauer etwas ermüdend zu lesen. Oft habe ich mir gewünscht, Sonea würde sich einfach gegen ihre Peiniger wehren. Doch das hätte ihrem Charakter widersprochen. Sie ist extrem leidensfähig und sie ist stolz. Zudem verachtet sie das Kämpfen mit Magie. Und natürlich denkt sie wie ein typisches Opfer: Sie hofft, die anderen würden sie irgendwann in Ruhe lassen, wenn sie stillhält.

Logikfehler

Entweder gibt es in den Gräbern der Weißen Tränen eine geologische Anomalie, oder Frau Canavan hat das Wachstum von Tropfsteinen nicht gründlich genug recherchiert. Denn in 1000 Jahren wachsen diese allenfalls einige Millimeter.

Lieblingszitate

Kapitel 4, Lorlen und Akkarin
„So what did you tell him?“
„That uncle Fergun had done a bad, bad thing, but not to worry, as the nice men at the Fort would make sure, he was well looked after for all the years he stayed there.“
„I mean what did you tell Nefin?“
„Precisely the same. Well, not in exactly the same words, of course. Not only do they give me the satisfaction of refusing, but I’ve had no marriage proposals from House Maron since Fergun departed. That is an even better reason to keep the man tucked away in the Fort.“

Kapitel 6, Tayend
„There’s always a bit of truth in each rumor, the trouble is finding out which bit.“

Kapitel 12, Dannyl und Tayend
„Look at them all“, Dannyl said to Tayend quietly. „It’s like a forest of gigantic trees.“
„Or a thousand swords.“
„Or masts of ships waiting to take souls away.“
„Or an enormous bed of nails.“

Kapitel 29, Tayend
„There is a … a certainty in me about what is natural and right for me.“

Kapitel 33, Akkarin
„You’re not going to die on me, are you?“, he asked dryly. „That would be inconvenient.“

Epilog, Sonea
„She had seen him kill, and that was not something she would ever forget.“

Fazit

Trotz einiger Längen ein guter zweiter Teil, der im Gegensatz zu den meisten zweiten Teilen nicht nur auf das Finale hinarbeitet, sondern auch eine in sich geschlossene Haupthandlung bietet. Einige Fäden bleiben werden selbstverständlich nicht zum Ende gebracht, weil sie auf den dritten Teil vorbereiten und dort aufgelöst werden. Besonders gut an ’The Novice’ gefällt mir die Sonea-Storyline ab der Stelle, an der sie Akkarins Novizin wird, so wie die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Akkarin und Lorlen sowie Dannyl und Tayend. Die Verbesserungen in Canavans Schreibstil machen das Buch zu einem wahren Lesevergnügen.

Bei einer Amazon-Rezension würde ich 4 von 5 Sternen für dieses Buch vergeben, wobei der Abzug durch die Längen und Logikfehler zustande kommt.

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